Komplexer Magnetismus 05.10.2026, 11:47 Uhr

Drei magnetische Zustände und eine überraschend einfache Regel

14,62 oder 14,72 Å können den Unterschied machen: Forschende entdecken eine überraschend einfache Regel für drei magnetische Grundzustände.

Illustration einer komplexen Kristallstruktur mit Atomen und Pfeilen für magnetische Momente in unterschiedlichen Richtungen

Symbolbild: Eine komplexe Kristallstruktur mit eingezeichneten magnetischen Momenten. Forschende haben bei Tsai-Typ-Verbindungen einen überraschend einfachen Zusammenhang zwischen Gittergröße und magnetischem Grundzustand gefunden.

Foto: Smarterpix / P47900

Bei komplexen magnetischen Materialien ist oft schwer vorherzusagen, welchen Zustand sie bei tiefen Temperaturen annehmen. Ein Forschungsteam aus Japan hat nun bei einer speziellen Klasse intermetallischer Kristalle einen erstaunlich einfachen Zusammenhang gefunden: Die Größe der Elementarzelle reicht offenbar aus, um drei verschiedene magnetische Grundzustände voneinander zu unterscheiden.

Untersucht wurden sogenannte Tsai-Typ-1/1-Näherungskristalle. Sie besitzen ähnliche lokale Atomstrukturen wie Quasikristalle, wiederholen diese aber regelmäßig im Raum. Die Forschenden fanden heraus, dass sich ihr magnetischer Grundzustand deutlich besser über die Gitterkonstante einordnen lässt als über die bislang häufig verwendete Valenzelektronenkonzentration.

Die Ergebnisse erschienen am 30. September 2026 im Journal of the American Chemical Society.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im Projektbereich (m/w/d) Region Bayern / Süddeutschland - Surface Protection Linings STEULER-KCH GmbH
Region Bayern / Süsseutschland Zum Job 
City 1 Group GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im schlüsselfertigen Wohnungsbau (m/w/d) City 1 Group GmbH
Neu-Isenburg Zum Job 
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Projektleiter Hoch- und Tiefbau Umspannwerke (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Bayreuth, Ingolstadt, Schweinfurt Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
ELAC SONAR GmbH-Firmenlogo
Systems Engineer - Proposals (m/w/d) ELAC SONAR GmbH
IGS Ingenieure GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektmitarbeiter:in (m/w/d) im Bau- und Vertragsmanagement IGS Ingenieure GmbH & Co. KG
Duisburg, Hamburg, München, Stuttgart, Weimar⁠⁠⁠⁠⁠⁠ Zum Job 
IGS Ingenieure GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauüberwachung / Bauoberleitung (m/w/d) im Konstruktiven Ingenieurbau und Straßenbau IGS Ingenieure GmbH & Co. KG
Hochheim/Main, München, Stuttgart⁠⁠⁠⁠⁠⁠. Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
ERP-Experte / SAP Super User mit Schwerpunkt Umspannwerke (m/w/d) TenneT
Bayreuth Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Sprint Sanierung GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur / Betriebswirt / Bautechniker / Handwerksmeister als Niederlassungsleiter (m/w/d) Sprint Sanierung GmbH
Berlin-Ahrensfelde Zum Job 
nora systems GmbH-Firmenlogo
LEAN Manager (m/w/d) nora systems GmbH
Weinheim Zum Job 
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Bauingenieur Brückenbau (m/w/d) Werner Sobek AG
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur (w/m/d) im Bereich Hochbau Instandhaltung Die Autobahn GmbH des Bundes
BG ETEM-Firmenlogo
Dozent/-in (m/w/d) für die Bildungsstätte in Bad Münstereifel BG ETEM
Bad Münstereifel Zum Job 
Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH-Firmenlogo
Abteilungsleiter*in Flottenmanagement / ECM3 (Head of Fleet Management / ECM3) Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH
Karlsruhe Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Sportstätten GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
VESTOLIT GmbH-Firmenlogo
PLS Programmierer (m/w/d) VESTOLIT GmbH
VESTOLIT GmbH-Firmenlogo
EMSR Techniker (m/w/d) VESTOLIT GmbH
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur mit Master in Informatik / Elektrotechnik - Beamten- Ausbildung (m/w/d) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
deutschlandweit Zum Job 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Offizierin / Offizier Anwärter/in - Führungskraft Oberfähnrichmodell mit Bachelor (Master) (m/w/d) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
deutschlandweit Zum Job 

Drei magnetische Zustände, getrennt durch wenige Pikometer

Die Gitterkonstante beschreibt die Abmessung der sich regelmäßig wiederholenden Elementarzelle eines Kristalls. Bei den untersuchten Tsai-Verbindungen liegt sie bei knapp 15 Ångström. Ein Ångström entspricht 0,1 Nanometern.

Über zahlreiche Verbindungen mit Terbium, Dysprosium und Holmium hinweg ergab sich ein auffallend klares Bild:

  • mehr als etwa 14,72 Å: antiferromagnetischer Grundzustand
  • etwa 14,62 bis 14,72 Å: ferromagnetischer Grundzustand
  • weniger als etwa 14,62 Å: Spin-Glas-Zustand

Zwischen dem unteren und oberen Rand des ferromagnetischen Bereichs liegen damit lediglich 0,10 Å oder 10 Pikometer. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein einzelner Kristall durch eine mechanische Größenänderung von 10 pm zwischen den Zuständen umgeschaltet werden kann. Verglichen wurden unterschiedliche chemische Zusammensetzungen mit unterschiedlichen Gitterkonstanten.

Was Ferromagnet, Antiferromagnet und Spin-Glas unterscheidet

In einem Ferromagneten richten sich magnetische Momente so aus, dass eine gemeinsame Magnetisierung entsteht. Eisen ist das bekannteste Beispiel.

In einem Antiferromagneten zeigen benachbarte magnetische Momente dagegen bevorzugt in entgegengesetzte Richtungen. Ihre magnetische Wirkung kann sich nach außen dadurch weitgehend aufheben.

Bei einem Spin-Glas fehlt eine solche regelmäßige Fernordnung. Die magnetischen Momente frieren bei tiefen Temperaturen in einer ungeordneten Konfiguration ein.

Bei den untersuchten Tsai-Verbindungen ist die Situation noch etwas komplizierter. Die magnetischen Atome der Seltenen Erden sitzen auf den zwölf Ecken ikosaedrischer Atomcluster. In mehreren Proben bilden ihre magnetischen Momente räumliche, wirbelartige Strukturen.

Ähnliche ungewöhnliche Wechselwirkungen zwischen Magnetismus und elektronischen Eigenschaften beschäftigen die Festkörperphysik auch bei anderen Quantenmaterialien. So untersuchten Forschende etwa beim Quantenmaterial UTe₂, warum starke Magnetfelder dessen elektronische Eigenschaften auf ungewöhnliche Weise verändern. Quantenmaterial spielt mit der Physik und niemand verstand warum

Die Forschenden stellten neue Kristalle her

Für die Studie stellten die Forschenden mehrere neue Tsai-Typ-Näherungskristalle mit Terbium, Dysprosium und Holmium her. Anschließend untersuchten sie, wie deren atomare Struktur mit dem magnetischen Verhalten zusammenhängt. Dafür nutzten sie unter anderem Röntgen- und Neutronenmessungen sowie klassische Magnetisierungsmessungen. Zusätzlich bezogen sie Daten bereits bekannter Tsai-Verbindungen ein.

Wie deutlich sich die magnetischen Zustände unterscheiden, zeigt der Vergleich zweier Dysprosium-Verbindungen. Bei einer Gitterkonstante von 14,73 Å ordnet sich das Material unterhalb von 6,7 K antiferromagnetisch. Bei einer sehr ähnlichen Verbindung mit 14,68 Å entsteht dagegen unterhalb von 8,6 K ein ferromagnetischer Zustand.

Die chemischen Formeln lauten Au₆₈Ga₁₈Dy₁₄ und Au₆₀Ga₂₆Dy₁₄. Trotz des nur kleinen Unterschieds in der Gittergröße liegen beide Proben damit auf unterschiedlichen Seiten der gefundenen Phasengrenze. Eine weitere Dysprosium-Verbindung mit noch kleinerer Gitterkonstante zeigte schließlich das Verhalten eines Spin-Glases.

Warum die Valenzelektronen nicht ausreichen

Bislang diente bei solchen Materialien häufig die Zahl der Valenzelektronen pro Atom als wichtiger Ordnungsparameter. Das sogenannte e/a-Verhältnis kann bei vielen metallischen Systemen Hinweise auf stabile Strukturen und magnetische Zustände geben.

Bei Tsai-Typ-Verbindungen gibt es allerdings ein Problem: Die Grenzwerte verschieben sich je nach Legierungssystem. Materialien mit gleichem e/a-Wert können unterschiedliche magnetische Grundzustände besitzen.

Mit der Gitterkonstante ließ sich das untersuchte Materialfeld deutlich einheitlicher ordnen. Die Grenzen zwischen Spin-Glas, Ferromagnetismus und Antiferromagnetismus blieben dabei über unterschiedliche Zusammensetzungen und verschiedene Seltene-Erde-Elemente hinweg nahezu an denselben Stellen.

Was steckt physikalisch dahinter?

Warum die Gitterkonstante so gut funktioniert, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle dürfte die sogenannte RKKY-Wechselwirkung spielen. Sie koppelt die magnetischen Momente der Seltene-Erde-Atome indirekt über die Leitungselektronen des Materials.

Dabei hängen Stärke und Vorzeichen der Wechselwirkung sowohl von den Abständen der magnetischen Atome als auch von der elektronischen Struktur ab.

Die Forschenden vermuten deshalb, dass die Gitterkonstante nicht nur die Geometrie des Kristalls beschreibt. Sie könnte zugleich Veränderungen der elektronischen Struktur widerspiegeln, die wiederum die magnetische Ordnung beeinflussen.

Zusätzlich wirkt das lokale Kristallfeld auf die magnetischen Momente. Die umgebenden Atome bevorzugen bestimmte Orientierungen der Momente und tragen damit zu den ungewöhnlichen wirbelartigen Strukturen bei.

Einfacherer Weg zu neuen magnetischen Materialien?

Für die Materialforschung könnte der Zusammenhang praktisch werden. Neue intermetallische Verbindungen werden bislang häufig über zahlreiche chemische Zusammensetzungen hinweg synthetisiert und anschließend experimentell charakterisiert. Kennt man einen einfachen Strukturparameter, der mit einem gewünschten magnetischen Zustand korreliert, lässt sich der Suchraum eingrenzen.

Die Gitterkonstante könnte deshalb als eine Art Vorauswahl dienen: Liegt sie in einem bestimmten Bereich, steigt die Wahrscheinlichkeit, einen ferro- oder antiferromagnetischen Grundzustand zu finden.

Auch andere Ansätze versuchen, die aufwendige Suche nach neuen Magnetmaterialien zu verkürzen. VDI nachrichten berichteten beispielsweise über KI-Verfahren, die Millionen möglicher Legierungszusammensetzungen vorab durchsuchen. KI entwirft Rezept für Magnet ohne Seltene Erden. Die neue Studie verfolgt einen anderen Ansatz: Statt eines komplexen Suchalgorithmus liefert sie einen direkt messbaren Strukturparameter.

Gilt die Regel auch für Quasikristalle?

Bislang gilt der gefundene Zusammenhang nur für die untersuchten Tsai-Typ-Verbindungen. Ob sich daraus eine allgemeinere Regel ableiten lässt, ist offen.

Besonders spannend ist die Frage, ob sich das Prinzip auch auf echte Quasikristalle übertragen lässt. Anders als gewöhnliche Kristalle besitzen sie keine periodisch wiederkehrende Elementarzelle. Eine klassische Gitterkonstante lässt sich deshalb nicht direkt angeben. Stattdessen beschreiben Forschende ihre Struktur über charakteristische quasiperiodische Längenskalen.

Nun soll untersucht werden, ob auch diese Größen mit bestimmten magnetischen Zuständen zusammenhängen. Ein Ziel ist es, bislang unbekannte antiferromagnetische Quasikristalle und weitere ungewöhnliche Formen magnetischer Ordnung zu finden.

Offen bleibt zudem, warum die Gittergröße unterschiedliche Legierungen so zuverlässig in ein gemeinsames magnetisches Phasendiagramm einordnet. Welche Verbindung zwischen Kristallstruktur, Elektronenzuständen und Magnetismus dahintersteckt, wollen die Forschenden nun genauer klären.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.