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Orion-Rückkehr: Wie die Nasa jede Landung technisch zerlegt

19. April 2026

Hier werden die Besatzungsmitglieder von Artemis II nach ihrer erfolgreichen Wasserung im Pazifik in ein Rettungsfloß gebracht.
Hier werden die Besatzungsmitglieder von Artemis II – Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und der Missionsspezialist der Kanadischen Weltraumagentur Jeremy Hansen – nach ihrer erfolgreichen Wasserung im Pazifik in ein Rettungsfloß gebracht. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | James Blair
31 Terabyte Daten, riskante Bergung, komplexe Aufbereitung: So läuft die Post-Landing-Phase der Orion-Mission wirklich ab.
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Am 11. April 2026 ist die Orion-Raumkapsel der Mission Artemis erfolgreich auf der Erde gelandet. Kurz zuvor hatte sie den kritischsten Moment der gesamten Mission zu bestehen. Den Eintritt in die Erdatmosphäre mit rund 40.000 km/h. Temperaturen von bis zu etwa 2800 °C wirken in diesem Moment auf den Hitzeschild ein. Gleichzeitig entsteht ein Plasma um die Kapsel, das für rund sechs Minuten jede Funkverbindung zur Erde unterbricht.

Mit der Wasserung ist die Mission technisch jedoch noch nicht abgeschlossen. Ab diesem Moment verschiebt sich der Fokus: weg vom Flug, hin zur Auswertung unter realen Bedingungen. Für die Ingenieurinnen und Ingenieure der Nasa und des Partners Lockheed Martin beginnt dann die eigentliche Arbeit.

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Bergung, Analyse und Transport greifen in dieser Phase eng ineinander. Wie gut das funktioniert, entscheidet darüber, ob sich das Artemis-Programm langfristig betreiben lässt. Orion ist kein Wegwerfprodukt. Es geht darum, möglichst viele Systeme wieder in einen flugfähigen Zustand zu bringen.

Inhaltsverzeichnis

Die Lehren aus dem „Skip-Entry“

Schon beim Wiedereintritt zeigt sich, wie viel Arbeit nach der Landung auf die Teams zukommt. Bei der unbemannten Artemis-I-Mission setzte die Nasa auf den sogenannten „Skip-Entry“.

Dabei taucht die Kapsel zunächst flach in die Atmosphäre ein, verlässt sie kurzzeitig wieder und tritt anschließend ein zweites Mal ein. Dieses Verfahren erhöht die Reichweite und erlaubt eine präzisere Steuerung der Landeposition.

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Die Auswertung nach der Mission brachte jedoch ein Problem ans Licht. Am Hitzeschild aus Avcoat-Material kam es lokal zu Materialverlusten. Während der Abkühlphase veränderte sich die Durchlässigkeit der verkohlten Oberfläche. Pyrolysegase aus tieferen Schichten konnten nicht ausreichend entweichen. Der entstehende Druck führte dazu, dass sich kleinere Bereiche ablösten.

So sieht es aus, wenn die Orion-Raumkapsel in die Erdatmosphäre eintritt

Für Artemis II wurde das Profil deshalb angepasst. Statt des Skip-Entry kam ein steilerer Wiedereintritt zum Einsatz, der als „Lofted Entry“ bezeichnet wird.

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Die Kapsel durchquerte die heißen Atmosphärenschichten dabei auf einer gleichmäßigeren Bahn und blieb kürzer in kritischen Übergangsbereichen. Das reduzierte das Risiko von Materialschäden am Hitzeschild.

Parameter Artemis I (Skip-Entry) Artemis II (Lofted Profile)
Max. Geschwindigkeit ~39.500 km/h ~40.000 km/h
Max. Temperatur ~2800 °C ~2760 °C
Charakteristik Langer Skip, Abkühlphase Steiler Abstieg, kurze Dauer
Hauptziel Reichweite Hitzeschild-Stabilität

Präzisionsarbeit auf hoher See

Sobald die Orion-Kapsel an ihren drei Hauptfallschirmen mit etwa 32 km/h auf der Meeresoberfläche aufsetzt, zählt jede Minute.

Ein Schiff der U.S. Navy – bei Artemis II war es die USS John P. Murtha – übernimmt die Bergung. Die Abläufe sind eingespielt, weil zwischen Wasserung, Crew-Rettung und Sicherung der Kapsel nur wenig Zeit bleibt.

Zunächst nähern sich Teams in Schlauchbooten. Ihr Ziel: die Besatzung schnell und sicher aus der Kapsel holen. Die Astronautinnen und Astronauten steigen über eine Seitenluke aus und betreten eine aufblasbare Plattform, die als „Front Porch“ dient. Von dort geht es per Hubschrauber direkt auf das Bergungsschiff.

An Bord folgt sofort die medizinische Untersuchung. Dabei prüfen Ärztinnen und Ärzte unter anderem, wie der Körper auf Belastungen von bis zu etwa 3,9 g reagiert hat und wie schnell sich der Kreislauf wieder stabilisiert.

Diese Abläufe sind auch für Notfälle ausgelegt. Im Ernstfall entscheidet die Geschwindigkeit der Bergung über die weitere Versorgung der Crew.

Bergung der Kapsel: kontrolliert statt improvisiert

Nach der Evakuierung der Besatzung rückt die Technik in den Mittelpunkt. Taucher befestigen Zug- und Halteleinen an definierten Punkten der Kapsel. Anschließend wird das Welldeck des Schiffes geflutet. Die Kapsel wird hineingezogen und über einer speziellen Halterung positioniert. Danach wird das Wasser wieder abgepumpt.

Schon jetzt beginnt die Dokumentation. Unterwasseraufnahmen halten den Zustand des Hitzeschildes fest, bevor mechanische Einflüsse während der Bergung Spuren hinterlassen.

Hier wird die Orion-Raumkapsel auf das Welldeck der USS John P. Murtha gezogen

Gefährliche Fracht auf dem Weg nach Florida

Nach der Ankunft im Hafen von San Diego folgt der nächste Schritt: der Transport zum Kennedy Space Center (KSC) in Florida. Die Strecke beträgt rund 3200 km.

Die Kapsel wird auf einem spezialisierten Tieflader verladen. Wegen der Überbreite sind Genehmigungen für jeden Bundesstaat nötig. Deshalb rollt der Transport häufig nachts.

Während die Kapsel unterwegs ist, beginnt die Auswertung bereits im Hintergrund. Teams prüfen erste Telemetriedaten und verschaffen sich einen Überblick darüber, welche Systeme für eine Wiederverwendung infrage kommen.

De-Servicing in der MPPF

Am Kennedy Space Center angekommen, geht es in die Multi-Payload Processing Facility (MPPF). Hier startet der sicherheitskritischste Teil der Nachbereitung: das sogenannte De-Servicing.

In der Kapsel befinden sich mehrere gefährliche Stoffe:

  • Monomethylhydrazin (MMH): hochtoxischer Treibstoff
  • Stickstofftetroxid (NTO): stark ätzendes Oxidationsmittel
  • Ammoniak: unter Druck stehendes Kühlmittel
  • Helium: Hochdruckgas zur Tankregelung

Diese Stoffe werden ferngesteuert entfernt. Das Personal arbeitet in speziellen Schutzanzügen, den sogenannten SCAPE-Suits. Erst wenn die Kapsel vollständig dekontaminiert ist, beginnt die eigentliche Untersuchung.

3D-Scans und 31 Terabyte Daten

In den folgenden Wochen wird die Kapsel systematisch analysiert. Ingenieurinnen und Ingenieure vermessen den Hitzeschild mit 3D-Laserscannern und prüfen, wie stark das Material abgetragen wurde. Gleichzeitig untersuchen sie den Druckkörper auf mögliche Schäden durch Hitze und Wasseraufprall.

Parallel werden die internen Datenspeicher ausgelesen. Mehr als 31 Terabyte an Bild- und Sensordaten liefern ein detailliertes Bild des Fluges.

Ausgewertet werden unter anderem:

  • die Leistung der Lebenserhaltungssysteme
  • die Strahlenbelastung außerhalb des Erdmagnetfeldes
  • das Verhalten der Avionik unter realen Bedingungen

Aus diesen Daten leitet die NASA ab, wo Systeme angepasst oder neu ausgelegt werden müssen.

Wiederverwendung als strategisches Ziel

Ein zentrales Ziel des Artemis-Programms ist die Wiederverwendung von Komponenten. Für eine Mission wie Artemis II sind rund 286 Bauteile vorgesehen.

Der Fokus liegt auf komplexen und teuren Systemen:

  • Phased-Array-Antennen für Kommunikation
  • Inertiale Messeinheiten für Navigation
  • Avionik- und Datenverarbeitungssysteme
  • Astronautensitze

Komponenten, die extremen Belastungen ausgesetzt waren – etwa der äußere Hitzeschild oder Fallschirme – werden dagegen ersetzt.

Der Aufbereitungsprozess folgt einem festen Schema:

  1. Demontage
  2. Reinigung, insbesondere zur Entfernung von Salzwasser
  3. erneute Qualifikationstests
  4. Zertifizierung für den nächsten Einsatz

Langfristig soll die Zahl der wiederverwendeten Bauteile deutlich steigen. Perspektivisch geht es um mehrere tausend Komponenten pro Kapsel.

Fazit: Der eigentliche Test beginnt nach der Landung

Mit der Wasserung endet die Mission nur aus Sicht der Flugbahn. Technisch beginnt danach die entscheidende Phase. Erst die Auswertung zeigt, welche Systeme sich bewährt haben und wo nachgebessert werden muss. Gleichzeitig entscheidet sich hier, wie viele Komponenten erneut eingesetzt werden können.

Die Post-Landing-Phase schließt damit den Entwicklungszyklus jeder Mission. Ohne sie wäre das Artemis-Programm weder wirtschaftlich noch skalierbar. Die Erfahrungen aus Orion fließen direkt in die nächsten Schritte ein – und bilden die Grundlage für künftige Missionen, die deutlich weiter gehen sollen als der Mond.



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