Medizintechnik 28.01.2026, 17:30 Uhr

Neue MRT-Methode erspart Herzpatienten invasive Eingriffe

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben eine neue Technik entwickelt, die Herzkranken künftig belastende Untersuchungen ersparen könnte. Mit einer gewöhnlichen MRT-Aufnahme lässt sich nun der Schweregrad einer Herzinsuffizienz bestimmen – ohne riskante Katheter.

Patientin wird in ein MRT geschoben.

Ein Herz-MRT könnte künftig die riskante Rechtsherzkatheter-Untersuchung vermeiden.

Foto: SmarterPix/VitalikRadko

Eine Forschungsgruppe der University of East Anglia hat gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen eine Methode erarbeitet, die die Diagnostik bei Herzschwäche grundlegend verändern könnte. Die neue Technik ermöglicht es, den Sauerstoffgehalt im Blut mittels Herz-MRT zu bestimmen. Bisher war dafür ein belastender Eingriff notwendig, bei dem Mediziner und Medizinerinnen einen Katheter direkt ins Herz einführen mussten.

Herz-MRT als schonende Alternative zum Katheter

Bei Menschen mit Herzschwäche kommt häufig der sogenannte Rechtsherzkatheter zum Einsatz. Während dieser Prozedur schieben Ärzte und Ärztinnen einen Schlauch durch die Blutgefäße bis ins Herz vor, um dort den Sauerstoffwert zu ermitteln. Dieser Parameter liefert wichtige Erkenntnisse über das Ausmaß der Erkrankung und hilft bei der Therapieplanung. Allerdings bedeutet diese Untersuchung eine erhebliche Belastung.

Der invasive Charakter des Eingriffs stellt für viele Patientinnen und Patienten ein Problem dar. Besonders ältere oder geschwächte Menschen tragen bei solchen Untersuchungen ein erhöhtes Risiko. Komplikationen können auftreten, die von vorüberhenden Rhythmusstörungen bis zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall reichen – auch wenn die Prozedur in den meisten Fällen gut verläuft. Deshalb suchten Forschende nach Alternativen, die weniger belastend sind und trotzdem zuverlässige Ergebnisse liefern.

Internationale Zusammenarbeit führt zu neuen Erkenntnissen

Das Forschungsteam aus East Anglia arbeitete eng mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der University of Leeds sowie der Newcastle University zusammen. Gemeinsam entwickelten sie ein Verfahren, das auf einer Standard-Magnetresonanztomografie basiert. Mit dieser Technik lässt sich der entscheidende Blutwert ohne Katheterisierung ermitteln. Die Hoffnung: Künftig könnten zahlreiche Menschen von diesem Fortschritt profitieren und den risikobehafteten Eingriff vermeiden.

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Pankaj Garg leitet die Untersuchungen an der Norwich Medical School und arbeitet zudem als beratender Kardiologe am Norfolk and Norwich University Hospital. Er erklärt, dass Herzinsuffizienz in Großbritannien Hunderttausende betrifft und die Pumpkapazität des Herzens massiv beeinträchtigt. Ärztinnen und Ärzte benötigen präzise Informationen über die Blutzirkulation, um die richtige Behandlung festzulegen.

Herz-MRT ist für gefährdete Patienten sicherer

Die Forschenden nutzten eine etablierte MRT-Messung namens T2-Mapping. Diese Technik schätzt, wie viel Sauerstoff im Blut enthalten ist, wenn es zum Herzen zurückströmt. Dieser Wert gilt als wichtiger Anhaltspunkt für die Herzfunktion. Garg erläutert, dass Blut mit verschiedenem Sauerstoffgehalt im Magnetfeld unterschiedlich reagiert. Durch die Messung dieser Reaktion entwickelten das Forscher-Team eine Formel zur Vorhersage.

Erste Tests zeigen vielversprechende Resultate

Zunächst testeten die Forschenden ihre Methode an 30 Probandinnen und Probanden. Die Herz-MRT-Ergebnisse stimmten weitgehend mit den invasiven Kathetermessungen überein. Danach analysierten sie 628 Personen mit frisch diagnostizierter Herzschwäche über ungefähr drei Jahre hinweg. Diejenigen, deren Sauerstoffwerte im Herz-MRT gesünder ausfielen, hatten ein deutlich niedrigeres Sterberisiko. Auch Krankenhausaufenthalte aufgrund der Erkrankung waren bei ihnen seltener.

Die MRT-basierte Messung blieb präzise, selbst wenn Alter, Begleiterkrankungen und allgemeine Herzfunktion berücksichtigt wurden. Das zeigt die Verlässlichkeit der neuen Methode. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen darin einen wichtigen Schritt zur verbesserten Versorgung von Herzkranken. Die Technik könnte die diagnostischen Möglichkeiten erheblich erweitern.

Herz-MRT wird zum leistungsstarken Diagnoseinstrument

Das Team hat also eine nicht-invasive Option gefunden, mit der Ärzte und Ärztinnen deutlich mehr Kranke untersuchen können. Gleichzeitig ermöglicht die Methode Kontroll-Untersuchungen ohne Nebenwirkungen. Denn ein MRT funktioniert ohne schädliche Strahlenbelastung.

Garg bezeichnete die Entwicklung daher als potenziellen Durchbruch für die Beurteilung schwerer Herzinsuffizienz. Besonders gebrechliche oder Hochrisiko-Personen könnten sicherer und häufiger überprüft werden.

Einfache Integration in bestehende Abläufe

Gareth Matthews von der University of East Anglia hebt hervor, dass die Durchführung im Rahmen einer Standard-Herz-MRT erfolgen kann. Es wird weder zusätzliche Hardware noch Kontrastmittel benötigt, und der Scan verlängert sich lediglich um einige Sekunden.

Die Forschenden betonen jedoch, dass weitere Studien notwendig sind. Die Resultate müssen in verschiedenen Kliniken und bei unterschiedlichen Patientengruppen bestätigt werden. Außerdem gilt es zu verstehen, wie die Messung optimal in den klinischen Alltag integriert werden kann. Nur durch umfassende Validierung kann die Methode flächendeckend etabliert werden.

Verfügbarkeit in der Praxis

Wenn sich diese Methode mittelfristig auch in Deutschland durchsetzen soll, gilt es allerdings, ein praktisches Problem zu lösen: die Verfügbarkeit der Technik. Nicht einmal die Hälfte der Kliniken in Deutschland besitzt eigene MRT-Geräte. Die übrigen Krankenhäuser arbeiten mit spezialisierten radiologischen Praxen zusammen. Dort werden auch Patienten und Patientinnen aus dem ambulanten Bereich betreut.

Die Wartezeit auf Termine ist daher in der Regel lang. Diese Situation würde sich durch den zusätzlichen Nutzen verschärfen. Dementsprechend müsste eine bessere technische Ausstattung forciert werden, um regelmäßige Herzuntersuchungen zeitnah zu ermöglichen.

Ein Beitrag von:

  • Julia Klinkusch

    Julia Klinkusch ist seit 2008 selbstständige Journalistin und hat sich auf Wissenschafts- und Gesundheitsthemen spezialisiert. Seit 2010 gehört sie zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Klima, KI, Technik, Umwelt, Medizin/Medizintechnik.

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