Psychologische Studie 01.04.2019, 12:45 Uhr

Cambridge Studie: Ingenieure leichtgläubiger als andere Berufsgruppen

Eine international durchgeführte Studie von Psychologen der Cambridge University ergab ein überraschendes Ergebnis. Demnach sollen ausgerechnet die rational denkenden Berufsgruppen in puncto Leichtgläubigkeit am schlechtesten abgeschnitten haben. Allen voran: Ingenieure. Was steckt dahinter?

Erschrockene Frau vor Laptop

Foto: panthermedia.net/stokkete

Studie zu Fake News & Co.

Seit der Amtseinführung von Donald Trump wurde der Begriff „Fake News“ vor allem durch die sozialen Netzwerke getragen. Seitdem beschäftigen sich Forscher auf internationaler Ebene mit dem Thema der Falschmeldungen, wie diese verbreitet werden und welche Personengruppen besonders anfällig dafür sind. Auch die britische Elite-Uni in Cambridge setzte sich 2018 intensiv mit dem Thema auseinander.

In einer weltweit angelegten Studie versuchten die Wissenschaftler herauszufinden, welche akademischen Berufsgruppen am ehesten auf Fake News hereinfallen. Dafür entwickelte das Psychologenteam der Cambridge University einen umfassenden Fragebogen, den laut eigenen Angaben mehr als 350.000 Personen aus verschiedenen akademischen Berufen erhielten. Nun wurden die Ergebnisse der durchaus repräsentativen Umfrage veröffentlicht. Die Überraschung: Ausgerechnet Ingenieure und andere rationale Berufsgruppen sind überdurchschnittlich empfänglich für Fake News.

Schlusslichter: Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker

Besonders schlecht kommen bei der Umfrage laut den britischen Forschern Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler weg. Die Gruppe der Ingenieure haben – unabhängig von der Nationalität der Befragten – bei den wesentlichen Fragen beunruhigende Ergebnisse geliefert. So gaben 92 % der Teilnehmer an, sie würden meist nur die Überschrift lesen, bevor sie einen Artikel an Freunde und Bekannte weiterleiten. Die Hintergründe und erweiterten Quellen würden sie in den meisten Fällen nicht interessieren. Auch von seriösen Medien halten Personen aus den Mint-Berufen laut Studie immer weniger. Es herrscht ein großes Misstrauen, weshalb sie stattdessen auf alternative Quellen ausweichen. Naturwissenschaftler und Informatiker haben bei den Kernfragen wie „Welche Medien nutzt du für die Informationsbeschaffung?“ oder „Wie oft überprüfst du die Quelle der Information?“ zwar etwas besser abgeschnitten als Ingenieure, lieferten aber insgesamt ähnlich erschreckende Ergebnisse.

Die Ergebnisse dürfen vor allem deshalb als besonders überraschend erachtet werden, weil rationales Denken und wissenschaftliches Erarbeiten von Lösungen zum Alltag eines jeden Ingenieurs gehören. Es ist daher schwer nachzuvollziehen, warum diese Berufsgruppen empfänglicher für Fake News sind als andere.

Philosophen und Theologen schneiden am besten ab

Ebenfalls überraschend waren die Umfrageergebnisse der teilnehmenden Philosophieabsolventen sowie der Theologiegelehrten. Akademiker aus den Religionsberufen haben in Sachen Fake News Antworten geliefert, die auf eine besonders ausgeprägte Rationalität hinweisen. Selbst exotische Studiengänge wie Angewandte Freizeitwissenschaften (Hochschule Bremen) oder Coffeemanagement (Hamburger Northern Business Academy) sowie Absolventen der New Yorker Trump University haben bei der Studie besser abgeschnitten als Ingenieure.

Die Glaubwürdigkeit der Studie ist durch die anerkannten Psychologen der Cambridge University sowie das Datum der Veröffentlichung bei ingenieur.de gewährleistet.

 

Von Nick Gretzinger

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