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58.392 Arbeitslose, 96.760 offene Stellen: Das steckt hinter dem Ingenieur-Paradox

03. August 2026

Ingenieure am Arbeiten
Während die Zahl arbeitsloser Fachkräfte steigt, bleibt der Bedarf in vielen technischen Berufen hoch. Foto: Smarterpix/Gorodenkoff
Mehr arbeitslose Ingenieure, 18 % weniger offene Stellen – und dennoch Fachkräftemangel: Der Ingenieurmonitor erklärt das Paradox und zeigt die langfristigen Trends.
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Der Ingenieurarbeitsmarkt sendet widersprüchliche Signale: Noch nie seit Beginn der Erhebung waren so viele Fachkräfte in Ingenieur- und IT-Berufen arbeitslos, gleichzeitig suchen Unternehmen weiterhin rund 97.000 technische Fachkräfte. Der aktuelle VDI-/IW-Ingenieurmonitor (IV 2025) zeigt: Die Krise trifft einzelne Bereiche, aber der langfristige Bedarf bleibt hoch.

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Inhaltsverzeichnis

Höchste Zahl arbeitsloser Fachkräfte seit 2011

Der VDI-/IW-Ingenieurmonitor zählt 58.392 arbeitslose Fachkräfte in Ingenieur- und IT-Berufen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Gleichzeitig sank die Zahl der offenen Stellen gegenüber dem Vorjahr um 18,2 %.

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„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir zwischen kurzfristiger Konjunkturlage und langfristigem Fachkräftebedarf unterscheiden müssen“, sagt VDI-Direktor Adrian Willig.

Infrastrukturmodernisierung, Energiewende, Digitalisierung und neue Technologien würden den Bedarf an technischen Kompetenzen langfristig prägen.

Ingenieurarbeitsmarkt im Wandel: Diese Fachrichtungen entwickeln sich unterschiedlich

Warum fehlen Ingenieure, obwohl gleichzeitig mehr Fachkräfte arbeitslos sind? Der Grund liegt in der unterschiedlichen Entwicklung einzelner Berufsfelder. Die aktuelle Konjunkturschwäche trifft die Ingenieurdisziplinen unterschiedlich stark: Während einige Bereiche einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnen, bleibt die Nachfrage in anderen Fachrichtungen hoch. Der Ingenieurarbeitsmarkt erlebt damit keine Auflösung des Fachkräftemangels, sondern eine Verschiebung.

Besonders betroffen sind derzeit:

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  • Technische Forschung und Produktionssteuerung: Arbeitslosigkeit steigt um 34 % gegenüber dem Vorjahresquartal
  • Bauingenieurwesen: vergleichsweise moderater Anstieg von 5,8 %

Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach technischen Fachkräften hoch. Insgesamt gibt es weiterhin 96.760 offene Stellen in Ingenieur- und IT-Berufen – trotz des Rückgangs gegenüber dem Vorjahr auf einem hohen Niveau.

Der scheinbare Widerspruch erklärt sich vor allem durch die unterschiedliche Entwicklung der Branchen: Während konjunkturabhängige Bereiche wie Teile des Maschinenbaus oder der Automobilindustrie die wirtschaftliche Schwäche spüren, bleibt der Bedarf in Bereichen wie Infrastruktur, Energie und Digitalisierung bestehen.

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Besonders viele offene Stellen entfallen auf:

  • Bauingenieurberufe: 34.150 offene Stellen
  • Informatikberufe: 22.670 offene Stellen
  • Ingenieurberufe in Energie- und Elektrotechnik: 13.430 offene Stellen
  • Technische Forschung und Produktionssteuerung: 11.440 offene Stellen
  • Maschinen- und Fahrzeugtechnik: 11.060 offene Stellen

Langfristiger Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren bleibt hoch

Unabhängig von der aktuellen Konjunkturlage sprechen die langfristigen Entwicklungen weiterhin für einen hohen Bedarf an technischen Fachkräften. Seit 2012 ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Ingenieur- und IT-Berufen deutlich stärker gewachsen als die Gesamtbeschäftigung.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Zuwanderung:

  • Mit Zuwanderung stieg die Zahl der Beschäftigten zwischen 2012 und 2025 um 224.700.
  • Ohne ausländische Fachkräfte hätte der Beschäftigungszuwachs lediglich 91.800 Personen betragen.

Damit wird noch einmal deutlich: Die Fachkräftesicherung in Ingenieur- und IT-Berufen wäre ohne internationale Fachkräfte in den vergangenen Jahren kaum möglich gewesen.

Die unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Berufsfeldern zeigen: Der Ingenieurarbeitsmarkt steht aktuell vor einer Übergangsphase. Kurzfristige konjunkturelle Effekte treffen auf langfristige Herausforderungen wie den demografischen Wandel und den wachsenden Bedarf an technischen Kompetenzen.

„Für die langfristige Fachkräftesicherung bleiben deshalb mehrere Hebel entscheidend: Es ist weiterhin wichtig, den Ingenieurnachwuchs zu fördern, besonders durch das Gewinnen von Frauen für den Ingenieurberuf, zudem das Halten älterer Beschäftigter und die erfolgreiche Integration ausländischer Studierender und Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu verbessern.“

Vor diesem Hintergrund warnt VDI-Direktor Adrian Willig davor, bei Nachwuchsförderung, Qualifizierung und Fachkräftesicherung nachzulassen. Gerade im Falle einer wirtschaftlichen Erholung könnten sonst die dringend benötigten Kompetenzen und Fachkräfte fehlen.

„Es kommt jetzt darauf an, den begonnenen Reformkurs konsequent fortzusetzen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Wachstum zu schaffen und so auch den Arbeitsmarkt zu beleben“, betont Willig.

Potenziale von Fachkräften besser nutzen

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Entscheidend ist künftig nicht nur, neue Fachkräfte zu gewinnen, sondern auch vorhandene Potenziale besser zu nutzen. Dazu zählen insbesondere Frauen, ältere Beschäftigte und internationale Fachkräfte. Flexible Arbeitsmodelle, gezielte Weiterbildungsangebote und bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie können dazu beitragen, mehr Menschen für technische Berufe zu gewinnen und Beschäftigte langfristig im Arbeitsmarkt zu halten.

Auch die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte bleibt ein wichtiger Faktor für die Fachkräftesicherung. Schnellere Anerkennungsverfahren, weniger bürokratische Hürden und eine bessere Integration internationaler Studierender können zusätzliche Potenziale erschließen. Gleichzeitig bleibt die Förderung des MINT-Nachwuchses entscheidend, da sinkende mathematische Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern langfristig die Zahl potenzieller Ingenieurinnen und Ingenieure aus dem Inland begrenzen könnten.

Lesen Sie auch:Ingenieurarbeitsmarkt: Mit Re-skilling in die vorderste Reihe

Ingenieurmonitor: Arbeitsmarktdaten künftig zweimal pro Jahr

Der VDI-/IW-Ingenieurmonitor liefert regelmäßig eine Analyse des Arbeitsmarkts für Ingenieurinnen und Ingenieure sowie weitere technische Berufe. Bislang erschien die Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln viermal jährlich. Der aktuelle Bericht für das vierte Quartal 2025 wurde Ende Juli 2026 veröffentlicht.

Künftig wird der Ingenieurmonitor halbjährlich erscheinen. Mit der Umstellung von einer quartalsweisen auf eine halbjährliche Veröffentlichung soll der Bericht weiterhin zentrale Entwicklungen auf dem Ingenieurarbeitsmarkt abbilden und langfristige Trends stärker in den Fokus rücken.

Lesen Sie auch:Ingenieurinnen in Deutschland: 7 Milliarden Euro Wachstumspotenzial bleiben ungenutzt



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