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Über 254.000 ha verbrannt: KI soll Wasserabwürfe präziser machen

27. Juli 2026

Ein Löschflugzeug der französischen Sécurité civile wirft am 23. Juli 2026 Wasser über einem Waldbrand bei Cotignac ab
Ein Löschflugzeug der französischen Sécurité civile wirft am 23. Juli 2026 Wasser über einem Waldbrand bei Cotignac ab. Dichte Rauchwolken und offene Flammen erschweren den Einsatz in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Foto: picture alliance / abaca | Durand Thibaut/ABACA
In der EU sind 2026 bereits 254.388 ha verbrannt. Ein neues System soll Wasserabwürfe mit Kameras, Simulationen und KI präziser machen.
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Eine Fläche fast so groß wie das Saarland ist 2026 in der EU bereits verbrannt. Bis zum 22. Juli registrierte das Europäische Waldbrandinformationssystem EFFIS 1.254 größere Feuer. Das sind mehr als doppelt so viele wie im langjährigen Mittel.

Besonders angespannt war die Lage Anfang Juli in Portugal und Frankreich. Beide Länder forderten über das EU-Katastrophenschutzverfahren Unterstützung an. Löschflugzeuge, Fahrzeuge und mehr als 100 Feuerwehrleute aus mehreren europäischen Staaten wurden mobilisiert.

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Satelliten liefern Einsatzkräften inzwischen mehrmals täglich neue Informationen über aktive Feuer. Für grenzüberschreitende Einsätze stehen 22 Flugzeuge und fünf Hubschrauber bereit. Doch auch moderne Technik kann die Brandbekämpfung nicht beliebig beschleunigen. Ein Wasserabwurf wirkt nur dann, wenn Flughöhe, Geschwindigkeit, Wind und Öffnungszeitpunkt zusammenpassen.

Genau hier setzt das Forschungsprojekt „Forest Shield“ an. Das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM und das Start-up CAURUS Technologies entwickeln ein Assistenzsystem, das den günstigsten Zeitpunkt für einen Wasserabwurf berechnen und anschließend dessen Wirkung bewerten soll.

Inhaltsverzeichnis

Mehr als doppelt so viele Feuer wie im Durchschnitt

Seit Jahresbeginn sind in der EU 254.388 ha durch Feuer geschädigt worden. Das entspricht knapp 2544 km². Im Vergleichszeitraum des Rekordjahres 2025 waren es mit 270.449 ha etwas mehr.

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Deutlich auffälliger ist die Zahl der registrierten Brände. EFFIS erfasste bis zum 22. Juli 2026 insgesamt 1.254 Feuer. Im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025 waren es zum gleichen Zeitpunkt 569. Nur 2025 lag mit 1.329 Bränden noch darüber.

Die Statistik des Joint Research Centre berücksichtigt Feuer ab ungefähr 30 ha, die zumindest teilweise bewaldete Flächen betreffen. Kleinere Brände fehlen daher in der Übersicht. Auch kontrollierte Feuer zur Vegetationspflege können enthalten sein. Nationale Statistiken können deshalb zu anderen Ergebnissen kommen.

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Die geschätzten CO₂-Emissionen lagen bei 8,31 Mio. t. Das ist weniger als im Vorjahreszeitraum und weniger als der langjährige Mittelwert von 8,89 Mio. t. Eine größere Brandfläche führt nicht automatisch zu proportional höheren Emissionen. Entscheidend ist unter anderem, welche Vegetation mit welcher Intensität verbrennt.

Die Brandgefahr bleibt hoch

Für den Zeitraum vom 22. bis 29. Juli wies EFFIS vor allem im Südwesten Frankreichs und im Norden Spaniens die höchste Gefahrenstufe aus. Extreme Bedingungen galten für weite Teile der Iberischen Halbinsel sowie für West- und Zentralfrankreich.

Entspannung ist zunächst nicht überall in Sicht. Für die Woche vom 27. Juli bis 2. August prognostiziert EFFIS überdurchschnittliche Temperaturen in Süd- und Mitteleuropa. Besonders stark fallen die Abweichungen über Frankreich und dem Norden der Iberischen Halbinsel aus.

Zugleich wird von Frankreich über die Alpen bis zum Balkan weniger Niederschlag als üblich erwartet. Die Prognose sagt keine konkreten Feuer voraus. Sie zeigt jedoch, dass die meteorologischen Bedingungen für die Entstehung und Ausbreitung von Bränden in mehreren Regionen ungünstig bleiben.

Satelliten liefern kein lückenloses Echtzeitbild

Eine wichtige Grundlage der europäischen Waldbrandüberwachung sind Daten der Satellitensensoren MODIS und VIIRS. Sie suchen nach thermischen Anomalien: Flächen, deren Temperatur deutlich über der Umgebung liegt.

MODIS erkennt aktive Feuer mit einer Pixelgröße von 1 km. VIIRS erreicht 375 m und kann dadurch kleinere Wärmequellen erfassen. EFFIS aktualisiert die Informationen über aktive Feuer normalerweise sechsmal täglich. Zwischen der Aufnahme und der Bereitstellung im System vergehen meist zwei bis drei Stunden.

Ein solcher Hotspot ist allerdings noch kein bestätigter Vegetationsbrand. Auch Industrieanlagen, landwirtschaftliche Feuer oder andere Wärmequellen können auffällige Signale erzeugen. Kleine Feuer können innerhalb eines Pixels unentdeckt bleiben. Wolken und dichter Rauch erschweren die Erkennung zusätzlich.

EFFIS filtert die Satellitendaten deshalb anhand von Landnutzung, Entfernung zu bebauten Flächen und der Zuverlässigkeit des jeweiligen Signals. Für die endgültige Kartierung der verbrannten Fläche werden zusätzlich optische Aufnahmen ausgewertet.

MODIS liefert dafür Bilder mit 250 m Auflösung. Seit 2018 nutzt EFFIS außerdem Sentinel-2-Daten mit 20 m Auflösung. Fachleute überprüfen die erkannten Brandflächen und korrigieren deren Umrisse. Nach Angaben des Systems decken die kartierten Feuer rund 95 % der jährlich verbrannten Gesamtfläche in der EU ab.

Feuerwehrkräfte bekämpfen am 23. Juli 2026 einen Großbrand in einem Kiefernwald nahe Le Porge

22 Flugzeuge und fünf Hubschrauber stehen bereit

Für die Waldbrandsaison 2026 haben die beteiligten Staaten 22 Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber für europäische Einsätze bereitgestellt. Die Flotte umfasst 14 Amphibienflugzeuge und acht leichtere Maschinen. Stationiert sind sie in elf EU-Staaten und Nordmazedonien.

Zusätzlich stehen 20 Bodenlöschteams, ein Beratungs- und Bewertungsteam sowie 777 vorpositionierte Feuerwehrleute aus 14 Ländern bereit. Die Einsatzkräfte werden vom 1. Juli bis 15. September in besonders gefährdeten Regionen in Zypern, Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal eingesetzt.

Die Flugzeuge und Hubschrauber bilden jedoch keine dauerhaft zentral geführte EU-Flotte. Ein großer Teil der Technik gehört weiterhin den beteiligten Staaten. Das rund um die Uhr besetzte Emergency Response Coordination Centre in Brüssel koordiniert die Unterstützung, sobald ein Land Hilfe anfordert.

Portugal aktivierte das Verfahren am 3. Juli. Spanien entsandte daraufhin 118 Feuerwehrleute und 45 Fahrzeuge. Zusätzlich kamen drei Löschflugzeuge aus Italien und Spanien zum Einsatz.

Frankreich bat am 5. Juli um Unterstützung. Die EU mobilisierte vier Flugzeuge aus Schweden und Zypern.

Der richtige Moment entscheidet über die Wirkung

Ein Löschhubschrauber muss Wasser oder anderes Löschmittel aus geringer Höhe über dem Ziel abwerfen. Nach Angaben des Fraunhofer ITWM wird der Boden des Löschbehälters häufig in einer Höhe von 15 bis 40 m geöffnet.

Die Besatzung muss dabei nicht nur den Hubschrauber durch Rauch und Turbulenzen steuern. Sie muss außerdem abschätzen, wann sie den Behälter öffnet. Wind, Thermik, Fluggeschwindigkeit und Waldstruktur beeinflussen, wo das Wasser tatsächlich auftrifft.

Zwischen zwei Abwürfen muss der Behälter erneut gefüllt werden. Ein schlecht platzierter Abwurf kostet deshalb nicht nur Wasser, sondern auch Zeit.

Nach Angaben des Fraunhofer ITWM können bereits kleine Veränderungen bei Flughöhe und Abwurfzeitpunkt die Löschwirkung um mehr als 20 % verändern. Die zugrunde liegenden Studien nennt die Pressemitteilung allerdings nicht näher. Der Wert lässt sich daher nicht unabhängig überprüfen.

Kameras beobachten Brand und Wasserabwurf

Das Projekt „Forest Shield“ soll die Besatzung bei dieser Entscheidung unterstützen. Dazu wird oberhalb des Löschwasserbehälters eine Sensorplattform von CAURUS Technologies befestigt.

Sie enthält:

  • HD-Kameras,
  • Infrarotkameras,
  • Lagesensoren.

Die Plattform erfasst die Situation während des Flugs und verknüpft die Aufnahmen mit Positionsdaten. Dadurch lässt sich auf einer Karte nachvollziehen, wo ein Abwurf erfolgte und wie sich das Löschmittel verteilt hat.

Das System soll den günstigen Abwurfzeitpunkt vorschlagen und die erwartete Verteilung des Löschmittels berechnen. Nach dem Abwurf sollen die Sensordaten zeigen, wo das Wasser tatsächlich aufgetroffen ist. Damit könnte die Einsatzleitung die Wirkung einzelner Abwürfe besser bewerten.

Die Folgen des Waldbrands im spanischen El Tiemblo in der Provinz Ãvila

Digitaler Zwilling simuliert den Weg der Tropfen

Um die Vorhersagemodelle zu trainieren, benötigen die Forschenden zahlreiche Abwurfdaten. Reale Einsätze allein liefern jedoch nur begrenzt vergleichbare Bedingungen. Wind, Flughöhe, Fluggeschwindigkeit und Vegetation unterscheiden sich von Einsatz zu Einsatz.

Deshalb verwendet das Fraunhofer ITWM die Simulationssoftware MESHFREE. Sie bildet den Weg der Wassertropfen vom Behälter bis zum Boden nach. In die Berechnung fließen nach Angaben des Instituts unter anderem Wind und Waldstruktur ein.

Aus Sensor- und Bilddaten entsteht ein digitaler Zwilling des Abwurforts. Darin können die Forschenden einzelne Parameter nachträglich verändern. So lässt sich beispielsweise untersuchen, wie sich eine andere Flughöhe oder ein späterer Öffnungszeitpunkt auf die Wasserverteilung ausgewirkt hätte.

Für schnelle Berechnungen im Einsatz sollen vereinfachte Machine-Learning-Modelle eingesetzt werden. Diese sogenannten Surrogatmodelle werden mit Ergebnissen der umfangreicheren Simulationen trainiert. Sie bilden deren Resultate näherungsweise ab, benötigen dafür aber deutlich weniger Rechenzeit.

Reale Daten aus späteren Abwürfen sollen zurück in das Simulationssystem fließen und die Modelle schrittweise verbessern. Ob dieser Ansatz auch unter realen Einsatzbedingungen zuverlässig funktioniert, ist bislang nicht nachgewiesen.

Testflüge beginnen erst 2027

„Forest Shield“ ist noch kein einsatzbereites Produkt. Die Projektpartner präsentierten im Juni 2026 auf der Feuerwehr- und Katastrophenschutzmesse Interschutz in Hannover einen ersten Demonstrator.

Bis zum Projektende im Juli 2027 soll das Versuchssystem fertiggestellt werden. Danach sind gemeinsam mit der Feuerwehr Testflüge vorgesehen. Erst dabei wird sich zeigen, wie zuverlässig die Vorhersagen bei wechselndem Wind, dichter Rauchentwicklung und unterschiedlichen Vegetationsformen ausfallen.

Weitere Funktionen befinden sich bislang nur im Planungsstadium. Die Projektpartner nennen unter anderem die Vorhersage der Brandausbreitung, die Ortung eingeschlossener Personen und Fahrzeuge sowie die Berücksichtigung schützenswerter Gebiete.

Das sind mögliche spätere Anwendungen. Sie gehören noch nicht zum nachgewiesenen Funktionsumfang des Demonstrators.

Neue EU-Flugzeuge kommen frühestens 2028

Unabhängig von „Forest Shield“ baut die EU ihre eigenen Löschkapazitäten aus. Geplant ist eine permanente rescEU-Flotte mit zwölf neuen Amphibienflugzeugen. Je zwei Maschinen sollen in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien und Griechenland stationiert werden.

Die ersten Flugzeuge werden nach Angaben der EU-Kommission Anfang 2028 erwartet. Hinzu kommen fünf neue Hubschrauber für Rumänien, die Slowakei und Tschechien. Der erste davon wurde Anfang 2026 an Rumänien übergeben.

Bis die neuen Flugzeuge verfügbar sind, bleibt die EU auf national bereitgestellte Maschinen angewiesen. Neue Assistenzsysteme könnten deren Einsätze gezielter machen. Sie vergrößern jedoch weder die Zahl der verfügbaren Luftfahrzeuge noch ersetzen sie Einsatzkräfte am Boden.nstoffmanagement und vorausschauende Raumplanung.

Quellen



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