Verborgener Bias 11.10.2025, 08:45 Uhr

Diskriminierung durch Daten: So unfair urteilt KI über Ostdeutsche

Künstliche Intelligenz soll objektiv urteilen, doch die Realität sieht meist anders aus. Eine Untersuchung der Hochschule München und Forschungsergebnisse der Cornell University zeigen: Chatbots wie ChatGPT können sogar regionale Vorurteile innerhalb Deutschlands reproduzieren.

Forscherinnen der Hochschule München zeigen auf einen Monitor mit den Ergebnissen der Studie.

KI-Modelle wie ChatGPT bewerten Ostdeutsche und Dialekte systematisch schlechter. Ein Risiko für faire Entscheidungen.

Foto: Julia Bergmeister

Large Language Models (LLMs) basieren auf gewaltigen Datenmengen, in denen sie Muster erkennen und verallgemeinern. Genau diese Fähigkeit macht sie nützlich, aber auch anfällig für den sogenannten Bias, also Informationen zu bevorzugen oder sogar zu verzerren.

Vorurteile in den Daten: Ostdeutsche werden schlechter dargestellt

Das Team von der Hochschule München testete, wie Modelle mit Stereotypen über Ostdeutschland umgehen. ChatGPT und das deutsche Modell LeoLM sollten verschiedenen Bundesländern Eigenschaften wie Attraktivität, Fleiß oder Arroganz zuordnen und auch neutrale Merkmale wie die Körpertemperatur.

Das auffällige Ergebnis: Ostdeutsche Länder wurden in allen Kategorien durchgängig niedriger bewertet, unabhängig davon, ob es um positive, negative oder völlig neutrale Merkmale ging. In widersprüchlicher Weise etwa bei Fleiß und Faulheit: Die KI ordnete Ostdeutschen sowohl weniger Fleiß als auch weniger Faulheit zu — ein Muster, das deutlich auf eine Verzerrung hindeutet. Bei der neutralen Kategorie Körpertemperatur wurde sogar eine niedrigere Temperatur zugewiesen.

„Die Modelle lernen offenbar, dass in bestimmten Regionen die Zahlen generell niedriger sind“, erklärt Mila Stillman von der Hochschule München.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur:in oder Bachelor of Engineering (FH) der Fachrichtung Nachrichtentechnik (m/w/d) LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen
Lippstadt, Warstein Zum Job 
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Projektingenieure / Projektleiter Gebäude- / Versorgungstechnik (m/w/d) Werner Sobek AG
Frankfurt, Stuttgart, Weinheim, Mannheim Zum Job 
HOERBIGER Flow Control GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (w/m/d) HOERBIGER Flow Control GmbH
Altenstadt Zum Job 
Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Technik (m/w/d) Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH
Wolfenbüttel Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Electrical Automation Engineer (m/w/d) - R&D Department Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Hochbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Sachbearbeiter Bereich Wasserwirtschaft (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt-Mittelhausen Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Planungsingenieur (m/w/d) für Siedlungswasserwirtschaft WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
Donauwörth, München-Ost (Grasbrunn), München-West (Planegg), Pfaffenhofen an der Ilm Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
HSE Manager Baustellen & Infrastrukturprojekte (m/w/d) TenneT
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Tiefbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur Wasserbau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt, Meiningen, Neustadt an der Orla, Sondershausen Zum Job 
Handtmann Reutlingen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur / Electrical Design Engineer (m/w/d) EPLAN P8 Handtmann Reutlingen GmbH
Reutlingen Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Planungsleiter / Projektleiter (m/w/d) für Kläranlagen mit Schwerpunkt Ingenieurbau WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Planungsleiter / Projektleiter (m/w/d) für Kläranlagen mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 
Hochschule Reutlingen-Firmenlogo
W2-Professur (m/w/x) Energiewirtschaft und Energienetze Hochschule Reutlingen
Reutlingen Zum Job 
OST  Ostschweizer Fachhochschule-Firmenlogo
Professor/in für Integrierte Digitale Systeme OST Ostschweizer Fachhochschule
Rapperswil Zum Job 

Die Münchner Forschenden testeten verschiedene Strategien, um die Verzerrungen zu vermeiden – etwa durch Anweisungen wie „Bewerte alle Regionen fair und unabhängig von deren Herkunft“. Doch auch diese sogenannten „Debiasing Prompts“ führten nur zu geringen Verbesserungen.

Verzerrung der Daten

Die Forscherinnen sprechen von einem „systemischen Musterverzerrer“. Das bedeutet: Das Modell hat aus seinen Trainingsdaten gelernt, dass Ostdeutschland in statistischen oder textlichen Zusammenhängen häufig mit negativen oder minderwertigen Bewertungen assoziiert wird. Besonders bemerkenswert: Der Bias bleibt bestehen, selbst wenn die Fragestellung neutral formuliert ist oder explizit keine kulturellen Unterschiede nahelegt.

„Die Verzerrung ist nicht durch die Frage erzeugt, sondern bereits im Modell angelegt.“ macht Prof. Anna Kruspe deutlich

Die Autorinnen warnen: Wenn solche Modelle unreflektiert in Bewerbungsverfahren oder Bewertungssysteme integriert werden, könnten Ostdeutsche strukturell benachteiligt werden

Sprachmodelle diskriminieren auch Dialekte

Ein zentraler Befund der Cornell-Forschung bestätigt, das KI nicht nur soziale, sondern auch sprachliche Diskriminierung betreibt. Sprachmodelle reagieren sensibel auf Nuancen der Ausdrucksweise – und genau das macht sie anfällig für Dialekt- und Akzent-Bias.

Das Forschungsteam um Tobias Grüning von der Universität Mannheim testete GPT-4, Gemini und LeoLM mit Sätzen in verschiedenen deutschen Dialekten. Das Ergebnis: Bei standarddeutschen Eingaben erzielten die Modelle durchweg höhere Bewertungs-Scores und lieferten qualitativere Antworten als bei dialektalen Formulierungen. In Einzelfällen wurden Dialektausdrücke sogar automatisch ins Hochdeutsche „korrigiert“.

Cornell-Forscher Jon Kleinberg beschreibt diesen Mechanismus als „Linguistic Bias Cascade“: Ein kleiner Unterschied in der Formulierung genügt, um das Modell in eine andere Bewertungsschiene zu lenken. Etwa von „kompetent“ zu „unsicher“, von „freundlich“ zu „unterwürfig“. In Verbindung mit regionalen Mustern – etwa, wenn Dialekte bestimmten Bundesländern zugeordnet werden – kann das Modell implizit Rückschlüsse auf Herkunft oder Bildung ziehen.

Gerade in Deutschland, wo Dialekte traditionell mit sozialer Herkunft oder Bildungsstand korreliert sind, verstärkt KI somit alte Stereotype technologisch. Ein Bewerber, der sich in E-Mails oder Chat-Eingaben mit leicht sächsischem Satzbau ausdrückt, könnte durch ein KI-gestütztes Screening-Tool benachteiligt werden – nicht wegen seiner Qualifikation, sondern wegen seines Sprachmusters.

Vielfalt als Schlüssel zu fairer KI

Die Cornell-Studie plädiert daher für eine Erweiterung der Fairness-Definition in der KI-Forschung: Neben Geschlecht, Alter oder Ethnie müsse auch sprachliche Vielfalt als schützenswerte Kategorie gelten. Systeme sollten nachweislich in der Lage sein, regionale und dialektale Varietäten korrekt und gleichwertig zu verarbeiten.

Auch Prof. Kruspe von der Hochschule München fordert in diesem Zusammenhang, Dialekte aktiv in Trainingskorpora einzubeziehen: „Wenn KI die Gesellschaft abbilden soll, muss sie auch deren sprachliche Realität kennen.“ Erst dann könne man von einer inklusiven Technologie sprechen.

Ein Beitrag von:

  • Tim Stockhausen

    Tim Stockhausen ist Volontär beim VDI Verlag. 2024 schloss er sein Studium der visuellen Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab. Seine journalistischen Interessen gelten insbesondere Künstlicher Intelligenz, Mobilität, Raumfahrt und digitalen Welten.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.