Medizin 12.01.2022, 15:29 Uhr

Corona-Schnelltest: So erkennen Sie, ob Ihr Antigentest zuverlässig ist

Welcher Corona-Schnelltest ist besonders gut? Erkennen die Antigentests auch die Omikron-Variante? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Corona-Antigen-Schnelltests sind zur Routine geworden. Doch wie verlässlich ist das Testkit, das Sie zuhause haben? Das können Sie jetzt nachprüfen. Foto: Panthermedia.net/Frank11

Corona-Antigen-Schnelltests sind zur Routine geworden. Doch wie verlässlich ist das Testkit, das Sie zuhause haben? Das können Sie jetzt nachprüfen.

Foto: Panthermedia.net/Frank11

Inzwischen ist es für die meisten Routine: Stäbchen in die Nase, dann in die Testflüssigkeit, dann drei Tropfen auf den Teststreifen … warten … niesen … fertig. Der Corona-Schnelltest für Zuhause scheint ein bisschen mehr Sicherheit in die Pandemie zu bringen. Vor Weihnachten und Silvester hatte die Bundesregierung noch geraten, sich mehrfach zu testen, um das Risiko falsch-negativer Schnelltests möglichst gering zu halten.

Angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus rückt die Teststrategie in Deutschland immer mehr in den Fokus. Die Bundesregierung will etwa ein vorzeitiges Freitesten aus der Quarantäne nicht nur mit PCR-Tests, sondern auch mit “hochwertigen” Antigentests ermöglichen. Nur: Was heißt “hochwertig”? Wie zuverlässig sind Antigentests überhaupt? Erkennt man damit auch Omikron?

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Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kann ich mit einem negativen Schnelltest aus der Quarantäne?

Die Bundesregierung denkt über eine solche Regelung nach, allerdings halten viele Expertinnen und Experten das für eine nur mäßig gute Idee. Nach bisheriger Kenntnis schlagen Corona-Antigentests, zu denen Schnelltests beziehungsweise Selbsttests gehören, bei geringerer Viruslast oft nicht an. „Ein Freitesten nur mit Antigentest, das geht nicht“, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, Andreas Bobrowski, gegenüber dpa. Er halte ein solches Freitesten für ein problematisches Signal. „Die Tests wären nach wenigen Tagen quasi alle negativ und man würde den Menschen eine falsche Sicherheit zeigen. Da muss man ganz zurückhaltend sein“, so Bobrowski.

Erkennen Schnelltests auch die Omikron-Variante?

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte vor einigen Wochen vermeldet, dass Antigen-Schnelltests womöglich nicht geeignet seien, um Infektionen mit der Omikron-Variante des Coronavirus nachzuweisen. In Studien hatte es dazu erste Hinweise gegeben.

Wie funktionieren Schnelltests für Laien? 

Das Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) indes macht klar: Die meisten Tests sind auch zum Nachweis der Omikron-Variante geeignet. PEI-Präsident Klaus Cichutek sagte, dass das Institut mittlerweile über 250 Test-Produkte auf ein höheres Level an Sensitivität bewertet habe und mindestens 80 Prozent dieses Niveau auch schafften. Die meisten Tests schlagen auf ein bestimmtes Protein des Virus an, das von der Omikron-Mutation eher kaum betroffen ist.

Wie gut ist mein Antigen-Schnelltest zuhause?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat eine Liste mit Corona-Schnelltests erstellt, die “vom Hersteller zur professionellen Anwendung zweckbestimmt” sind.

Sie möchten wissen, ob der Selbsttest, den Sie zuhause haben, zuverlässig ist? Dann gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Unter der Spalte “Evaluierung” können Sie ablesen, ob der jeweilige Test vom PEI untersucht wurde. In dem Fall ist hier ein “Ja” eingetragen. Bei “Nein” steht eine Untersuchung noch aus. Fällt der Test bei der PEI-Untersuchung durch, gilt also unzuverlässig, wird er von der Liste entfernt.
  • Achten Sie auf die Spalten “Sensitivität” und “Spezifität”. Sensitvität meint grob gesagt den Anteil an tatsächlich Infizierten, bei denen eine Infektion mit dem Test erkannt wurde. Bei Spezifität wiederum geht es um den Anteil der Nicht-Infizierten, die entsprechend auch ein Negativ-Ergebnis hatten.
  • Je höher die Prozentzahl in diesen Spalten, desto zuverlässiger ist Ihr Antigen-Schnelltest

Warum sind PCR-Tests zuverlässiger als Antigen-Tests?

Dass PCR- und Antigentests unterschiedlich exakt sind, liegt an ihrer Funktionsweise. Bei PCR-Tests wird in komplexen Arbeitsschritten mit Hilfe eines speziellen PCR-Geräts das Erbmaterial des Erregers im Labor nachgewiesen. Bei Antigentests werden Proteine, die charakteristisch für das Virus sind, nachgewiesen.
Der Unterschied bei der Zuverlässigkeit sei aber speziell bei asymptomatischen Corona-Infektionen bei allen Antigentests im Vergleich zum PCR-Test erheblich, sagt etwa der Labormediziner Andreas Bobrowski. “Das Hauptproblem, was sowohl der laborgestützte Antigentest als auch der Schnelltest hat, ist einfach die deutlich zurückgehende Sensitivität bei sinkender Viruslast.”

Corona-Schnelltest per Augenscan – das steckt dahinter

Die Sensitivität ist einer von zwei Werten, die für die Zuverlässigkeit von Corona-Tests eine Rolle spielen. Während die Spezifität angibt, wie viele Nicht-Infizierte korrekt ein negatives Ergebnis erhalten, zeigt die Sensitivität den Anteil der mit dem Virus Infizierten an, die tatsächlich korrekt ein positives Testergebnis erhalten. Sprich: Ein negatives Antigentest-Ergebnis schließt eine Infektion nicht zwingend aus – und kann auch aus einer geringen Viruslast zum Testzeitpunkt resultieren.

Grundsätzlich liegt bei PCR-Tests sowohl die Sensitivität als auch die Spezifität beim Coronavirus bei fast 100 %, auch wenn die Viruslast gering ist. Bei Infizierten mit Symptomen funktionieren die Antigentests laut Experten ebenfalls ziemlich zuverlässig. Bei asymptomatischen Verläufen mit geringer Viruslast fällt nach Einschätzung von Labormediziner Bobrowski nur die Hälfte der Antigentests korrekt positiv aus.

Corona: Haben wir uns auf falsche Zahlen gestützt? Intensivmediziner im Interview

Das PEI verweist darauf, dass Antigentests nicht zur sicheren Diagnose einer Corona-Infektion entwickelt worden seien, sondern um Menschen mit einer sehr hohen Viruslast schnell und einfach zu identifizieren.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs.

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