Warum Europa seine Skalierung verliert 19.03.2026, 12:00 Uhr

Die neue Weltordnung kennt keine neutralen Märkte mehr

„Märkte sind nicht mehr neutral“: Prof. Marcel Fratzscher und Dr. Stefan Mair erklären, warum Deutschland sein Wirtschaftsmodell neu denken muss.

Dr. Stefan Mair, Jana Daunke und Prof. Marcel Fratzscher diskutieren die geoökonomische Verschiebung

Dr. Stefan Mair, Jana Daunke und Prof. Marcel Fratzscher diskutieren die geoökonomische Verschiebung: Märkte sind zunehmend Teil strategischer Machtpolitik und verlieren ihre Neutralität.

Foto: Alexandra Ilina

Während draußen der dritte Streik in Folge den Berliner Verkehr beeinträchtigte, stand beim wirtschaftspolitischen Frühstück der Transform 2026 eine nüchterne Analyse im Mittelpunkt. Knapp ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung haben sich die Rahmenbedingungen verschoben: Sicherheits-, Handels- und Industriepolitik greifen ineinander. Jana Daunke diskutierte mit Prof. Marcel Fratzscher (DIW) und Dr. Stefan Mair (SWP) über die Konsequenzen für Deutschland.

Verknüpfung von wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zielen

Zu Beginn wurde deutlich, dass wirtschaftliche und außenpolitische Instrumente nicht mehr getrennt betrachtet werden können. Stefan Mair verwies auf eine Erosion der regelbasierten Ordnung. Gemeint ist: internationale Regeln wie territoriale Integrität oder multilaterale Konfliktlösung verlieren an Bindungskraft.

In diesem Kontext gewinnt Geoökonomie an Bedeutung. Darunter ist der gezielte Einsatz wirtschaftlicher Instrumente zur Durchsetzung politischer Interessen zu verstehen. Dazu zählen Sanktionen, Exportkontrollen, Investitionsprüfungen sowie Eingriffe in Technologie- und Datenflü„Märkte sind nicht mehr neutral“: Prof. Marcel Fratzscher und Dr. Stefan Mair erklären, warum Deutschland sein Wirtschaftsmodell neu denken muss.sse. Märkte sind damit nicht mehr neutral, sondern Teil strategischer Auseinandersetzungen.

„Wirtschaft ist jetzt ein zentrales Spielfeld der Machtpolitik“, so das Fazit von Mair.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
BERICAP GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automation & Process Innovation Engineer (m/w/d) BERICAP GmbH & Co. KG
Budenheim Zum Job 
High-Tech Park Sachsen-Anhalt GmbH-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Bauingenieurwesen / Bauliche Projektentwicklung / Straßenbau / Infrastruktur / Stadt- und Regionalplanung / Verkehrswesen High-Tech Park Sachsen-Anhalt GmbH
Magdeburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau, Lärmschutzbauwerke Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den konstruktiven Ingenieurbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Rendsburg, Lübeck, Kiel, Itzehoe, Flensburg Zum Job 
TUTOGEN Medical GmbH-Firmenlogo
Leitung Qualitätsmanagement international / Sachkundige Person (m/w/d) TUTOGEN Medical GmbH
Neunkirchen am Brand Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automatisierungstechniker (m/w/d) im Bereich Sondermaschinenbau Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG
Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Projektleitung von Lärmschutz- und Brückenbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Tech Lead (m/w/d) Electric Powertrain / Elektromotoren Jungheinrich Aktiengesellschaft
Norderstedt Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Sales Manager (m/w/d) für schlüsselfertige Gewerbeimmobilien Schwerpunkt Kundenberatung und Planungskoordination GOLDBECK West GmbH
Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)-Firmenlogo
Professur für Business Analytics (m/w/d) Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
Stuttgart Zum Job 
Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)-Firmenlogo
Bauingenieur oder Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)
Dinslaken, Troisdorf, Hilden, Olpe, Bonn, Langenfeld Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter Fertigungssteuerung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Serielle Sanierung & GU-Projekte Allbau Managementgesellschaft mbH
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Projektleitung - Neubau Reinraum (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 

Fratzscher bestätigte diese Einordnung, widersprach aber einer häufig gezogenen Schlussfolgerung. Das Problem sei nicht die internationale Verflechtung selbst, sondern asymmetrische Abhängigkeit. Diese liegt vor, wenn ein Land bei kritischen Ressourcen, Technologien oder Absatzmärkten stärker auf Partner angewiesen ist als umgekehrt. Daraus entsteht politische Verwundbarkeit.

Er plädierte für Diversifikation statt Rückzug. Der in der EU verwendete Begriff De-Risking bezeichnet genau das: die gezielte Reduktion einseitiger Abhängigkeiten bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Offenheit. Er ist nicht mit Abschottung gleichzusetzen.

Erkenntnis 1: Geoökonomische Risiken sind strukturell

Handelsbeziehungen allein stabilisieren keine politischen Beziehungen mehr. Lieferketten, Rohstoffe und Marktzugänge können gezielt als Druckmittel eingesetzt werden.

Für Unternehmen bedeutet das: geopolitische Risiken sind keine externen Störgrößen mehr, sondern Teil der Geschäftsgrundlage. Abhängigkeiten müssen systematisch analysiert und abgesichert werden. Einseitige Konzentration auf einzelne Märkte oder Lieferanten erhöht das Ausfall- und Erpressungsrisiko.

Erkenntnis 2: Regulatorische Fragmentierung begrenzt Skalierung

Ein zentrales Thema war die interne Struktur des europäischen Marktes. Fratzscher identifizierte drei strukturelle Schwächen:

  • Fragmentierte Regulierung: Trotz Binnenmarkt bestehen nationale Unterschiede bei Aufsicht, Steuern und Genehmigungen. Diese erzeugen zusätzliche Transaktionskosten und bremsen Skalierung.
  • Unvollständige Kapitalmarktunion: In der Wachstumsphase fehlt es europäischen Unternehmen an Risikokapital. Kapital wird verstärkt in die USA verlagert, wo größere und integrierte Finanzmärkte bestehen.
  • Geringe Umsetzungsgeschwindigkeit: Komplexe Verfahren und mehrstufige Förderstrukturen verlängern Innovationszyklen. Das steht im Konflikt mit der Geschwindigkeit digitaler Märkte.

Diese Faktoren wirken kumulativ. Sie reduzieren die Fähigkeit europäischer Unternehmen, schnell zu wachsen und globale Marktpositionen zu erreichen.

Erkenntnis 3: Europa als notwendige Skalierungsebene

Die abschließende Bewertung war eindeutig: Nationale Strategien reichen nicht aus, um im Wettbewerb mit großen Wirtschaftsblöcken zu bestehen.

Europa stellt die notwendige Skalierungsebene dar – sowohl für Industriepolitik als auch für Technologieentwicklung und Regulierung. Gemeint ist die Fähigkeit, einen ausreichend großen integrierten Markt zu schaffen, um Investitionen, Innovation und Standardsetzung zu bündeln.

Dafür sind institutionelle Anpassungen erforderlich. Diskutiert wurden unter anderem:

  • stärkere Nutzung qualifizierter Mehrheitsentscheidungen,
  • koordinierte Industriepolitik,
  • gemeinsame Beschaffung und Infrastrukturprojekte.

Ohne diese Schritte bleibt die europäische Handlungsfähigkeit begrenzt.

Ergebnis

Die zentrale Verschiebung lässt sich klar benennen: Märkte sind nicht mehr neutral. Sie sind Teil geopolitischer Strategien. Für Deutschland als stark exportorientierte Volkswirtschaft entsteht daraus ein strukturelles Risiko – und gleichzeitig der Druck, Abhängigkeiten aktiv zu steuern.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.