Moderne Medizintechnik 05.03.2025, 07:00 Uhr

Sind Smartwatches der Schlüssel zur Pandemiebekämpfung?

Smartwatches können dazu beitragen, die Ausbreitung von Virusinfektionen frühzeitig einzudämmen. Laut einer Studie haben Wearables sogar das Potenzial, Pandemien zu stoppen, noch bevor sie richtig beginnen.

Smartwatch am Arm zeigt der Patient seinem Arzt die Daten, die auf dem Display ablesbar sind.

Forschende haben herausgefunden, dass Smartwatches bei der Bekämpfung von Pandemien nützlich sein können.

Foto: panthermedia.net / DragonImages

In der Pandemiebekämpfung kommt es vor allem darauf an, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Nur dann ist es möglich, die weitere Verbreitung zu verhindern. Das gilt für COVID-19 ebenso wie für Influenza oder auch Erkältungen. Problematisch ist jedoch, dass viele Krankheiten ihre höchste Ansteckungsgefahr aufweisen, noch bevor die Betroffenen selbst von ihrer Infektion wissen. Studien belegen beispielsweise, dass 44 Prozent der COVID-19-Übertragungen bereits mehrere Tage vor dem Einsetzen der Symptome erfolgten.

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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Aalto University in Finnland, der Stanford University und Texas A&M University in den USA haben nun in einer aktuellen Untersuchung modellhaft dargelegt, wie Smartwatches auf einfache, aber wirkungsvolle Art und Weise dazu beitragen könnten, die unabsichtliche Ausbreitung von Erkrankungen bei präsymptomatischen oder asymptomatischen Individuen erheblich zu reduzieren.

Smartwatches erkennen Krankheiten mit hoher Genauigkeit

Märt Vesinurm von der finnischen Aalto-Universität betont, dass es aktuell konkrete Erkenntnisse über den Verlauf von Pandemien gibt und man auch mehr darüber weiß, wie sich eine Pandemie eindämmen lässt. Das war während der COVID-19- Pandemie so noch nicht klar. „Hinzu kommt, dass tragbare Technologien heute äußerst effektiv bei der Erkennung sehr früher physiologischer Anzeichen einer Infektion sind, und wir sind viel besser vorbereitet“, sagt der Wissenschaftler.

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Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt: Wearables können physiologische Marker verschiedener Erkrankungen präzise erkennen. Sogar etliche Tage, bevor bei dem Träger selbst Symptome auftreten. Möglich ist das, weil gängige Smartwatches Atmung, Pulsfrequenz, Hauttemperatur und weitere Parameter erfassen und daraus mit einer Treffsicherheit von 88 Prozent beispielsweise COVID-19 diagnostizieren. Bei Grippe steigt die Genauigkeit sogar auf 90 Prozent. Sobald Menschen realisieren, dass sie erkrankt sind, reduzieren sie ihre sozialen Kontakte durchschnittlich um 66 bis 90 Prozent, selbst wenn keine Pandemie vorliegt.

Smartwatches könnten die Krankheitsübertragung deutlich reduzieren

„Wenn die Menschen eine frühere Warnung erhalten und darauf reagieren, indem sie sich selbst isolieren, ist die Wirkung erheblich“, sagt Vesinurm. „Selbst eine Reduzierung der sozialen Kontakte um nur 66 bis 75 Prozent kurz nach der Erkennung durch Smartwatches – wobei zu bedenken ist, dass dies dem entspricht, was man normalerweise tun würde, wenn man Erkältungssymptome hat – kann zu einer Verringerung der Krankheitsübertragung um 40 bis 65 Prozent führen.“ Verglichen hat er die Zahlen mit Übertragungsraten für die herkömmliche Situation, dass Betroffene sich ab Auftreten der Symptome isolieren.

Die Untersuchung verdeutlicht, dass es möglich ist, die Ausbreitung einer Krankheit einzudämmen, wenn Menschen eine erhöhte Bereitschaft zeigen, dazu beizutragen, also früh Kontakte vermeiden.

Aber ändern sich die Vitaldaten nicht bei jeder Infektion? Woher weiß die Smartwatch also, ob es sich um die gesuchte Virusrkrankung handelt oder um eine harmlose Erkältung? „Da wir immer mehr spezifische Daten darüber sammeln, wie sich verschiedene Krankheiten auf diese Messungen auswirken, gibt es keinen Grund, warum wir nicht zwischen Krankheiten unterscheiden könnten“, glaubt Vesinurm. Er ist davon übzeugt, dass maschinelle Lernmethoden den entscheidenen Durchbruch bringen werden und Wearables in die Lage versetzen, beispielsweise Corona von der Vogelgrippe zu unterscheiden.

Intelligentere Pandemiepolitik durch Smartwatches

Das Forschungsteam hat zuerst reale Daten aus zahlreichen begutachteten epidemiologischen, biologischen und verhaltensbezogenen Studien zusammengeführt und daraus ein mathematisches Modell erstellt. Auf dieser Basis ließ sich die Ausbreitung von Infektionen auf Bevölkerungsebene simulieren. Durch diese Verknüpfung von Daten und Technologie sei es daher denkbar, dass Smartwatches für eine Veränderung sorgen, wie wir mit Pandemien umgehen – nicht nuzr auf individueller, sondern auch auf politischer Ebene.

„Die Menschen sind an tragbare Geräte gewöhnt und vertrauen ihnen wahrscheinlich. Sie können zwar noch keine Diagnosen stellen, aber dazu beitragen, unbeliebte Maßnahmen wie Masken, Ausgangssperren und invasive Tests gezielter einzusetzen“, sagt er. Eine Frühwarnung der Smartwatch wäre das Signal für weitere Schritte wie einen PCR-Test, das Tragen einer Maske oder den Verzicht auf Verwandtenbesuche. Die konkrete Maßnahme würde vom aktuellen sozialen Kontext und der individuellen Risikoeinschätzung abhängen.

Diese Informationen ermöglichen nicht nur persönliche Entscheidungen zum Schutz von Angehörigen oder der Gemeinschaft, sondern liefern auch politischen Entscheidungsträgern ein effektives Instrument. „Es könnte sein, dass Regierungen es in einer Pandemiesituation für am kostengünstigsten halten, jeder Person, die dies wünscht, eine Smartwatch zur Verfügung zu stellen – obwohl dies natürlich auch ethische Überlegungen mit sich bringt“, sagt Vesinurm. „So oder so, da wir die Früherkennung buchstäblich in unseren Händen halten, gibt es meiner Meinung nach viel Grund zur Hoffnung.“

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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