Ausgedruckt 12.06.2013, 15:30 Uhr

Bertelsmann gibt Brockhaus auf

Der Medienkonzern Bertelsmann trennt sich vom bekannten Brockhaus-Lexikon. Die gedruckte Enzyklopädie ist wirtschaftlich unrentabel geworden. Vielleicht wird die Marke Brockhaus weiter bestehen bleiben.

Der Brockhaus war immer eine imposante Erscheinung. Die aktuelle 21. Auflage widmet sich 300.000 Stichwörtern. Doch die Papierversion rentiert sich im Zeitalter von Wikipedia nicht mehr. Jetzt wird das Traditionslexikon abgewickelt.

Der Brockhaus war immer eine imposante Erscheinung. Die aktuelle 21. Auflage widmet sich 300.000 Stichwörtern. Doch die Papierversion rentiert sich im Zeitalter von Wikipedia nicht mehr. Jetzt wird das Traditionslexikon abgewickelt.

Foto: dpa/Waltraud Grubitzsch

Die Nachricht, dass Bertelsmann seine Lexikonsparte und damit auch die Brockhaus-Reihe aufgeben wird, kann durchaus wehmütige Erinnerungen auslösen. An Zeiten, in denen man in dicken und schwergewichtigen Wälzern das „gesicherte Wissen der Gegenwart“, so der Verlag, im Regal stehen hatte. Diese Zeiten sind vorbei. Heute heißt der Inbegriff des Lexikons nicht mehr Brockhaus sondern Wikipedia. Es wird nicht mehr „nachgeschlagen“ sondern „gegoogelt“.

Erst 2009 hatte Bertelsmann den Brockhaus übernommen

Dabei war der Brockhaus immer eine imposante Erscheinung. Die aktuelle 21. Auflage listet auf 24.500 Seiten rund 300.000 Stichwörter und 40.000 Bilder auf. Dazu gibt es eine Audiothek mit 70 Stunden Tondokumenten sowie Online-Aktualisierungen. So viel sorgfältig zusammengetragene Information hat seinen Preis: Einzeln kostet ein Brockhaus-Band 94 Euro, bei Komplettabnahme aller 30 Bände liegen die Kosten bei 2.820 Euro. Aus dem Statussymbol des Bildungsbürgertums ist in den letzten Jahren ein Symbol für rückständige und kostspielige Informationsbeschaffung geworden.

Erst zu Beginn des Jahres 2009 hatte Wissenmedia, eine Bertelsmann-Tochter, die Traditionsmarke Brockhaus übernommen. Damals wollte Christoph Hünemann, Geschäftsführer von Wissenmedia, noch am gedruckten Nachschlagewerk festhalten. „Sowohl gedruckte Lexika als auch Online-Enzyklopädien haben ihren festen Platz in der Zukunft“, sagte er. Dennoch konnte auch der neue Eigentümer die Millionenverluste, die der Brockhaus-Verlag jedes Jahr eingefahren hatte, nicht zum Positiven wenden.

Die Marke Brockhaus könnte weiter existieren

Jetzt wird bis Mitte 2014 zunächst der größere Teil des Geschäftes, der Direktvertrieb eingestellt. Damit fällt beim zuständigen Direktvertriebsunternehmen InmediaOne ein Großteil der 300 Arbeitsplätze an den Standorten Gütersloh und München weg. Die Online-Aktualisierungen und weitere Verpflichtungen sollen aber noch sechs Jahre fortgeführt werden. So ganz will Bertelsmann die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Immerhin hat der Brockhaus einen Bekanntheitsgrad von über 93 Prozent. Denkbar sei, so ein Firmensprecher, dass eine Lizenz für die Marke Brockhaus vergeben werde.

Angefangen hatte die Brockhaus-Geschichte mit dem „Conversationslexikon mit vorzüglicher Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeiten“, das Friedrich Arnold Brockhaus mitsamt den Verlagsrechten 1808 für 1.800 Taler kaufte. Brockhaus selbst arbeitete fleißig an weiteren Auflagen und nannte sein Lexikon bald „enzyklopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände“. Zehn Jahre später halfen ihm Wissenschaftler der Universitäten Leipzig, Wittenberg und Halle bei der Redaktion der Bände. An der aktuellen 21. Auflage haben nach Angaben des Verlages 70 Fach-, Bild- und Schlussredakteure der Redaktion in Leipzig sowie tausend weitere, meist freie Mitarbeiter gearbeitet.

  • Gudrun von Schoenebeck

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