Anzeige

10 Mio. Betroffene: Diese Technik soll Inkontinenz-Patienten die Kontrolle zurückgeben

16. September 2026

Eine Person sitzt im Rollstuhl, man sie die Hand und das Rad
Neue technische Lösungen sollen Menschen mit Inkontinenz mehr Selbstbestimmung im Alltag ermöglichen. Foto: Smarterpix/pikselstock
Wer den Füllstand seiner Blase nicht mehr spürt, muss jeden Toilettengang im Voraus planen. Drei Entwicklungen aus Forschung und Start-ups sollen Betroffenen ihren Alltag zurückgeben.
Anzeige
Anzeige


Für die meisten Menschen dauert ein Gang zur Toilette nur wenige Minuten, aber für viele ist das Entleeren der Blase mit akribischer Planung verbunden. Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft sind etwa 10 Mio. Menschen in Deutschland von Inkontinenz betroffen.

Daneben gibt es Menschen mit neurogenen Blasenfunktionsstörungen, etwa infolge einer Querschnittlähmung oder neurologischer Erkrankungen. Für sie kann der Toilettengang eine komplexe Abfolge aus Planung, Hilfsmitteln und Unterstützung durch andere sein.

Anzeige
Anzeige

 „Nicht-Betroffene können gar nicht nachvollziehen, wie viel Raum die Krankheit einnimmt“, sagt Urs Schneider, Arzt und wissenschaftlicher Direktor für Gesundheits- und Bioproduktionstechnik am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart.

Entscheidend sei, selbstständig und genau dann auf Toilette gehen zu können, wenn es nötig sei und nicht darauf warten zu müssen, „wann der Dienst kommt“. „Selbstbestimmung heißt eigentlich, dass ich entscheide, was ich wann tue“, betont Schneider.

Besonders deutlich wird diese Abhängigkeit bei einem Teil der Menschen mit neurogener Blasenstörung, die ihre Blase mehrmals täglich mithilfe eines Katheters entleeren müssen. Eingeschränkte Handkraft, Spastiken oder mangelnde Beweglichkeit können das erschweren.

Inhaltsverzeichnis

Ein Gerät für selbstbestimmte Kontinenz

Urs Schneider hat gemeinsam mit seinem Team am Fraunhofer IPA das 2LIP entwickelt, einen Bein- und Labienspreizer, der querschnittsgelähmten Frauen dabei helfen soll, ohne fremde Hilfe zu katheterisieren. Oberschenkelschalen schaffen dabei Platz, ein daran befestigter Spiegel sorgt für Sicht. Ein mechanischer Labienhalter hält den Zugang zur Harnröhrenöffnung frei, sodass beide Hände frei bleiben für die Reinigung und das eigentliche Katheterisieren.

Anzeige
Anzeige

2LIP ist aus einem Medical-Grade-3D-Kunststoff und besteht aus fünf zerlegbaren Komponenten. Ein einfacher Steckmechanismus soll die Handhabung auch bei geringer Handkraft erleichtern. „Katheterisieren braucht Kraft in den Fingern, um es durchführen zu können“, so Schneider.

Das Hilfsmittel kommt ohne elektronische Komponenten aus. Stattdessen sollen Ergonomie und die Ausrichtung an den Bedürfnissen der Betroffenen mehr Selbstständigkeit ermöglichen.

Anzeige
Anzeige

Das Fraunhofer IPA arbeitet derzeit daran, den funktionsfähigen Prototypen weiterzuentwickeln und zu validieren sowie die regulatorischen Anforderungen für ein Medizinprodukt umzusetzen. Eine Ausgründung ist für 2027 geplant. Wann daraus ein regulär verfügbares Produkt wird, steht noch nicht fest.

2LIP hilft beim Entleeren der Blase. Andere Entwickler setzen früher an: Sie wollen erkennen, wann die Blase überhaupt geleert werden muss.

inContAlert: Blasenfüllstand als Smartphone-Nachricht

Menschen mit bestimmten neurologischen Erkrankungen, wie etwa Multipler Sklerose, können den Füllstand ihrer Blase nicht zuverlässig wahrnehmen. Aus diesem Grund hat das deutsche MedTech-Start-up „inContAlert“ ein Wearable entwickelt, das den Füllstand der Blase überwacht. Die erfassten Messdaten werden über einen Machine-Learning-Algorithmus ausgewertet. Per App wird der oder die Betroffene informiert, sobald ein vorab definierter Schwellenwert erreicht ist.

Die Sensoreinheit arbeitet mit LEDs, die Nahinfrarotlicht in Richtung der Blase aussenden. Je nach Gewebe und Füllstand der Blase wird das Licht unterschiedlich absorbiert und gestreut. Fotozellen erfassen das zurückkehrende Licht und übermitteln die Messdaten an die App. Aus den Veränderungen der Lichtsignale ermittelt das System mithilfe eines Algorithmus den Blasenfüllstand.

Das System ist als Medizinprodukt der Klasse I registriert und wird derzeit in ersten klinischen Anwendungen und Studien im Alltag erprobt.

Lesen Sie auch: Toilettensitz misst Daten bei Patienten mit Herzschwäche

WeeCare: Blasenmessung per Impedanztomografie

Ein Forschungsprojekt der Carnegie Mellon University und University of Michigan setzt auf eine alternative Methode, um den Blasenstand nicht-invasiv zu messen. Im Projekt „WeeCare“ haben sie ein flexibles Pad mit Textilelektroden entwickelt, das Veränderungen des Blasenfüllstands mittels elektrischer Impedanztomografie erfassen soll.

Über die Textilelektroden werden schwache elektrische Ströme in den Körper geleitet und die daraus resultierenden Spannungen gemessen. Da Urin elektrisch leitfähig ist, verändert sich mit zunehmender Blasenfüllung die Leitfähigkeit im Beckenbereich. Aus diesen Veränderungen soll WeeCare Rückschlüsse auf den Füllstand der Blase ziehen.

Bislang handelt es sich um einen frühen Machbarkeitsnachweis. Neben Simulationen und Phantomversuchen führten die Forschenden In-vivo-Messungen an acht Personen durch. Die kontinuierliche Fülldynamik untersuchten sie bislang allerdings nur bei einer Person. Eine klinische Validierung ist das noch nicht.

„Selbstbestimmte Kontinenz“ – REHACARE 2026

Vom mechanischen Hilfsmittel wie 2LIP bis zur sensorbasierten Überwachung des Blasenfüllstands zielen alle drei Ansätze darauf ab, Menschen mehr Kontrolle darüber zu geben, wann und wie sie ihre Blase entleeren. Auch die REHACARE 2026, die vom 23. bis 26. September in Düsseldorf stattfindet, greift das Thema in diesem Jahr auf.

Die Messe widmet der „Selbstbestimmten Kontinenz“ in diesem Jahr erstmals einen eigenen Schwerpunkt. Auf einem Marktplatz präsentieren unter anderem das Fraunhofer IPA mit 2LIP, inContAlert sowie Hersteller wie Coloplast, ConvaTec, Hollister, UROMED und Wellspect Lösungen und Beratungsangebote für das Blasen- und Darmmanagement.

Begleitet wird die Ausstellung von mehr als 30 Fachvorträgen an den vier Messetagen. Dabei geht es unter anderem um Selbstkatheterisierung, Darmmanagement, Sexualität und Kontinenz sowie rechtliche Fragen rund um die Versorgung mit Inkontinenzhilfsmitteln.

Lesen Sie auch: Studie zeigt Offenheit für Pflegeroboter – wenn das Vertrauen stimmt



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

03.10.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

03.10.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

03.10.2026
Essen
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

03.10.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

03.10.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

03.10.2026
Stuttgart
Junior Bauüberwacher:in Oberbau / Konstruktiver Ingenieurbau (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Köln
Senior Ingenieur:in Leit- und Sicherungstechnik im Großprojekt Rhein-Ruhr-Express (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Duisburg
Junior Bauingenieur:in als Bezirksleiter:in Fahrbahn (w/m/d)
DB InfraGO AG

03.10.2026
Aachen, Bonn, Köln, Troisdorf
Projektleiter (m/w/d) Industriebau
MEGGLE GmbH & Co. KG

03.10.2026
Wasserburg
Projektingenieur Elektrotechnik (w/m/d)
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG

03.10.2026
Frankfurt am Main
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

04.10.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

04.10.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

04.10.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

04.10.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

04.10.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

04.10.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

04.10.2026
Lübeck
Bauleiter (m/w/d) Rohrsanierung / Kanalsanierung
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG

04.10.2026
München, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Regensburg
Vertriebsingenieur / Projektingenieur (m/w/d) im Außendienst – Südbayern
DEPRAG SCHULZ GMBH u. CO. KG

04.10.2026
verschiedene Einsatzorte

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige