Covid-19 24.02.2021, 10:44 Uhr

Corona-Schnelltests für Laien: Wie funktionieren sie?

Der Start der kostenlosen Corona-Schnelltests verzögert sich. Wann kommt der Schnelltest? Wie funktioniert er? Und ist er überhaupt sicher? Alle Fragen und Antworten.

Ein PCR-Test ist zuverlässiger als der Corona-Schnelltest.
Foto: panthermedia.net/anyaivanova@gmail.com

Ein PCR-Test ist zuverlässiger als der Corona-Schnelltest.

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Eigentlich sollten der Corona-Schnelltest schon am Montag kommen. Eigentlich – das könnte die Überschrift für die vergangenen zwölf Monate und das Leben mit Corona sein. Der Zeitplan für den Start der Corona-Schnelltests für alle liegt jedenfalls erst einmal auf Eis, wie unter anderem die ARD berichtet.

Klar aber ist: Die Gratis-Schnelltests sollen in nicht allzu ferner Zukunft verfügbar sein. Das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zuletzt immer wieder betont. Immer mehr Impfungen und Tests, die für jeden einfach zu handhaben sind, sollen zusammen die Weiche bilden, die einen Weg aus dem Corona-Lockdown möglich macht.

Jetzt hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auch die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Tests zur Eigenanwendung durch Laien erteilt.

Wie funktionieren die Tests? Wo sind sind sie zu bekommen? Alle wichtigen Fragen und Antworten.

Wie funktionieren Corona-Schnelltests?

Das Prinzip ist auf den ersten Blick einfach: Im Rachen oder im Nasenraum wird per Abstrich eine Probe entnommen. Die Auswertung funktioniert dann ein bisschen wie bei einem Schwangerschaftstest mittels eines Teststreifens. Bis ein Ergebnis vorliegt, dauert es lediglich etwa 15 Minuten – ganz ohne Auswertung in einem Labor, was den Schnelltest entsprechend deutlich günstiger macht.

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Anders als beim aufwändigeren PCR-Test wird bei dem sogenannten Antigen-Schnelltest nicht das Erbgut des Virus nachgewiesen, sondern seine Oberflächenmerkmale beziehungsweise seine Eiweißbestandteile: Diese reagieren mit dem Teststreifen, wodurch eine Verfärbung sichtbar wird. Ein positives Corona-Schnelltest-Ergebnis muss laut dem Robert-Koch-Institut aber immer durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Wie sicher ist ein Corona-Schnelltest?

Der Schnelltest ist nicht so zuverlässig wie der etablierte PCR-Test. Der Teststreifen schlägt nur bei hochinfektiösen Menschen und Proben mit einer hohen Viruslast an. Ein negatives Ergebnis schließt also nicht aus, dass die Testperson mit Covid-19 infiziert und entsprechend ansteckend ist.

Bereits im März 2020 hatten Forscher des MIT und der Firma E25Bio ein neues Schnelltest-Prinzip vorgestellt, um Coronaviren schneller nachweisen zu können:

  • Ihre Testkits bestehen aus Papierstreifen, die mit Antikörpern beschichtet sind, um ein bestimmtes virales Protein zu erkennen.
  • Ein zweiter Antikörper wird an Goldnanopartikel gebunden, und die Probe des Patienten wird zu einer Lösung dieser Partikel gegeben.
  • Der Teststreifen wird dann in diese Lösung getaucht. Wenn das virale Protein vorhanden ist, bindet es an die Antikörper auf dem Papierstreifen sowie an die an Nanopartikel gebundenen Antikörper.
  • Innerhalb von 20 Minuten erscheint ein farbiger Fleck auf dem Streifen.

„Wir hoffen, dass dies ähnlich wie bei anderen von uns entwickelten Tests an dem Tag möglich ist, an dem sich Symptome entwickeln“, sagte damals Lee Gehrke. Er hat eine Hermann von Helmholtz Professor am MIT Institute for Medical Engineering and Science inne.

Nach bisherigen Erfahrungen ist es außerdem so, dass die Antigen-Schnelltests sehr viel häufiger als PCR-Tests falsche positive Ergebnisse anzeigen – also auch dann reagieren, wenn eine getestete Person nicht infiziert ist.

Darf ich selbst einen Corona-Schnelltest durchführen?

Die Schnelltests, die ab März kostenlos Schnelltests zur Verfügung stehen sollen, werden von geschultem Personal in Testzentren, Arztpraxen oder in Apotheken durchgeführt. Dazu braucht man lediglich einen Termin. Sei Januar stehen laut dem Gesundheitsministerium mehr Schnelltests zur Verfügung, als abgerufen werden. Deshalb sei es möglich, jedem kostenlose Tests anzubieten. 50 bis 60 Millionen seien von den Herstellern angefordert, doch diese lieferten deutlich mehr.

„Es wird genug Schnelltests geben“, so Spahn jüngst während einer Pressekonferenz. Allerdings könne er nicht garantieren, „dass es sie immer, an jedem Ort und zu jeder Zeit“ gebe.

Unsicherheit herrscht derweil in einigen Apotheken, wie eine solche Aufgabe logistisch und organisatorisch zu bewerkstelligen sei. So klagen manche Apotheken über mangelnde Informationen.

Zuletzt gab es Rufe nach frei zu kaufenden Schnelltests, die man selbst ohne Schulung zu Hause durchführen kann, zum Beispiel in Form von Spuck- und Gurgeltests, wie es sie längst schon in einigen anderen Ländern gibt. Im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) liegen rund 30 Anträge auf eine Sonderzulassung vor, geprüft wird etwa, dass sie von Laien sicher angewendet werden können. Noch Ende Februar oder Anfang März könnten erste Zulassungen für solche Corona-Schnelltests kommen.

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Diese sollen in in Apotheken, Drogerien aber auch in Supermärkten und online zu kaufen sein. Auf den Markt kommen können solche Tests aber auch ohne amtliche Sonderzulassung mit anderen Zertifizierungen, wie das Bfarm erklärt.

Bei den Corona-Selbtstests könnten folgende Methoden angewandt werden:

  • Abstrichtest
  • Gurgeltest
  • Spuck- bzw.Lutschtest

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat jetzt die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Tests zur Eigenanwendung durch Laien erteilt, wie ein Sprecher mitteilte. Bei den Tests werden demnach die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen. Dieser könne nach den von den Herstellern vorgelegten Studien von Laien sicher durchgeführt werden, heißt es beim Bundesinstitut.

Was die Tests kosten werden, ist noch unklar. Auch, ab wann sie etwa in Apotheken erhältlich sein werden.

Was kosten die Schnelltests?

Der Bund hat für die Finanzierung der Schnelltests bis zu 9 Euro pro Test angesetzt und weitere 9 Euro fürs Testabnehmen und Ausstellen eines Zeugnisses. Für die Bürger soll der Schnelltest kostenlos sein.

Wie stellt sich Gesundheitsminister Jens Spahn die Schnelltest-Offensive vor?

Jens Spahn plant, dass der Bund die Kosten für Schnelltests möglichst ab März für alle Bürger übernimmt. Etwa, wenn jemand vor einem Großeltern-Besuch einen Test machen möchte. Wo genau man einen solchen Test von geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekommen kann, sollen Länder und Kommunen festlegen.

Wie funktionieren Corona-Schnelltests?

Genaue Pläne gibt es dazu noch nicht – obwohl die Tests ursprünglich schon in wenigen Tagen starten sollten. Denkbar sind aber eben Testzentren, Apotheken oder Arztpraxen. Spahn hatte schon im Vorfeld gewarnt, dass es gerade zum Start großen Andrang geben geben könne – und zu regionalen Engpässen.

Gibt es genug Corona-Schnelltests?

Für Deutschland gesichert sind bis zu 800 Millionen Stück für das aktuelle Jahr.  Inwieweit das ausreicht und wann es wo zu Engpässen kommen wird, kann noch niemand sagen – aber der Bund rechnet damit, dass die Zahl an Tests genügt. Vor allem logistisch und vom Personalaufwand her dürfte es indes gerade am Anfang Schwierigkeiten geben.

Was genau kann ein Corona-Schnelltest leisten?

Sie sind ein Baustein, um allmählich die Lockdown-Regelungen wieder lockern zu können – ohne zu großes Risiko.

„Ausreichend Schnelltests sind die Voraussetzung, um bei einer entspannteren Pandemielage lockern zu können“, sagte Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen.

Bis genügend davon da sind, müssten die wichtigsten Bereiche wie Schulen, Kitas oder Pflegeheime ausgestattet werden. Die Bundesregierung betont allerdings, dass Schnelltests nur ein Ergebnis für genau einen Tag liefern. Auch ein negatives Testergebnis sei zudem „kein Freibrief“, sich etwa nicht mehr an die etablierten AHA-Regeln zu halten. Das RKI und das Paul-Ehrlich-Institut halten Schnelltests vor allem dann für sinnvoll, wenn Infizierte eine hohe Viruslast haben. Diese und enge Kontaktpersonen könne man dann gezielt isolieren.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er als Redakteur und Reporter in verschiedenen Ressorts unterwegs. Er schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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