Madonna della Rosa 03.01.2024, 11:30 Uhr

Hat KI ein gefälschtes Raffael-Gemälde entdeckt?

Fälschung oder Faulheit des Meisters? Ein berühmtes Raffael-Gemälde zeigt ein Gesicht, das einer neuen Analyse mittels Künstlicher Intelligenz zufolge nicht vom Renaissancemeister stammt. Es könnte von einem seiner Schüler gemalt worden sein.

Madonna Della Rosa

Das Gesicht des heiligen Josefs auf dem Raffael-Gemälde "Madonna della Rosa" stammt nicht vom Meister selbst.

Foto: Museo Nacional del Prado, Madrid

Künstliche Intelligenz (KI) kann mittlerweile vieles – Texte schreiben, Krankheiten entdecken oder Bilder malen. Sie kann aber auch Details in Bildern erkennen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Künstliche Intelligenz (KI) kann darauf trainiert werden, Details in Bildern zu erkennen, die dem menschlichen Auge entgehen. Jetzt hat ein KI-gesteuertes neuronales Netzwerk eine bemerkenswerte Entdeckung in einem Raffael-Gemälde gemacht: Das Gesicht des Heiligen Josef, oben links im Bild „Madonna della Rosa“, wurde nicht von Raffael gemalt. Obwohl es bereits Vermutungen gab, dass Teile des Kunstwerks nicht vom Meister stammen, liefert die KI nun einen konkreten Beweis: Sie identifiziert diese Abweichung mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent.

Fälschung oder Original?

Die Echtheit von Gemälden ist oft unklar, und dies betrifft nicht immer Fälschungen. In früheren Zeiten führten viele Maler Werkstätten, in denen sie von Mitarbeitern unterstützt wurden. Um zu bestimmen, ob ein Gemälde authentisch ist, setzen Experten verschiedene Methoden ein. Sie analysieren historische Schriftstücke, bestimmen das Alter der Werke, untersuchen die verwendeten Materialien mit chemischen und technischen Verfahren wie Röntgen- und Spektralanalysen und bewerten den Stil, die Farbübergänge und die Pinselführung.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur Betriebsdienstmanagement Straßenbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Halle, Dresden, Erfurt, Magdeburg Zum Job 
Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG-Firmenlogo
Umweltingenieur (m/d/w) Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG
ITW Fastener Products GmbH-Firmenlogo
Ingenieur oder Techniker als Projektmanager Innovation (m/w/d) ITW Fastener Products GmbH
Creglingen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Bauwerksprüfer im Brückenbau (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Regensburg Zum Job 
Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG-Firmenlogo
Ingenieur Planung Fernwärme (m/d/w) Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG
Hutchinson Aerospace GmbH-Firmenlogo
Stress Engineer (f/m/d) Hutchinson Aerospace GmbH
Göllnitz Zum Job 
Huber SE-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) Prozesswasser Huber SE
Berching Zum Job 
IMS Messsysteme GmbH-Firmenlogo
Elektrotechnikingenieur/-techniker (m/w/i) für die Prüfung von Messsystemen IMS Messsysteme GmbH
Heiligenhaus Zum Job 
Völkl Sports GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur - Projektleiter Entwicklung Ski (m/w/d) Völkl Sports GmbH
Straubing Zum Job 
Universität Stuttgart-Firmenlogo
Tenure-Track-Professur (W1) "Hydromechanik" Universität Stuttgart
Stuttgart Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Ingenieur:in Automatisierungstechnik (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Berlin Stahnsdorf Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Bauingenieur:in Oberbauleitung (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Schönefeld Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Planungsingenieur:in Elektrotechnik für Brandschutzprojekte (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Bauingenieur:in Oberbauleitung (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Wandlitz Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) als Projektteamleitung für den Bereich Straßenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH-Firmenlogo
Support- und Applikationsingenieur (m/w/d) ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH
Langenbrettach Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Bauingenieur:in Oberbauleitung (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Mercer Stendal GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker Elektrotechnik und Automation (m/w/d) Mercer Stendal GmbH
Arneburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Straßenbau Schwerpunkt Abfallmanagement/Umweltschutz Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamburg Zum Job 

So war die Echtheit des Gemäldes „Madonna della Rosa“ von Raffaels unter Experten lange umstritten. Da haben auch die genannten Methoden nicht viel geholfen. Eine neue Methode, basierend auf KI-Algorithmen, unterstützt nun die These, dass Teile des Gemäldes von einem anderen Künstler stammen könnten. Ein Forschungsteam aus dem Vereinigten Königreich und den USA entwickelte einen spezialisierten Analysealgorithmus, der Raffaels bekannte Pinselführung untersucht.

„Durch tiefgehende Analyse authentischer Raffael-Gemälde trainierten wir einen Computer, seinen Stil genau zu identifizieren, von Pinselstrichen über Farbpalette und Schattierung bis zu allen Details des Kunstwerks“, erklärte Prof. Hassan Ugail, Mathematiker und Informatiker an der Universität Bradford.

KI identifizierte die Fälschung

Maschinelle Lernverfahren erfordern in der Regel das Training anhand einer umfangreichen Sammlung von Beispielen. Dies gestaltet sich schwierig, wenn es um das Gesamtwerk eines einzelnen Künstlers geht. Das Team passte daher eine von Microsoft entwickelte, vortrainierte Architektur namens ResNet50 an. Diese kombinierten sie mit einer herkömmlichen Technik des maschinellen Lernens, der Support Vector Machine.

Die Methode erwies sich als äußerst effektiv und erreichte eine Genauigkeit von 98% bei der Identifizierung von Gemälden Raffaels. Üblicherweise wird sie für die Analyse ganzer Bilder eingesetzt, doch in diesem Fall programmierte das Team sie zur Betrachtung einzelner Gesichter um.

Während die Madonna, das Kind und der heilige Johannes eindeutig Raffaels Handschrift tragen, stammt der heilige Josef offenbar nicht von ihm. Dies stützt frühere Annahmen über die Authentizität des Gemäldes, bei denen das Gesicht des heiligen Josefs als qualitativ minderwertiger im Vergleich zu den anderen Gesichtern bewertet wurde.

Madonna della Rosa von Rafael

Der Großteils des Gemäldes „Madonna della Rosa“ wurde von Raffael selbst gemalt.

Foto: Museo Nacional del Prado, Madrid

Hat ein Schüler Raffaels das Gesicht gemalt?

„Bei der Gesamtanalyse des Gemäldes ‚Madonna della Rosa‘ waren die Ergebnisse zunächst nicht eindeutig“, erklärt Ugail. „Eine detaillierte Untersuchung der einzelnen Bestandteile ergab jedoch, dass bis auf Josephs Gesicht alle Teile des Bildes Raffael zugeschrieben werden können“.

Laut Ugail besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieses Element nicht von Raffael, sondern von Giulio Romano, einem seiner Schüler, stammt. Allerdings sei diese Annahme nicht definitiv. Generell unterstreicht die Entdeckung jedoch, wie moderne Technologien – wie beispielsweise Künstliche Intelligenz – dazu beitragen, die Rätsel klassischer Kunstwerke zu entschlüsseln.

Experten datieren die „Madonna della Rosa“ auf die Jahre 1518 bis 1520. Im 18. Jahrhundert begannen Kunstexperten jedoch zu bezweifeln, dass das gesamte Werk von Raffael stammt. Nun scheint der Beweis gelungen, dass Raffael nicht das komplette Gemälde selbst gemalt hat.

KI soll Kunstexperten unterstützen, nicht ersetzen

Macht Künstliche Intelligenz menschliche Kunstexperten bald überflüssig? Das Forschungsteam, das hinter der Studie steht, betont, dass dies nicht der Fall sein wird. KI wird die Kunstexperten künftig unterstützen, aber keinesfalls ersetzen.

„Es geht nicht darum, dass die KI die Arbeit der Menschen übernimmt“, sagt Ugail. „Der Prozess der Authentifizierung eines Kunstwerks umfasst viele Aspekte, von der Herkunft über die Pigmente bis hin zum Zustand des Werks und so weiter. Diese Art von Software kann jedoch als ein Werkzeug zur Unterstützung dieses Prozesses verwendet werden.“

David G. Stork, außerordentlicher Professor an der Stanford University, ist ein Pionier in der Anwendung von Computer Vision auf Probleme in der Geschichte und Interpretation von Gemälden und Zeichnungen der bildenden Kunst und hat ebenfalls zu den jüngsten Forschungen beigetragen. Er stimmt mit Professor Ugail darin überein, dass diese Art der Analyse ein Werkzeug im Prozess der Authentifizierung eines Kunstwerks ist, das in Verbindung mit traditionellen Methoden eingesetzt werden sollte.

Das war Raffael

Raffaello Sanzio da Urbino, besser bekannt als Raffael, war ein italienischer Maler und Architekt der Hochrenaissance. Er wurde am 6. April oder 28. März 1483 in Urbino geboren und starb am 6. April 1520 in Rom. Raffael erlangte vor allem durch seine harmonischen und ausgewogenen Gemälde und seine anmutigen Mariendarstellungen große Anerkennung.

Er war so berühmt, dass man ihn zu Lebzeiten und auch heute noch oft nur mit seinem Vornamen anspricht, während sein Nachname weniger bekannt ist. Bis ins 19. Jahrhundert wurde er oft als der größte Maler aller Zeiten bezeichnet. Neben seiner erfolgreichen Karriere als Maler in Florenz und am päpstlichen Hof in Rom übernahm Raffael auch wichtige architektonische Aufgaben, darunter die Bauleitung des Petersdoms und die Aufsicht über die römischen Altertümer.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachblatt „Heritage Science“ veröffentlicht.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.