Nachhaltigkeit auf dem Fairway 28.08.2025, 15:00 Uhr

Golfplatz im Klimawandel: Was tun gegen den hohen Wasserverbrauch?

Golfplätze stehen in der Kritik: hoher Wasserverbrauch, viel Abwasser. Technik und Planung könnten das Spiel nachhaltiger machen.

Golfplatz wird bewässert

Durstiger Rasen: Golfplätze brauchen Unmengen an Wasser – moderne Aufbereitung soll den Verbrauch senken.

Foto: Smarterpix / bouybin

Ein Blick auf einen Golfplatz im Hochsommer kann irritieren. Während Felder vertrocknen und Gärten verdorren, leuchtet der Rasen auf dem Grün satt und saftig. Für viele ein Sinnbild von Verschwendung – für andere schlicht Voraussetzung für ein Spiel, das ohne gepflegte Flächen kaum funktioniert. Doch die Debatte um Wasserverbrauch wird angesichts steigender Temperaturen schärfer geführt. Gleichzeitig suchen Golfanlagen nach Wegen, sich nachhaltiger aufzustellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Frage: Lässt sich Wasseraufbereitung als Lösung einsetzen?

Golfplätze als Wasserschlucker – ein Luxusproblem?

Deutschland zählt laut Deutschem Golf Verband über 700 Golfplätze. Zusammen mit knapp 690.000 Spielerinnen und Spieler bilden sie eine beachtliche Freizeitbranche. Doch ihr Ruf ist nicht makellos. Kritiker werfen Golfanlagen vor, in Zeiten der Dürre riesige Mengen an Wasser zu verbrauchen – und das für eine Sportart, die ohnehin als elitär gilt.

Zahlen verdeutlichen das Problem: In Berlin dürfen die drei größten Golfplätze jährlich bis zu 270.000 Kubikmeter Wasser nutzen – das entspricht 270 Millionen Litern. In Spanien oder den Golfstaaten liegen die Werte noch höher. Die „Los Angeles Times“ berichtete gar von 3,79 Millionen Litern für eine einzige Bewässerung. Kein Wunder also, dass Klimaschützer in Andalusien Löcher mit Zement füllten, um gegen die Wasserverschwendung zu protestieren.

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Auch wenn nicht jede Anlage solche Dimensionen erreicht – der Wasserhunger bleibt enorm. Selbst in regenreichen Regionen wie Österreich oder Süddeutschland fließen pro Saison Millionen Liter in Abschläge, Fairways und Grüns. Ein Platzbetreiber in Salzburg fasst es schlicht zusammen: „Wir brauchen 40.000 bis 60.000 Liter für eine einzige Bewässerung.“

Zwischen Ökobilanz und Spielqualität

Ein Golfplatz beansprucht je nach Größe zwischen 40 und 90 Hektar. Ob das ökologisch vertretbar ist, hängt stark davon ab, was vorher auf dieser Fläche war. Wurde intensiv Landwirtschaft betrieben oder sollte ein Gewerbegebiet entstehen, schneidet eine Golfanlage im Vergleich nicht zwangsläufig schlechter ab. Mussten dagegen naturnahe Brachen weichen, sieht die Bilanz düster aus.

Unbestritten bleibt: Ohne Wasser verliert der Platz schnell seine Spielqualität. Grüns verbrennen, Fairways verstauben, selbst die beste Technik kann das nicht verhindern. Hier beginnt der Balanceakt: Den Sportbetrieb sichern, aber Ressourcen schonen.

Technik gegen die Dürre: moderne Aufbereitungssysteme

Eine Lösung liegt in der Nutzung von Abwasser. Maschinen, Golfwagen und Werkzeuge werden auf speziellen Waschplätzen gereinigt – dabei entsteht stark belastetes Schmutzwasser. Öle, Kraftstoffe, Düngemittel, Pestizide, Reinigungsmittel, dazu Grasschnitt und Erde: All das darf nicht einfach im Boden verschwinden.

Hier setzen moderne Systeme wie die GOtec-Anlagen von Dehoust an. Sie kombinieren mechanische, biologische und physikalisch-chemische Verfahren, um aus Abwasser wieder nutzbares Betriebswasser zu machen. Der Prozess läuft mehrstufig:

  1. Grobfiltration entfernt Gras, Sand und Sedimente.
  2. Biologischer Abbau durch Bakterien reduziert organische Stoffe.
  3. Ultrafiltration hält Mikroorganismen zurück.
  4. Ozonbehandlung beseitigt Gerüche und letzte Rückstände.

Am Ende entsteht Wasser, das hygienisch unbedenklich ist. Es kann erneut für Reinigungen, Bewässerung oder sogar Toilettenspülungen eingesetzt werden.

Container statt Neubau

Interessant wird die Technik durch ihre flexible Bauweise. Anlagen gibt es nicht nur stationär, sondern auch im Containerformat. Damit können Clubs die Systeme auch dann installieren, wenn keine passenden Räume vorhanden sind. Größen reichen von drei bis sechs Meter langen Containern, je nach Kapazität.

Wer zusätzlich Photovoltaik und Batteriespeicher nutzt, kann den Betrieb weitgehend energieautark gestalten. Eine Fernüberwachung erlaubt es zudem, die Anlage bequem per App zu steuern. Für Betreiber Golfanlagen bedeutet das mehr Kontrolle bei gleichzeitig sinkendem Aufwand.

Klärwasser statt Grundwasser

Doch auch jenseits der Waschplätze suchen Golfclubs nach neuen Wasserquellen. Besonders im Fokus: gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen. Es hat meist Trinkwasserqualität, wird aber nicht getrunken, sondern in Flüsse geleitet. Stattdessen könnte es direkt für die Bewässerung genutzt werden. So gelangt es in den natürlichen Kreislauf zurück – ohne dass dafür Grundwasser entnommen werden muss.

In Deutschland gibt es erste Pilotprojekte. In ariden Regionen wie den Kanaren oder den Golfstaaten wird Klärwasser schon länger eingesetzt, wenn auch mit hohen technischen Hürden. Der Vorteil ist klar: Trinkwasser bleibt der Bevölkerung vorbehalten.

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Präzise Berechnung statt Gießkanne

Technik allein reicht nicht. Ebenso wichtig ist eine genaue Planung. Der Deutsche Golf Verband hat dafür einen Leitfaden entwickelt. Statt nach Bauchgefühl zu wässern, sollen Betreiber den Wasserbedarf präzise berechnen. Grundlage sind Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Die Spannbreite ist groß: Grüns benötigen je nach Lage zwischen 100 und 600 Millimeter Wasser pro Jahr, Fairways 0 bis 300 Millimeter. Faktoren wie Bodentyp, Wind oder gewählte Grasarten verändern die Werte erheblich.

Ein Beispiel aus dem Leitfaden zeigt die Dimension: Ein Platz kann pro Jahr rund 43.700 Kubikmeter Wasser benötigen. An Spitzentagen sind es bis zu 710 Kubikmeter – mit einer Pumpenleistung von 100 Kubikmetern pro Stunde.

Trockenheitsresistente Gräser und neue Spielregeln

Neben Technik und Berechnung setzen einige Clubs auf Pflanzen. Züchter haben Gräser entwickelt, die längere Wurzeln bilden und weniger oft gegossen werden müssen. Der Haken: Sie sehen oft bräunlich aus, obwohl sie gesund sind. Für das Auge der Spielerinnen und Spieler wirkt das weniger attraktiv.

Eine radikalere Idee wäre, die Spielregeln selbst anzupassen. Warum muss der Rasen überall gleich sattgrün sein? In Burkina Faso etwa existiert ein Golfplatz, der mit nur 200 bis 300 Litern Wasser auskommt. Der Betreiber dort sagt nüchtern: „Wir spielen in der Natur, die wir haben.“

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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