Autonom und sicher 03.09.2025, 13:00 Uhr

DeepL startet mit KI-Agenten: Was kann der neue Kollege?

DeepL startet mit einem autonomen KI-Agenten. Das Tool übernimmt Büroaufgaben, entlastet Teams und setzt auf Datenschutz und Sicherheit.

KI-Agent

DeepL hat einen autonomen KI-Agenten entwickelt, der uns bei vielerlei Aufgaben unterstützen kann.

Foto: Smarterpix / BiancoBlue

DeepL ist vielen von Ihnen als Übersetzungsdienst bekannt. Millionen nutzen das Tool täglich, von Privatpersonen bis zu Behörden. Nun geht das Unternehmen einen Schritt weiter. Mit DeepL Agent bringt das Kölner Start-up einen autonomen KI-Agenten an den Start, der Arbeitsabläufe in Unternehmen automatisieren soll. Das klingt abstrakt, heißt aber: Der Agent tippt, klickt und surft im Browser – fast so, als säße eine unsichtbare Kollegin oder ein unsichtbarer Kollege neben Ihnen.

Was genau ist DeepL Agent?

„Stellen Sie sich einen äußerst effizienten Assistenten vor, der Ihre Anforderungen versteht und Sie bei sämtlichen Aufgaben unterstützen kann“, sagt Stefan Mesken, Chief Scientist bei DeepL. Genau das will DeepL Agent leisten. Er reagiert auf Sprachbefehle, bewegt sich durch digitale Werkzeuge wie Tastatur, Maus und Browser und führt Aufgaben eigenständig aus. Ob Rechnungen prüfen, Dokumente übersetzen oder Marktdaten zusammentragen – all das soll der Agent übernehmen.

Der Clou: Das System lernt aus den Interaktionen. Je öfter Sie es nutzen, desto besser versteht es Ihre Abläufe. Fachleute sprechen hier von kontinuierlichem Training, also einer Anpassung an die Bedürfnisse der Nutzenden.

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Sicherheit steht im Vordergrund

Gerade in Europa spielt Datenschutz eine zentrale Rolle. DeepL betont, dass der Agent die gleichen Sicherheitsstandards erfüllt wie die Übersetzungsplattform. Dazu gehören Verschlüsselung, GDPR-Konformität und eine SOC 2 Typ II-Zertifizierung.

Außerdem lässt sich der Agent jederzeit anhalten. Unternehmen können Abläufe überprüfen und – wenn nötig – Mitarbeitende in den Prozess einbeziehen. Dieses Prinzip nennt sich „Human-in-the-Loop“ und soll verhindern, dass KI-Entscheidungen unkontrolliert laufen.

Beta-Phase mit ausgewählten Kunden

Noch ist DeepL Agent nicht frei verfügbar. Das Unternehmen testet das System aktuell mit Partnern im Rahmen von DeepL AI Labs. In dieser Beta-Phase fließen Rückmeldungen direkt in die Weiterentwicklung ein. Erst danach soll der Agent breiter ausgerollt werden.

Was ist ein KI-Agent?

Ein KI-Agent ist ein digitales Programm, das eigenständig Aufgaben ausführt.
Er versteht Befehle in natürlicher Sprache und setzt diese um – zum Beispiel durch Tippen, Klicken oder Browsen.
Der Agent arbeitet wie ein virtueller Assistent, der Routineaufgaben übernimmt, Daten zusammenträgt und aus Erfahrungen lernt.
Im Unterschied zu klassischen Tools kann er zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln und Arbeitsabläufe selbstständig steuern.

 

Konkurrenzdruck wächst

Mit seinem Übersetzungsdienst konnte DeepL seit der Gründung 2017 Google Translate und andere Größen unter Druck setzen. Heute zählt das Unternehmen rund 1.000 Mitarbeitende, einen Marktwert von rund zwei Milliarden Dollar und über 200.000 Geschäftskunden.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. OpenAI bietet mit ChatGPT längst auch Übersetzungen an. Google und Microsoft bauen ihre KI-Systeme massiv aus. Der Markt für sogenannte agentenbasierte KI zieht Investitionen und Regulierungsfragen gleichermaßen an. DeepL will dabei eine Nische besetzen: präzise, sichere Anwendungen für Unternehmen.

Wo Unternehmen profitieren können

Die Einsatzfelder sind breit. Im Vertrieb kann der Agent Informationen zusammentragen und aufbereiten. In der Finanzabteilung automatisiert er Routinen wie die Prüfung von Rechnungen. Im Marketing oder bei der Lokalisierung übersetzt er Texte und gibt sie zur Freigabe weiter. Die Idee: Wissensarbeitende werden entlastet und haben mehr Zeit für kreative Aufgaben.

Eine Umfrage von DeepL zeigt: 72 % der Führungskräfte wollen 2025 KI in ihre Prozesse integrieren. 25 % davon speziell für Übersetzungstools. DeepL will mit seinem Agenten diesen Bedarf bedienen – und gleichzeitig zeigen, dass KI mehr kann, als nur Wörter in andere Sprachen übertragen.

Fallbeispiele für den Alltag im Job

Schauen wir uns an, wobei der KI-Agent von DeepL im Job helfen könnte:

  • Vertrieb: Eine Vertriebsmitarbeiterin möchte wissen, wie viele potenzielle Kunden im letzten Quartal auf Messen angesprochen wurden. Statt Excel-Tabellen zu durchsuchen, bittet sie den Agenten. Der durchsucht die CRM-Daten, erstellt eine Übersicht und formuliert auf Wunsch sogar eine kurze Präsentation.
  • Finanzen: Ein Mitarbeiter der Buchhaltung muss Rechnungen prüfen. Der Agent liest die PDFs, gleicht Beträge mit den Systemdaten ab und markiert Abweichungen. Der Mensch muss nur noch freigeben.
  • HR/Personalwesen: Eine Personalabteilung möchte offene Bewerbungen vorsortieren. Der Agent scannt Dokumente, sortiert nach Qualifikationen und erstellt eine kurze Zusammenfassung pro Person.
  • Lokalisierung/Marketing: Ein Team möchte eine Produktbroschüre in mehrere Sprachen übertragen. Der Agent übersetzt, prüft Layout und gibt die Dokumente zur Freigabe aus.

Ein Blick nach vorn

„DeepL war schon immer ein Innovationsführer im Bereich KI – angetrieben von unserem Engagement für Spitzenforschung und die Skalierung von KI in Unternehmen weltweit“, sagt Gründer Jaroslaw Kutylowski. Für ihn ist DeepL Agent ein logischer nächster Schritt.

Parallel denkt das Unternehmen größer: Ein Börsengang ist im Gespräch, möglicherweise schon 2026. Mit dem Agenten will DeepL nicht nur den Umsatz steigern, sondern auch ein klares Signal an Investoren senden: KI aus Deutschland kann global mithalten. (mit dpa)

Weitere Informationen und aktuelle Meldungen zum Fortschritt des Agenten sind auf der DeepL AI Labs Plattform unter deepl.com/ai-labs verfügbar.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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