Arbeitsmarkt 28.08.2025, 14:00 Uhr

Tausende Jobs bedroht: Wie Ingenieure dem Stellenabbau trotzen können

Stellenabbau trifft Auto, Maschinenbau, Chemie und weitere Branchen – täglich gibt es neue Meldungen. Doch wie wirkt er sich auf Ingenieurinnen und Ingenieure aus, und welche Chancen eröffnen Zukunftsbranchen?

Jobverlust

Stellenabbau in Auto-, Maschinenbau- und Chemieindustrie sorgt für Jobangst.

Foto: PantherMedia / depositedhar

Die Schlagzeilen gleichen sich in diesen Tagen: Stellenabbau, Kurzarbeit, Werksschließungen. Kaum eine Branche in Deutschland bleibt verschont – und doch gibt es Bereiche, in denen die Verunsicherung besonders groß ist.

Allen voran die Autoindustrie. Lange Zeit war sie der Stolz der deutschen Wirtschaft, Symbol für Qualität und Ingenieurskunst. Heute reiht sich eine Hiobsbotschaft an die nächste. Werke melden Überkapazitäten, Zulieferer kämpfen ums Überleben, Beschäftigte fürchten um ihre Zukunft.
Doch nicht nur das Auto gerät unter Druck. Auch im Maschinenbau wächst die Sorge. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Horváth zeichnet ein düsteres Bild: Bis 2029 könnte hier jede fünfte Stelle wegfallen. Das wären Zehntausende Jobs – mit allen Konsequenzen für Regionen, in denen mittelständische Betriebe bislang als sichere Arbeitgeber galten. Auch in der Chemieindustrie stehen Tausende Arbeitsplätze auf der Kippe.

VDI setzt auf Re-Skilling für Ingenieure

„Es macht uns als VDI natürlich betroffen zu sehen, dass in klassischen Industriezweigen Arbeitsplatzverluste passieren“, kommentiert VDI-Direktor Adrian Willig und weist auf eine Lösung hin. Er plädiert: „Menschen in Ingenieurberufen sowie technische Fachkräfte müssen durch gezielte Re-Skilling-Programme für neue zukunftsträchtige Technologien qualifiziert werden. Der demografische Wandel wird den Fachkräftemangel in den Ingenieurberufen weiter verschärfen. Gezielte Investitionen in Bildung und Qualifizierung sind notwendig, um Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Ingenieurstandorts Deutschland zu sichern. Wir als VDI unterstützen die Ingenieurinnen und Ingenieure dabei z. B. über unsere Weiterbildungsangebote.“

Jobangst steigt – deutsche Verbraucher werden vorsichtiger

Laut dem Münchner Ifo-Institut wirkt sich die schwache Wirtschaft weiterhin negativ auf den Arbeitsmarkt aus. Viele deutsche Unternehmen streichen wieder mehr Stellen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer fiel im August leicht von 94 auf 93,8 Punkte.

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„Die stagnierende Wirtschaft lässt die Unternehmen bei den Personalplanungen vorsichtig agieren“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.
Daher ist die Verunsicherung groß – mit spürbaren Folgen. Viele Menschen in Deutschland sorgen sich um ihren Job, was laut Umfragen ihre Kaufbereitschaft dämpft. Eine schnelle Erholung der Wirtschaft erwarten sie nicht. Die Verbraucherstimmung in Deutschland ist im August erneut gesunken – bereits zum dritten Mal in Folge, wie die aktuelle Konsumklimaerhebung des Marktforschungsinstituts GfK und dem Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) zeigt. „Eine zunehmende Angst vor Jobverlust sorgt dafür, dass viele Konsumenten gerade mit größeren Anschaffungen weiterhin vorsichtig bleiben“, teilte NIM-Experte Rolf Bürkl gegenüber der dpa mit.

Zukunft Deutschland 2050: Chancen für Ingenieure trotz Unsicherheiten

Dennoch gibt es auch Stimmen, die zumindest für Ingenieure Mut machen. Parallel zu den Schwierigkeiten in den traditionellen Industrien wächst in den Zukunftsbranchen der Bedarf an hochqualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren. „Die gegenwärtige Entwicklung bringt Unsicherheiten und strukturelle Verschiebungen mit sich. Zwar zeigt sich aktuell eine leichte Entspannung bei der Fachkräftelücke, doch angesichts der bald in Rente gehenden Boomer-Generation und der notwendigen öffentlichen Investitionen in Infrastruktur, Sicherheit und Klima wird die Nachfrage nach Ingenieurinnen und Ingenieuren nach unserer Einschätzung schon bald wieder stark ansteigen. Das zeigen die Erhebungen des zuletzt veröffentlichten VDI-IW-Ingenieurmonitors“, sagt der VDI-Arbeitsmarktexperte Ingo Rauhut.

Mit der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ will der VDI zeigen, wie Deutschland auch in Zukunft ein starker Technologiestandort bleiben kann. Dafür haben Fachleute aus verschiedenen Branchen das Impulspapier „Impulse zur Bildung und Qualifikation der Zukunft“ erarbeitet. Es richtet sich an alle, die im Bildungsbereich aktiv sind – von der Kita bis zur Weiterbildung. Vorgestellt werden darin 28 Praxisbeispiele, wie MINT-Bildung zukunftsfähig gestaltet werden kann.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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