Bei Schussverletzungen 16.12.2015, 09:31 Uhr

Mini-Schwämmchen verstopfen blutende Wunden in Sekundenschnelle

Schussverletzungen sind in den USA bekanntlich keine Seltenheit. Jetzt wurde dort ein neuartiges Verbandszeug für den zivilen Einsatz zugelassen, das ursprünglich für das Militär und zur schnellen Behandlung von Schusswunden durch Gewehre und Schrapnelle entwickelt wurde. Was XSTAT 30 kann, lesen Sie hier.

Das neuartige Verbandzeug namens XSTAT 30, bei dem Mini-Schwämmchen in großere offene Wunden appliziert werden, um die Blutung zu stoppen, durfte bislang nur vom Militär benutzt werden. Jetzt hat die US-amerikanische Food and Drug Administration FDA das Mittel für den amerikanischen Markt zugelassen. 

Das neuartige Verbandzeug namens XSTAT 30, bei dem Mini-Schwämmchen in großere offene Wunden appliziert werden, um die Blutung zu stoppen, durfte bislang nur vom Militär benutzt werden. Jetzt hat die US-amerikanische Food and Drug Administration FDA das Mittel für den amerikanischen Markt zugelassen. 

Foto: RevMedx

Bei XSTAT 30 handelt es sich um winzige Schwämmchen aus Zellulose. Hergestellt werden sie von der US-Firma RevMedx. Das Produkt soll Verwundete vor dem schnellem Verbluten retten. Dafür werden die Schwämmchen in tiefe, stark blutende Wunden eingeführt, quellen dort auf und verschließen sie. Ist die Blutung so erst einmal gestoppt, sollen die Rettungskräfte bis zu vier Stunden Zeit haben, um für chirurgische Hilfe zu sorgen.

XSTAT 30: In jeder

XSTAT 30: In jeder „Spritze“ befinden sich 92 zusammengepresste Zelluloseschwämmchen.

Foto: RevMedX

Angaben des United States Army Institute of Surgical Research zufolge sterben 30 bis 40 % der Opfer tödlicher Verletzungen daran, dass sie verbluten – 33 bis 56 % davon, bevor sie das Krankenhaus erreichen. Wird eine starke Blutung innerhalb weniger Minuten gestoppt, kann ein Schock vermieden und Leben gerettet werden.

XSTAT 30 soll nun in den USA zur Versorgung blutender Wunden an Körperstellen eingesetzt werden, an denen kein Druckverband angelegt werden kann, wie in der Leiste oder im Bereich der Achselhöhlen.

Minitampons quellen in blutenden Wunden auf

In der nun frei erhältlichen Packung befinden sich bis zu drei Spritzen-artige Applikatoren mit jeweils 92 gepressten Zelluloseschwämmchen. Die Minitampons in einem Applikator können zusammen etwa einen halben Liter Blut aufsaugen.

Die kleinen Schwämmchen werden in tiefe, stark blutende Wunden eingeführt, quellen dort auf und verschließen sie.

Die kleinen Schwämmchen werden in tiefe, stark blutende Wunden eingeführt, quellen dort auf und verschließen sie.

Foto: RevMedx

In einem Instruktionsvideo des Herstellers zur Anwendung des Mittels beim militärischen Einsatz wird gezeigt, wie der Applikator tief in eine stark blutende Schusswunde im Oberschenkel eines Soldaten gesteckt und die Schwämmchen in das Einschussloch gedrückt werden. Dort quellen sie im Sinne des Erfinders auf, verstopfen die Wunde und drücken verletzte Arterien ab. Aus denen kann ansonsten so schnell Blut sickern, dass der Verletzte innerhalb kurzer Zeit verblutet.

Einschränkungen bei dem Gebrauch

Irritierend ist der Hinweis des Herstellers, das Produkt sei nicht für den Einsatz an Extremitäten getestet worden – obwohl der Film eben diesen zeigt. Ausdrücklich nicht angewendet werden soll das Verfahren in näher bestimmten Regionen des Brust- und Bauchraums, in bestimmten Bereichen der Leistengegend und im Gewebe oberhalb der Schlüsselbeine. 

In einer frei erhältlichen Packung XSTAT 30 befinden sich bis zu drei Spritzen-artige Applikatoren mit jeweils 92 gepressten Zelluloseschwämmchen.

In einer frei erhältlichen Packung XSTAT 30 befinden sich bis zu drei Spritzen-artige Applikatoren mit jeweils 92 gepressten Zelluloseschwämmchen.

Foto: RevMedx

Fast 36.000 Menschen kamen in den USA im Jahr 2013 bei Verkehrsunfällen ums Leben – und fast ebenso viele, nämlich rund 34.000, durch Schussverletzungen. Vielleicht deswegen haben ebenfalls amerikanische Forscher bereits einen Biopolymer-Schaum entwickelt, der große Blutungen einfach stoppen soll. Mehr dazu finden Sie hier. 

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