Kompostierbares Material aus Gelatine 18.08.2025, 13:30 Uhr

Forscher erfinden „Jelly Ice“: Kühlt wie Eis, tropft aber nie

Jelly Ice kühlt wie Eis, ohne zu schmelzen. Wiederverwendbar, kompostierbar und ideal für Lebensmittel- und Medikamententransporte.

Jelly Ice

Jelly Ice ist ein neuartiges Kühlmaterial auf Gelatinebasis. Es speichert Wasser in winzigen Poren, ohne es beim Auftauen freizusetzen.

Foto: UC Davis

Eiswürfel halten Getränke kühl, konservieren Lebensmittel oder sichern die Kühlkette von Medikamenten. Doch egal, ob gewürfelt oder zerkleinert: Nach einiger Zeit entsteht eine Pfütze. Forschende der University of California, Davis, haben nun eine Alternative entwickelt. „Jelly Ice“ kühlt wie gewöhnliches Eis, läuft beim Auftauen aber nicht aus.

Ausgangspunkt: Schmelzwasser in der Fischtheke

Der Anstoß kam von Luxin Wang, Lebensmittelwissenschaftlerin an der UC Davis. Sie beobachtete, wie in einer Fischtheke das Schmelzwasser zwischen den Produkten stand. Ihre Sorge: Mit dem Wasser könnten Krankheitserreger verteilt werden. Also wandte sie sich an Jiahan Zou und Gang Sun. Die beiden sollten ein Material entwickeln, das wie Eis funktioniert, aber keine Flüssigkeit freisetzt.

Tofu als Inspiration

Die Idee entstand beim Blick auf ein alltägliches Lebensmittel: Tofu. Sun erklärt: „Gefrorener Tofu behält sein Wasser im Inneren, aber wenn man ihn auftaut, gibt er das Wasser wieder ab. Also haben wir versucht, dieses Problem mit einem anderen Material zu lösen: Gelatine.“

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Bereich Medizintechnik/-Produkte Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Aerologic GmbH-Firmenlogo
Engineer Aircraft Reliability & Maintenance Program (m/f/x) Aerologic GmbH
Schkeuditz Zum Job 
Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Verfahrenstechniker / Ingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Seppeler Holding & Verwaltungs GmbH & Co. KG
Rietberg Zum Job 
Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH-Firmenlogo
Kalkulator Tiefbau (m/w/d) für den Bereich Wasser/Abwasser Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*in oder Physiker*in (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur*innen (d/m/w) GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH
Darmstadt Zum Job 
noris network AG-Firmenlogo
Senior Datacenter Engineer / Elektroingenieur (m/w/d) - Fokus Infrastruktur & Systemstabilität noris network AG
Nürnberg Zum Job 
Landkreis Grafschaft Bentheim-Firmenlogo
Klimaschutzkoordinator*in (m/w/d) Landkreis Grafschaft Bentheim
Nordhorn Zum Job 
Netzgesellschaft Potsdam GmbH-Firmenlogo
Projektleiter / Bauleiter (m/w/d) Netzbau und Anlagenbau Strom Netzgesellschaft Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG-Firmenlogo
Ingenieur Messstellenbetrieb Erdgas, Wasser und Wärme (w/m/d) Infraserv GmbH & Co. Höchst KG
Frankfurt am Main Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
MVV Biogas GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Biogas (m/w/d) MVV Biogas GmbH
Barby, Bernburg (Saale), Dresden, Wanzleben-Börde, Kroppenstedt, Staßfurt Zum Job 
Gemeinde Pullach i. Isartal-Firmenlogo
Mitarbeiter (m/w/d) für den technischen Bauunterhalt Gemeinde Pullach i. Isartal
Pullach i. Isartal Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur/ Projektleiter (m/w/d) Medizintechnik (CT) und Windkraft Asien Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Aarsleff Rohrsanierung GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Aarsleff Rohrsanierung GmbH
Röthenbach Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Abteilungsleitung Kläranlage Prozessführung Abwasser (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
TechnoCompound GmbH-Firmenlogo
Produktionsingenieur:in (m/w/d) TechnoCompound GmbH
Bad Sobernheim Zum Job 

Gelatine eignet sich, weil ihre Proteinketten stabile Strukturen bilden. Sie verbinden sich zu sogenannten Hydrogelen. Diese Gele bestehen überwiegend aus Wasser, das in winzigen Poren eingeschlossen bleibt. So kann es beim Gefrieren und Auftauen nicht einfach entweichen.

Herstellung in einem Schritt

Über Jahre verfeinerte Zou die Zusammensetzung und die Verfahren. Heute reicht ein einstufiger Prozess, um Jelly Ice herzustellen. Es besteht zu etwa 90 % aus Wasser. Das Material lässt sich waschen, einfrieren und wieder auftauen – ohne dass es Schaden nimmt. Die Forschenden testeten sogar eine Reinigung mit verdünntem Bleichmittel, um hygienische Standards einzuhalten.

Bei Raumtemperatur wirkt Jelly Ice weich und wackelig. Unter dem Gefrierpunkt von 0 °C verändert es seine Struktur und wird fester. Damit verhält es sich ähnlich wie herkömmliches Eis, ist aber wiederverwendbar.

Mehr Kühlleistung als Eis

Zou sagt: „Im Vergleich zu normalem Eis gleicher Form und Größe hat Geleeeis eine bis zu 80 % höhere Kühleffizienz – also die Menge an Wärme, die das Gel durch den Phasenwechsel aufnehmen kann.“

Das bedeutet: Jelly Ice speichert beim Schmelzen mehr Energie, ohne dabei Wasser abzugeben. Die Kühlwirkung bleibt über mehrere Gefrierzyklen hinweg erhalten. Für Lieferketten und Transporte, die oft lange dauern, wäre das ein Vorteil.

Anpassbar und umweltfreundlich

Das Team kann Platten von rund 0,45 Kilogramm formen, vergleichbar mit handelsüblichen Kühlpacks. Im Unterschied zu Gelpackungen steckt Jelly Ice aber nicht in einer Plastikhülle. Es lässt sich direkt kompostieren. In Versuchen verbesserte das Material sogar das Wachstum von Tomatenpflanzen, wenn es in die Erde eingearbeitet wurde.

Ein weiterer Pluspunkt: Da keine synthetischen Polymere enthalten sind, entsteht auch kein Mikroplastik. Das macht Jelly Ice für nachhaltige Anwendungen interessant.

Einsatzmöglichkeiten in vielen Bereichen

Ursprünglich sollte Jelly Ice Fisch, Fleisch oder Gemüse frisch halten. Doch die Forschenden sehen inzwischen viele weitere Felder. Etwa beim Transport von Medikamenten, in der Biotechnologie oder sogar in Regionen, in denen Wasser für die Herstellung von Eis knapp ist.

Die Technologie ist bereits lizenziert. Zou betont aber, dass noch weitere Schritte nötig sind, bevor eine breite Vermarktung möglich ist. Dazu gehören Marktanalysen, Produktentwicklung und Tests in größerem Maßstab.

Forschung geht weiter

Parallel untersucht Zou auch andere natürliche Biopolymere. Statt tierischer Gelatine setzt sie zunehmend auf pflanzliche Proteine, zum Beispiel aus Soja. Diese können für ablösbare Beschichtungen oder für Zellgerüste bei kultiviertem Fleisch dienen.

„In meiner Forschung habe ich erkannt, wie leistungsfähig die Natur bei der Entwicklung von Biopolymeren ist und welche enormen Möglichkeiten sie bieten“, sagt Zou. „Ich bin überzeugt, dass es erstaunliche Produkte aus Biopolymeren geben wird, da die Materialien selbst uns lehren, wie wir mit ihnen arbeiten können.“

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.