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E-Autos werden günstiger, doch die Statistik täuscht

20. Juli 2026

E-Auto von BMW an der Ladesäule
Eine Studie von Fraunhofer ISI und ICCT zeigt: Vergleichbare E-Autos wurden real günstiger, während Verbrenner teurer wurden. Foto: picture alliance / SZ Photo | Olaf Schülke
Elektroautos wurden seit 2020 inflationsbereinigt 18 % günstiger. Eine Studie erklärt, warum ihre mittleren Listenpreise trotzdem steigen.
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Der mittlere Listenpreis von Elektroautos ist in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen. 2020 lag er bei rund 37.000 €, 2025 bereits bei etwa 53.000 €. Das entspricht nominal einem Plus von rund 42 %. Trotzdem kommt eine neue Untersuchung zu dem Ergebnis, dass vergleichbare Elektroautos inflationsbereinigt 18 % günstiger geworden sind.

Das klingt zunächst widersprüchlich. Entscheidend ist jedoch, welche Fahrzeuge miteinander verglichen werden. Das Angebot hat sich seit 2020 grundlegend verändert. Inzwischen stehen deutlich mehr große, leistungsstarke und entsprechend teure Elektroautos zur Auswahl. Ein einfacher Vergleich der mittleren Preise verzerrt daher die tatsächliche Entwicklung.

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Für die Studie werteten das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und der International Council on Clean Transportation (ICCT) Fahrzeugdaten aus den Jahren 2020 bis 2025 aus. Die Grundlage bildete der Autokatalog des ADAC mit mehr als 100.000 Preis- und Fahrzeugangaben. Die Daten für 2025 reichen bis September.

Inhaltsverzeichnis

Warum Elektroautos gleichzeitig teurer und günstiger wurden

Die Zahl der angebotenen Elektroautomodelle stieg von 38 im Jahr 2020 auf 159 im Jahr 2025. Damit hat sie sich mehr als vervierfacht. Besonders stark wuchs das Angebot in der unteren Mittelklasse, der Mittelklasse und der oberen Mittelklasse. Diese drei Segmente stellten 2025 zusammen 73 % aller untersuchten Elektroautomodelle.

Der Markt verlagerte sich damit in Richtung größerer und teurerer Fahrzeuge. Günstige Modelle kamen erheblich langsamer hinzu. Mini- und Kleinwagen erreichten 2025 zusammen nur einen Anteil von 14 % am elektrischen Modellangebot.

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„Der mittlere Preis ist dadurch gestiegen, es sind aber auch ganz andere Fahrzeuge“, sagt Patrick Plötz vom Fraunhofer ISI. „Man würde also Kirschen mit Äpfeln vergleichen. Um das zu verhindern, haben wir versucht, gleiche oder vergleichbare Fahrzeuge über die Zeit zu betrachten.“

Die Forschenden verfolgten deshalb einzelne Modelle über mehrere Jahre. Dabei berücksichtigten sie Veränderungen bei Leistung, Masse, Batteriekapazität und Reichweite. Auf diese Weise konnten sie Preissteigerungen von technischen Verbesserungen und Verschiebungen im Modellangebot trennen.

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Verbrenner verteuerten sich stärker

Im bereinigten Vergleich blieben die nominalen Listenpreise der Elektroautos zwischen 2020 und 2025 nahezu konstant. Die Preise vergleichbarer Verbrenner stiegen dagegen um rund 24 %.

Nach Abzug der Inflation ergibt sich folgendes Bild:

  • Vergleichbare Elektroautos wurden real rund 18 % günstiger.
  • Vergleichbare Verbrenner verteuerten sich real um etwa 2 %.
  • Der nominale Marktmedian der Elektroautos stieg trotzdem von 37.000 auf 53.000 €.
  • Der Anstieg erklärt sich vor allem durch das veränderte Modellangebot.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich der Markt für Elektroautos in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt hat. Die Fahrzeuge bieten heute im Durchschnitt größere Reichweiten und mehr Motorleistung, während die realen Preise vergleichbarer Modelle gesunken sind“, sagt Peter Mock vom ICCT.

Die Aussage, Elektroautos seien seit 2020 generell um 18 % billiger geworden, wäre dennoch zu pauschal. Die Zahl beschreibt keine tatsächlich gezahlten Verkaufspreise. Sie gilt für inflationsbereinigte Listenpreise technisch vergleichbarer Modelle.

Mehr Reichweite fürs Geld

Die stabilen nominalen Preise gingen mit technischen Fortschritten einher. Besonders in der unteren und oberen Mittelklasse legten die Reichweiten zu.

In der unteren Mittelklasse stieg die mittlere WLTP-Reichweite von rund 340 auf etwa 420 km. Das entspricht einem Zuwachs von ungefähr 24 %. In der oberen Mittelklasse nahm sie von etwa 400 auf fast 530 km zu – ein Plus von rund 31 %. In anderen Segmenten fiel der Fortschritt geringer aus.

Auch das Verhältnis von Listenpreis zu Reichweite verbesserte sich. Inflationsbereinigt zahlten Käuferinnen und Käufer 2020 im Mittel etwa 140 € je Kilometer angegebener WLTP-Reichweite. 2025 waren es rund 120 €. Der Wert sank damit um ungefähr 15 %.

Diese Kennzahl beschreibt nicht die Betriebskosten eines Autos. Sie setzt lediglich den Fahrzeugpreis ins Verhältnis zur zertifizierten Reichweite. Dennoch zeigt sie, dass aktuelle Elektroautos mehr elektrische Reichweite für das eingesetzte Geld bieten.

Batteriepreise sanken stärker als Fahrzeugpreise

Ein wesentlicher Kostenfaktor bleibt die Batterie. Auf Grundlage weltweiter Marktdaten schätzen die Forschenden, dass die nominalen Kosten kompletter Batteriesysteme zwischen 2020 und 2025 um etwa 21 % bis 24 % sanken. Sie gingen von ungefähr 165 bis 185 €/kWh auf rund 130 bis 140 €/kWh zurück.

Inflationsbereinigt beträgt der Rückgang sogar 35 % bis 37 %. Dabei handelt es sich allerdings nicht um öffentlich bekannte Einkaufspreise einzelner Autohersteller. Die Studie leitet die Werte aus globalen Batteriepackpreisen ab und ergänzt geschätzte Kosten für Kühlung, Batteriemanagement, Gehäuse und Fahrzeugintegration.

„Die gesunkenen Batteriepreise sind noch nicht vollständig weitergegeben worden. Außerdem sollten auch steigende Stückzahlen und der Druck auf die Hersteller durch CO2-Grenzwerte helfen“, sagt Plötz.

Ein Teil der Kostensenkungen floss offenbar in größere Batterien, mehr Reichweite und höhere Leistung. Die Studie nennt zudem Entwicklungskosten und mögliche Veränderungen der Herstellermargen als Erklärungen. Welche Rolle die einzelnen Faktoren spielen, lässt sich aus öffentlich zugänglichen Daten nicht zuverlässig bestimmen.

Je nach Rechenszenario sank der geschätzte Anteil des Batteriesystems am Fahrzeugpreis von 22 bis 25 % im Jahr 2020 auf 19 bis 21 % im Jahr 2025. Luxusmodelle blieben bei dieser Auswertung außen vor.

Günstige Elektroautos fehlen weiterhin

Der reale Preisrückgang bedeutet nicht, dass Elektroautos bereits in allen Klassen preislich mit Verbrennern gleichgezogen haben. Vor allem bei günstigen Fahrzeugen bleibt das Angebot begrenzt.

Im Kleinwagensegment standen 2025 nach Angaben der Studie 19 Elektroautomodelle 35 Verbrennermodellen gegenüber. Bei Kleinstwagen sank die Zahl der elektrischen Modelle im Untersuchungszeitraum sogar. Die Forschenden sehen deshalb weiterhin eine Lücke bei preisgünstigen Fahrzeugen.

Plötz hält es dennoch für möglich, dass vergleichbare Elektroautos und Verbrenner in Europa bis etwa 2030 ähnliche Kaufpreise erreichen. Dabei handelt es sich um eine Fortschreibung der bisherigen Entwicklung und nicht um eine konkrete Prognose der Studie. „Bei den Gesamtkosten pro Kilometer wären sie dann klar günstiger“, sagt er.

Listenpreise zeigen nicht die gesamte Marktrealität

Die Untersuchung hat mehrere Grenzen. Sie verwendet Herstellerlistenpreise und keine tatsächlich gezahlten Preise nach Rabatten. Zudem gewichtet sie die Modelle nicht nach ihren Verkaufszahlen. Ein selten zugelassenes Luxusmodell zählt statistisch genauso wie ein häufig verkaufter Kompaktwagen.

Auch zusätzliche Ausstattung und Qualitätsverbesserungen lassen sich nur teilweise berücksichtigen. Hinzu kommt, dass der Datensatz für 2025 bereits im September endet.

Dennoch zeigt die Analyse, wie stark ein einfacher Blick auf den mittleren Listenpreis täuschen kann. Elektroautos wurden im Angebot zwar größer und im Median teurer. Bei vergleichbaren Modellen blieben die nominalen Preise jedoch weitgehend stabil. Gleichzeitig erhielten Käuferinnen und Käufer mehr Reichweite und Leistung. Bereinigt um die Inflation ergibt sich deshalb ein deutlicher Preisrückgang. (mit Material der dpa)



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