Ägyptische Mumien im CT: Was Radiologen dabei entdeckten
Mit moderner CT-Technik durchleuchten Forschende altägyptische Mumien und rekonstruieren Gesundheit und Alter der Verstorbenen.
Radiologen untersuchen Mumien im CT und entdecken Rückenschmerzen, Zahnprobleme und Details aus dem Leben im alten Ägypten.
Foto: Ricardo Carrasco III
Moderne Bildgebung trifft auf antike Geschichte. Radiologinnen und Radiologen von Keck Medicine of USC haben zwei altägyptische Mumien mit einem hochauflösenden Computertomographen untersucht. Die Körper waren seit mehr als 2200 Jahren konserviert. Die Scans zeigen Details, die bislang verborgen blieben – und sie erzählen von ganz alltäglichen Leiden, die auch heute noch verbreitet sind.
Inhaltsverzeichnis
Zwei Priester, zwei Lebensgeschichten
Untersucht wurden die Mumien zweier ägyptischer Priester. Nes-Min lebte um 330 v. Chr., Nes-Hor rund 140 Jahre später. Beide wurden vollständig gescannt, ohne die empfindlichen Leinenwickel zu öffnen. Dafür nutzte das Team einen 320-Schicht-CT-Scanner, der extrem feine Querschnittsbilder liefert. Jede Mumie lag dabei in der unteren Hälfte ihres Sarkophags. Allein diese wog rund 90 kg.
Die Aufnahmen machten Gesichtsmerkmale sichtbar, etwa Augenlider oder die Unterlippe. Solche Details lassen die Menschen hinter den Mumien erkennen. Zugleich geben die Daten Hinweise auf Gesundheit, Alter und körperliche Belastungen.
Rückenschmerzen und Zahnprobleme
Die Analyse zeigt: Auch im alten Ägypten war das Leben nicht frei von Beschwerden. Bei Nes-Min fanden die Radiolog*innen deutliche Veränderungen an der Lendenwirbelsäule. Die unteren Wirbel waren teilweise zusammengesackt. Das spricht für altersbedingten Verschleiß. Wahrscheinlich litt er unter chronischen Rückenschmerzen – ein Befund, der heute Millionen Menschen betrifft.
Nes-Hor wiederum zeigte starke Abnutzung an der Hüfte. Zudem wiesen seine Zähne Schäden auf, die auf Entzündungen oder langfristige Belastung hindeuten. Die Scans legen nahe, dass er älter wurde als Nes-Min. Beigaben im Körperinneren bestätigten bekannte Bestattungsrituale. Bei Nes-Min fanden sich mehrere Skarabäen sowie ein Fisch. Auch diese Objekte ließen sich im CT klar identifizieren.
Technik mit medizinischer Präzision
„Diese Scans liefern eine Fülle von Informationen, die durch den Zugang von Keck Medicine zu modernster High-Level-Scan-Technologie in Verbindung mit dem Fachwissen des Teams ermöglicht wurden“, sagte Dr. Summer Decker, verantwortlich für die 3D-Bildgebung bei Keck Medicine und Direktorin des USC Center for Innovation in Medical Visualization.
Die Mumien waren zwar schon früher untersucht worden. Doch die Technik hat sich deutlich weiterentwickelt. „Diese Mumien wurden bereits zuvor gescannt, aber dank der Fortschritte in der Scan-Technologie sind die Ergebnisse jetzt viel detaillierter und umfangreicher als je zuvor“, so Decker. „Die hochauflösenden Bilder haben bisher unbekannte Dinge offenbart und dazu beigetragen, ein Bild davon zu erstellen, wie ihr Leben aussah.“
Vom CT zum 3D-Druck
Nach den Scans erstellten Decker und ihr Kollege Jonathan Ford digitale 3D-Modelle der Körper. Auf dieser Basis entstanden lebensgroße 3D-Drucke von Schädeln, Wirbelsäulen und Hüften. Auch die Grabbeigaben von Nes-Min wurden reproduziert.
Solche Verfahren stammen aus der klinischen Praxis. Chirurg*innen nutzen sie, um komplexe Eingriffe vorzubereiten. Aus CT- oder MRT-Daten entstehen physische Modelle von Organen oder Knochen. Diese lassen sich vermessen, anfassen und für Operationsplanung einsetzen.
„Durch 3D-Visualisierung, Modellierung und Druck können Ärzte wie Chirurgen schwer zu erkennende Tumore genau vermessen, die komplizierte Struktur des Herzens oder der Leber eines Patienten untersuchen oder bestimmen, wie eine Schulter oder Hüfte am besten repariert werden kann“, sagte Decker. Die Technik verbessert Planung und Kommunikation – auch mit Patientinnen und Patienten.
Archäologie trifft Medizin
Für die Ausstellung eröffnet die Methode eine neue Perspektive. „Mumien sind seit langem ein Rätsel. Es ist unglaublich spannend, unter die Oberfläche zu blicken, um die spezifischen Lebenserfahrungen einzelner Personen zu enthüllen“, sagte die Anthropologin Diane Perlov vom California Science Center. „Diese moderne wissenschaftliche Technologie bietet uns einen eindrucksvollen Einblick in die Welt der Menschen der Antike und vergangener Zivilisationen, der uns sonst vielleicht verloren gegangen wäre.“
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