NVL übernimmt die operative Führung 28.01.2026, 17:13 Uhr

Fregatten F126: Neustart für ein festgefahrenes Milliardenprojekt

Fregattenprojekt F126 vor Neustart: NVL übernimmt die operative Führung. Warum das Milliardenprojekt stockte – und was sich jetzt ändert.

Kiellegung im Jahr 2024: Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Peene-Werft in Wolgast

Kiellegung der Fregatte F126 "Niedersachsen" im Jahr 2024: Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Peene-Werft in Wolgast. Nach Verzögerungen übernimmt NVL nun die operative Steuerung des F126-Projekts.

Foto: picture alliance/dpa | Stefan Sauer

Die Deutsche Marine braucht neue Schiffe – und zwar nicht irgendwann. Sechs Fregatten des Typs F126 sollen die in die Jahre gekommene Brandenburg-Klasse (F123) ablösen. Doch ausgerechnet dieses Schlüsselprojekt geriet zuletzt massiv ins Schlingern. Termine rutschten, Abläufe stockten, Zweifel wuchsen. Jetzt gibt es erstmals seit Langem ein Signal der Hoffnung: Naval Vessels Lürssen (NVL) übernimmt die operative Führung und will das Projekt wieder auf Kurs bringen.

Das eigentliche Problem lag nicht im Stahl

Nach außen wirkte es lange so, als sei der Bau der F126 schlicht zu komplex. Tatsächlich lag der Kern des Problems tiefer – und war unsichtbar. Die Fregatte wird arbeitsteilig an mehreren Standorten gebaut. Damit das funktioniert, müssen alle Werften mit exakt denselben Konstruktions- und Fertigungsdaten arbeiten. Genau das klappte nicht.

Die digitalen Schnittstellen zwischen dem ursprünglichen Hauptauftragnehmer Damen Naval und den deutschen Bauwerften waren fehleranfällig. Stücklisten passten nicht, Konfigurationsstände liefen auseinander, Änderungen kamen zu spät oder gar nicht an. Für ein Serienprojekt dieser Größe ist das Gift. Die Folge: Stillstand.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Stadtwerke Strausberg GmbH-Firmenlogo
Techniker Stromnetz - Netzkoordination & Digitalisierung (m/w/d) Stadtwerke Strausberg GmbH
Strausberg Zum Job 
Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) im Stahlbau Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG
Karlsruhe Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenplanung und Straßenentwurf - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
HIC Consulting GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter / Ingenieur Fernwärme (m/w/d) HIC Consulting GmbH
Hamburg, Linau Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Sachverständige/-r (m/w/d) Explosionsschutz TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Frankfurt am Main-Höchst Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Experte (w/m/d) Vertrags- und Nachtragsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Fachhochschule Münster-Firmenlogo
Professur für "Antriebssysteme im Maschinenbau" (w/m/d) Fachhochschule Münster
Steinfurt Zum Job 
Pero AG-Firmenlogo
Sales Engineer (m/w/d) Pero AG
Königsbrunn, remote Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Planung Ingenieurbau Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Anlagenbau / Umwelttechnik EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH
Viersen Zum Job 
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter TGA (m/w/d) Schwerpunkt Versorgungs-/Elektrotechnik INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH
Celle, Wolfsburg, Salzgitter Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik als Projektleiter EMSR (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 

NVL bringt Ordnung in die Datenflut

NVL sieht diesen Knoten nun gelöst. Nach Unternehmensangaben ist es gelungen, die Konstruktionsdaten von Damen sauber in die eigenen Systeme zu überführen und konsistent nutzbar zu machen. Das klingt technisch – ist aber der entscheidende Schritt. Ohne eine verlässliche Datenbasis lässt sich kein Mehrwerftenprojekt steuern.

Rechtlich bleibt Damen Naval zwar Teil des Konsortiums, operativ aber zieht nun NVL die Fäden. Mit Zustimmung des Auftraggebers übernimmt das Unternehmen die industrielle Koordination – und damit die Verantwortung, aus Plänen endlich wieder Schiffe zu machen.

Auf den Werften tut sich wieder etwas

Dass der Neustart mehr ist als eine Ankündigung, zeigt der Blick in die Hallen. Bei German Naval Yards in Kiel läuft seit Januar die Sektionsmontage eines ersten Großblocks. Blohm+Voss fertigt bereits Rohrleitungen.

Das Baukonzept bleibt ambitioniert: Vorschiffsektionen entstehen in Kiel, Hinterschiffe auf der Peene-Werft in Wolgast. Später werden beide Teile zusammengeführt, die Endausrüstung erfolgt in Hamburg. Genau dieses Baukastensystem war von Anfang an geplant – und scheiterte bislang an der mangelhaften Datenlage. Nun soll es endlich greifen. Ab dem Frühjahr werden in Wolgast sichtbare Fortschritte erwartet.

Was die F126 können soll – und was nicht

Die F126 ist kein klassischer Hochleistungs-U-Boot-Jäger. Ihr Schwerpunkt liegt auf langen Einsätzen, maritimer Sicherheit und Eskorten – mit hoher Verfügbarkeit und vergleichsweise kleiner Besatzung. Automatisierung und modulare Einsatzkonzepte spielen eine zentrale Rolle.

Zur U-Boot-Abwehr sind Fähigkeiten vorgesehen, etwa über Bordhubschrauber und unbemannte Systeme. Die eigentliche Hochwert-ASW bleibt jedoch Aufgabe der modernisierten Brandenburg-Klasse und später der geplanten F127.

Der Zeitplan bleibt eng

Ursprünglich sollte die erste F126 ab 2028 in Dienst gehen. Dieses Ziel ist passé. Realistisch ist ein Einstieg ab 2031. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage, vor allem im Nordatlantik, ist das spät. Die alten F123-Fregatten lassen sich nur mit erheblichem Aufwand weiterbetreiben.

Industriepolitisch in Bewegung

Parallel zum technischen Neustart steht ein Eigentümerwechsel im Raum. NVL soll von der Lürssen-Gruppe an Rheinmetall verkauft werden. Der Schritt gilt als wahrscheinlich, ist aber regulatorisch noch nicht abgeschlossen. Rheinmetall will damit seine Marineaktivitäten ausbauen.

Wichtiger Partner bleibt thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Beide Unternehmen arbeiten bereits mit Blick auf die nächste Fregattengeneration F127 zusammen.

Übergangslösungen nur als Notoption

Zeitweise stand sogar ein Abbruch der F126 im Raum. Um eine Fähigkeitslücke zu vermeiden, prüfte die Bundesregierung Übergangslösungen auf Basis der MEKO-200-Familie. Das sind bislang jedoch Gedankenspiele, keine Beschlüsse. Weder Stückzahlen noch Kosten sind festgelegt. Klar ist nur: Eine Übergangslösung könnte Zeit kaufen, die F126 aber nicht ersetzen.

Ein vorsichtiger Neuanfang

Mit der operativen Übernahme durch NVL bekommt das F126-Projekt eine zweite Chance. Zum ersten Mal seit Jahren wirkt die industrielle Steuerung beherrschbar. Ob daraus am Ende ein stabiler Serienbau wird, muss sich zeigen. Doch eines ist klar: Ohne diesen Neustart wäre das Projekt faktisch verloren gewesen. Jetzt ist es wieder auf Kurs – zumindest vorerst.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.