Anzeige

Wie Quantentricks die genaueste Uhr der Welt noch besser machen

10. Juni 2025

Quantenuhr
Forschende entwickeln neue Methode zur Zeitmessung: Quantenuhren könnten effizienter sein als gedacht. Foto: Alexander Rommel & TU Wien
TU Wien zeigt: Mit zwei Zeitskalen lässt sich Zeit genauer messen – mit weniger Energie. Quantenuhren könnten effizienter werden als gedacht.
Anzeige
Anzeige


Quantenuhren gelten als extrem präzise Zeitmesser. Forschende der TU Wien und internationale Partner zeigen nun: Die Genauigkeitsgrenze lässt sich verschieben – wenn man das richtige Messkonzept wählt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eigentlich eine Uhr?

Zeit zu messen bedeutet, Veränderungen festzuhalten. Jede Uhr besteht daher aus zwei Elementen: einem Taktgeber und einem Zähler. Der Taktgeber liefert regelmäßige Impulse – wie das Pendel einer alten Standuhr oder die Schwingung eines Atoms in modernen Quantenuhren. Der Zähler wiederum erfasst, wie viele dieser Impulse bereits vergangen sind.

Anzeige
Anzeige

Im Fall von Atomuhren übernimmt ein einzelnes Atom – meist Cäsium oder Strontium – die Rolle des Pendels. Es verändert in regelmäßigen Intervallen seinen Zustand. Diese Zustandswechsel werden gezählt, um die verstrichene Zeit zu bestimmen. Der Vorgang ist jedoch nie vollkommen verlustfrei.

Entropie – ein Maß für die Unumkehrbarkeit

„Jede Uhr erhöht die Entropie im Universum, sonst ist sie keine Uhr“, sagt Florian Meier von der TU Wien. In einfachen Worten: Jede Zeitmessung geht mit einem Energieaufwand einher, der eine gewisse Unordnung erzeugt. Ein Pendel erzeugt Reibung an der Luft. Ein Laserstrahl, der den Zustand eines Atoms misst, verbraucht Energie und erzeugt Wärme.

In der Thermodynamik beschreibt die Entropie, wie geordnet oder ungeordnet ein System ist. Und: Jede Information, die man aus einem physikalischen Prozess gewinnt – wie etwa der Zustand eines Uhrzeigers – führt zu einer minimalen, aber unvermeidlichen Erhöhung der Entropie.

Anzeige
Anzeige

Die bisherige Annahme: Mehr Genauigkeit kostet mehr Energie

Lange galt ein scheinbar unumstößlicher Grundsatz: Wer die Zeit doppelt so genau messen will, muss dafür auch doppelt so viel Energie aufwenden. Denn jede zusätzliche Messung verursacht zusätzliche Entropie. Und die wiederum braucht Energie.

Diese Annahme ergab sich direkt aus den Gesetzen der Quantenphysik. Denn dort gibt es keine unbegrenzte Präzision. Stattdessen ist immer ein gewisses Maß an Zufall eingebaut – Stichwort „Unschärferelation“.

Anzeige
Anzeige

Zwei Zeitskalen: ein Trick aus der Quantenwelt

Ein Forschungsteam der TU Wien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Chalmers in Schweden und der Universität Malta hat nun einen neuen Weg gefunden, diese Grenze zu umgehen – zumindest teilweise. Die Lösung: eine Uhr mit zwei unterschiedlichen Zeitskalen.

„Das Entscheidende bei unserer Methode ist, dass sich der eine Zeiger rein quantenphysikalisch benimmt, und nur der andere, langsamere Zeiger tatsächlich mit einem entropie-erzeugenden Effekt einhergeht“, sagt Yuri Minoguchi.

Das bedeutet: Der schnellere Teil der Uhr arbeitet auf quantenmechanischer Ebene, ohne ständig gemessen zu werden. Er läuft quasi im Hintergrund. Nur der langsame Zeiger – etwa der Minutenzeiger in einem Uhrmodell – wird aktiv beobachtet. Das reduziert den Energieverbrauch deutlich.

Quantentransport statt permanenter Beobachtung

In klassischen Uhren erfolgt das Messen durch permanente Beobachtung: Ein Teilchen bewegt sich, es wird gemessen – und diese Messung verbraucht Energie. Bei Quantenuhren hingegen kann ein Teilchen theoretisch gleichzeitig an mehreren Orten sein. Erst am Ende des Prozesses wird es gemessen. Der Zwischenweg bleibt unbestimmt – und damit frei von Energieverlusten.

„Man kann für die Zeitmessung zum Beispiel Teilchen verwenden, die von einem Bereich in den anderen wechseln, ähnlich wie Sandkörner in einer Sanduhr“, erklärt Florian Meier. Entscheidend ist: Die Bewegung selbst muss nicht gemessen werden. Erst das Ankommen zählt – und dieses Ankommen wird thermodynamisch registriert.

Mehr Genauigkeit, aber selektiv gemessen

Im neuen Modell der Forschenden ersetzt man viele kleine, energieintensive Messungen durch wenige, gezielte Messungen am Ende. Das senkt den Gesamtverbrauch. Denn: Nur wenn das Teilchen endgültig ankommt – vergleichbar mit dem Umdrehen einer Sanduhr – entsteht Entropie.

Die Forschenden bezeichnen das als Kombination einer klassischen und einer Quanten-Zeitmessung. Der Vorteil: Die Quantenuhr arbeitet präzise im Inneren, ohne das System unnötig zu stören. Erst wenn es darauf ankommt, wird der Zustand des Systems abgefragt – mit dem gewünschten Informationsgewinn.

Anwendungen und technologische Umsetzung

Die theoretische Idee lässt sich laut den Forschenden auch in der Praxis testen. Simone Gasparinetti von der Universität Chalmers erklärt: „Die Theorie kann mithilfe von supraleitenden Schaltkreisen überprüft werden, einer der derzeit fortschrittlichsten Quantentechnologien.“

Supraleitende Schaltkreise arbeiten nahezu verlustfrei bei extrem tiefen Temperaturen. Sie eignen sich hervorragend, um empfindliche Quantenzustände zu erzeugen und auszulesen – und könnten eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung künftiger Quantenuhren spielen.

Warum das wichtig ist

Das neue Konzept erlaubt nicht nur präzisere Zeitmessung mit weniger Energie. Es berührt auch ein grundlegendes physikalisches Problem: Wie hängen Quantenmechanik und Thermodynamik zusammen?

„Dieses Ergebnis hilft uns auch, eines der großen ungelösten Rätsel der Physik besser zu verstehen“, sagt Marcus Huber von der TU Wien. Denn die Verbindung zwischen der mikroskopischen Quantenwelt und der makroskopischen Thermodynamik ist noch nicht vollständig verstanden.

Hier geht es zur Originalpublikation



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige