Filmstadt Düsseldorf 11.06.2010, 19:47 Uhr

Darum dreht“s sich am Rhein so schön …

Wenn am Wochenende wilde Motorboot-Verfolgungsjagden im Düsseldorfer Medienhafen stattfinden, dann hat nicht etwa das organisierte Verbrechen die NRW-Landeshauptstadt im Griff, es werden vielmehr neue Folgen der Action-Serie „Alarm für Cobra 11“ produziert. Die Stadt ist telegen!

„Alarm für Cobra 11“, „Germany“s next Topmodel“, „Verbotene Liebe“ oder der nachdenkliche ZDF-Ermittler „Kommissar Stolberg“ – alle diese Quotenhits des deutschen Fernsehens haben eines gemeinsam: Sie werden ganz oder teilweise in Düsseldorf produziert. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt hat sich als Drehort für Kinofilme, für TV-Produktionen, aber auch für Werbeaufnahmen einen guten Namen erworben.

Zum einen hängt das mit attraktiven „Locations“ zusammen: dem futuristischen Medienhafen, der Altstadt, der prominenten Rheinfront und historischen Bauten wie dem Schloss Benrath. Aber die Stadt tut auch etwas für ihre Präsenz in Film und Fernsehen, indem sie Produktionsfirmen tatkräftige Unterstützung und einen zentralen Ansprechpartner zur Verfügung stellt.

Dieser heißt Michael Kosiedowski und ist Fachreferent für Film- und Fernsehproduktionen im Büro des Oberbürgermeisters. Kosiedowski selbst versteht sich als „Lotse“, um die Produktionsfirmen sicher durch die einzelnen Behörden und Fachämter zu steuern, die bei solchen Produktionen involviert sind. So gibt es bei Polizei und Feuerwehr, beim Flughafen und allen Fachämtern der Stadt feste Ansprechpartner, mit denen Kosiedowski gut vernetzt ist. Da sind dann auch aufwändige Drehs, wie sie z. B. für die Action-Serie Cobra 11 fast regelmäßig stattfinden, kein Problem.

Die Zahl der in Düsseldorf stattfindenden Produktionen zeigt dann auch laut Kosiedowski seit Jahren eine „erfreuliche Steigerung“. Für das Jahr 2009 hat er insgesamt 70 Produktionen aufgelistet. Das können einzelne Werbeshootings oder Kinofilme sein, aber im Falle von Serienproduktionen wie „Kommissar Stolberg“ sind jeweils acht Folgen als eine Produktion zu werten.

Geld gibt es von der Stadt, darauf legt Kosiedowski wert, keines. Für Drehgenehmigungen werden von den zuständigen Fachämtern vielmehr die festgelegten Gebühren verlangt. Wer eine Film-produktion bezuschusst haben will, muss sich an die Filmstiftung NRW wenden, die seit 1991 ihren Sitz am Düsseldorfer Medienhafen hat, und seitdem viele nationale und internationale Produktionen bezuschusst hat.

Solche Zuschüsse sind dann regelmäßig mit der Auflage verbunden, Teile des Filmes in NRW zu drehen. Das sieht man allerdings dem fertigen Produkt, z. B. dem preisgekrönten „Antichrist“ von Lars van Trier, am Ende nicht immer an.

Andere Kinospielfilme dagegen zeigen Düsseldorf auch explizit als Ort der Handlung. Beispiel aus jüngster Zeit: „Palermo Shooting“ von Wim Wenders. Der gebürtige Düsseldorfer hat mit dem gleichfalls in der Rheinmetropole geborenen Punkrocker Campino diesen Streifen zum Teil in seiner Heimatstadt realisiert.

Auch einem der Großen aus Düsseldorfs Historie galt ein prominent besetzter Spielfilm: „Geliebte Clara“ von Helma Sanders-Brahms wurde 2008 zum Teil an Originalschauplätzen in Düsseldorf gedreht und jetzt aus Anlass des 200. Geburtstages des Komponisten Robert Schumann erstmals im Fernsehen gezeigt. Der Film handelt über die vier Jahre, die Schumann als Musikdirektor mit seiner damals weltberühmten Pianistengattin Clara in Düsseldorf lebte. Mit dem jungen Johannes Brahms tritt ein weiteres Musikgenie auf – und es entspinnt sich eine musikalisch wie menschlich spannende und bis heute rätselhafte Geschichte.

Da geht es in den meisten TV-Produktionen handfester zu. Und für viele Düsseldorfer verbirgt sich im Fernsehkrimi „made in Düsseldorf“ gleich ein zweiter: Da lautet die Frage nicht nur, wer die Millionärsgattin mit dem zweifelhaften Liebesleben vors Auto geschubst hat, sondern auch: Wo hat er das getan? War das wirklich an der Cecilienallee oder doch ganz woanders?

Denn für TV-Produktionen gibt es laut Kosiedowski ganz klare Regeln, wann das umfangreiche Unterstützungsnetzwerk der Stadt greift. Er nennt das den „Düsseldorf-Effekt“, der in jedem einzelnen Fall gegeben sein müsse (s. Kasten). Und dazu gehört eben auch, dass die Stadt als solche erkennbar sein muss.

Neben den bereits erwähnten Düsseldorfer Highlights gehören dazu auch die verschiedenen Rheinbrücken oder die Esprit-Arena. Aber auch in die Unterwelt kann es Düsseldorf gehen – im wahrsten Sinne des Wortes: im Besucherkanal im Stadtteil Golzheim. In dem 176 m langen und 6,5 m breiten Kanalstück, das von der Stadtentwässerung vor Jahren als Besucherkanal erschlossen wurde, fanden bereits mehrere Produktionen statt, z. B. 2002 der britische Film „Creep“ mit Franka Potente, aber auch „Cobra 11“ oder „SK Kölsch“ nutzten den Kanal.

Dass er mit seinem Team auch große Aufgaben bewältigen kann, macht Michael Kosiedowski stolz. Die Stadt und ihre Behörden sind Großveranstaltungen gewöhnt (neben dem alljährlichen Karneval gibt es z. B. den Düsseldorf Marathon oder den Ski-Weltcup-Auftakt im Herbst), da kann dann auch ein Thomas Gottschalk mit der Stadtwette in „Wetten, dass …?“ nicht schrecken. Und alle Verantwortlichen tragen im Team dazu bei, dass Düsseldorf für Millionen Fernsehzuschauer wieder einmal im besten Licht erscheint. JENS D. BILLERBECK

Von Jens D. Billerbeck

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