Kommentar 11.05.2021, 12:40 Uhr

Corona-Impfung: Drängelei und Unsicherheit – Regierung entscheidet an Wissenschaft vorbei

Der Kampf um die Spritze hat begonnen, spätestens jetzt geht es mit der Drängelei los. Die jüngsten Entscheidungen des Gesundheitsministers forcieren das auch noch.

Alle wollen endlich die Corona-Impfung - doch Impfstoff ist noch immer Mangelware. Derweil wächst die Zahl der Drängler, und die neuesten Entscheidungen der Regierung verschlimmern das Problem. Foto: Panthermedia.net/ronstik

Alle wollen endlich die Corona-Impfung - doch Impfstoff ist noch immer Mangelware. Derweil wächst die Zahl der Drängler, und die neuesten Entscheidungen der Regierung verschlimmern das Problem.

Foto: Panthermedia.net/ronstik

„Geduld ist eine Tugend“ und „versprochen ist versprochen“. Zwei Phrasen, die in diesen Tagen der Corona-Pandemie einen ganz neuen Stellenwert erhalten, sich unglücklicherweise aber gegenseitig abstoßen wie gleiche Pole von Magneten. Um im Bild zu bleiben: Pluspol Jens Spahn will das versprochene Impfangebot für alle so schnell wie möglich durchziehen, denn die Aussicht auf den fast sorgenfreien Sommerurlaub will man den Bürgern nicht vermiesen.

Böswillig könnte man ergänzen: erst recht nicht wenige Monate vor einer Bundestagswahl. Der andere Pluspol namens Wissenschaft will zwar auch, dass möglichst schnell viele Menschen geimpft werden – mahnt aber: dafür braucht es Geduld, sonst ist es mit der Wirksamkeit der Impfungen nicht weit her und am Ende ist nichts gewonnen.

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Impfen und Astrazeneca: Der Impfdrang wächst

Konkret geht es um den Impfstoff von Astrazeneca. Der ist nun für alle Menschen freigegeben, die ihn wollen – und der große Kampf um die Spritze ist damit spätestens jetzt eröffnet. Ab dem 10. Mai heißt es für vollständig Geimpfte: Sie sollen die aufgegebenen Grundrechte endlich zurückerhalten. Das sorgt für ein neues Phänomen: den Impfdrang, den jetzt viele Nichtgeimpfte verspüren, die ihr altes Leben auch möglichst bald wieder zurückhaben wollen.

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Der Ansturm auf die Arztpraxen ist groß, die Drängelei arg. Verschärft wird das alles durch die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), mehr Flexibilität bei der Vergabe des Vakzins möglich machen zu wollen. Eigentlich sollen beim Astrazeneca-Impfstoff zwischen Erst- und Zweitimpfung zwölf Wochen vergehen – doppelt so lang wie bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna. Doch diese Zeit soll nach dem Willen des Gesundheitsministeriums auf vier Wochen verkürzt werden können.

Studien zu Zweitimpfung mit Astrazeneca lassen Entscheidung absurd erscheinen

Die extra kurze Zeitspanne macht das Astrazeneca-Vakzin, das – zu Unrecht oder nicht – keinen besonders guten Ruf hat, für viele attraktiver. Denn die Chance, noch vor den Sommerferien vollständig geimpft zu sein, steigt. Allerdings belegen Studien, dass die Wirksamkeit von Astrazeneca damit dramatisch sinkt: von um die 80 % auf gerade einmal 50 %. Zudem empfiehlt die Ständige Impfkommission des RKI dringend, Menschen unter 60, die Astrazeneca erhalten, bei der Zweitimpfung ein mRNA-Vakzin zum Beispiel von Biontech oder Moderna zu verabreichen.

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Wenn die Impfkampagne jetzt zu hektisch und an Empfehlungen von Medizinerinnen und Medizinern vorbei durchgezogen wird, kann das böse ins Auge gehen. Deshalb: Geduld ist in diesen Tagen ganz besonders eine Tugend. Wenn wir uns daran halten, dann klappt es auch mit dem Impfversprechen.

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Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben ist Content Manager und verantwortlicher Redakteur für ingenieur.de. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs. Er schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen.

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