Lego Smart Bricks auf der CES 2026: Miniaturisierung statt Innovation
Als große Neuigkeit von der Consumer Electronic Show (CES) 2026 in Las Vegas präsentiert Lego seinen neuen Smart Brick. Das ist ein kleiner Klemmbaustein mit digitalen Funktionen. Doch so neu ist die Idee nicht. Außerdem lassen die Lego-Entwickler einen wichtigen Aspekt außer Acht.
Das SmartPlay-Konzept, welches Lego auf der CES 2026 präsentiert, erinnert starkt an den Lego-MyBot aus dem Jahr 2000.
Foto: LEGO Group
Die jüngste Innovation von Lego, der „Smart Brick“, bekommt gerade viel mediale Aufmerksamkeit. Er wird als Neuheit auf der Messe CES gefeiert. Technisch hat der Spielzeughersteller aus Dänemark ein kleines Meisterwerk geschaffen. Dem Klemmbaustein-Pionier ist es gelungen, in einen Baustein mit acht Noppen Sensorik, Steuerungselektronik, einen Lautsprecher und zwei LED-Lämpchen zu integrieren. Dadurch wird das Bauelement gegenüber klassischen Steinen lediglich etwas höher. Die ebenfalls integrierte Batterie wird kabellos über eine induktive Ladeplatte aufgeladen.
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Der Baustein ist Teil eines neuen Spielkonzeptes und einer neuen Plattform von Lego. Er ist ein weiterer Schritt, das ursprünglich rein manuelle Spielzeug in eine digitale Welt zu überführen. Dazu haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen laut Hersteller über 20 Patente eingereicht.

Der smarte Baustein: Viel Elektronik steckt in diesem kleinen Element. Ob Klemmbausteine damit für Kinder im digitalen Zeitalter Attraktiver werden, bleibt aber fraglich.
Foto: Das SmartPlay-Konzept, welches Lego auf der CES 2026 präsentiert, erinnert starkt an den Lego-MyBot aus dem Jahr 2000.
Foto: LEGO Group
Der Lego Smart Brick erinnert an den MyBot von aus dem Jahr 2000
Im Kern des smarten Bausteins sitzt ein eigens entwickelter Chip (ASIC). Über kleine Spulen erkennt der Baustein sogenannte Smart-Tags in anderen Bausteinen. Die Tags ähneln RFID-Etiketten mit denen beispielsweise in der Logistik Waren identifiziert werden. Als flache Spulen werden sollche Etiketten im Handel auch zum Diebstahlschutz an Produkte geklebt.
Lego nennt seine Technologie „Neighbour Position Measurement System“ (NPM). Durch die Erkennung der Position benachbarter Steine, weiß der smarte Baustein damit, ob er in einem Auto oder einem anderen Modell verbaut wurde. Danach erzeugt er entsprechende Geräusche und Lichteffekte.

Bereits im Jahr 2000 gab es auf Basis der Lego-Duplo Busteine die Lego-MyBot-Serie vom dänischen Klembausteinspezialisten. Schon damals wurden digitale Funktionen integriert.
Foto: Martin Ciupek
Warum ich das nicht innovativ finde? Ganz einfach: Mit Duplo-Bauelementen, den großen Geschwistern der klassischen Lego-Steine, hat der Hersteller schon vor gut 25 Jahren ähnliche Funktionen realisiert. Der „Action Wheeler“ (LEGO 2916 MyBot) hatte sogar ein Display. Die Funktionsweise war ähnlich. Satt Smart Tags bekam der integrierte Mikrocomputer dabei Funktionscodes über kleine Stifte unter den Bausteinen. Das Flugzeug machte damit andere Geräusche als der Geländewagen oder der Raupenbagger.

Kleine Stifte in den Bausteinen als Codierung für Funktionen. Beim MyBot-Baukasten waren keine smarten electronischen Tags nötig. Der Microcumputer reagierte auf mechanische Schalter.
Foto: Martin Ciupek
Weitere spannende Funktionen lieferten damals bereits ein Gyrometer und ein Lichtsensor. Mit dem Gyrometer wurde der künstliche Horizont auf dem kleinen LCD-Display gesteuert und die Geräusche, z.B. Reifenquietschen in Kurvenbewegungen. Der Lichtsensor simulierte beim Flugzeug einen Abschuss, wenn er per Taschenlampe angeleuchtet wurde.
Die vermeintliche Innovation 2026 besteht also vor allem in der Miniaturisierung. Die wurde wiederum durch die Miniaturisierung der Elektronikkomponenten möglich.
Wird Lego-Spielzeug durch digitale Funktionen im Baustein wirklich attraktiver?
Die eigentliche Frage ist jedoch: Wird das Spielzeug damit wieder attraktiver für Kinder oder entwickelt es sich weiter zum Sammlerstück für Nostalgiker? Denn das ist das eigentliche Problem klassischer Spielzeuge: Durch digitale Spiele, wie das blockartige Minecraft und realitätsnahe Computerspielwelten, verlieren sie in der jungen Zielgruppe immer mehr an Attraktivität.
Ein paar digitale Funktionen in den Bausteinen werden das kaum ändern. Digitale Spiele senden ständig Reize, triggern das Belohnungssystem. Was ist da schon ein Baustein, der blinkt und Geräusche macht?
Der ehemalige Spielzeugbaukasten-Konkurrent Fischertechnik hat das verstanden. Statt in Spielzeugläden sind dessen Bausätze jetzt aber vor allem in Bildungsstätten zu finden. Dort dienen sie als Modelle für die Ausbildung in der Automatisierungstechnik. Der Markt ist zwar kleiner, bietet aber durch die Verbindung zu echten Steuerungsprogrammen mehr Möglichkeiten für innovative Schöpfungen.
Hier hat Lego allerdings einige Fans vergrault. Dabei waren z.B. MindStorm-Roboter in der Technikausbildung sehr beliebt. Sie wurden beispielsweise bei MINT- und Roboterwettbewerben verwendet. Die MindStorm-Spielzeugserie hat Lego 2022 allerdings eingestellt. Als Grund nannte Lego, sich auf andere „Ressourcen und Zukunftspläne“ fokussieren zu wollen. Stattdessen setzte Lego im Bildungsbereich auf das eigene „Build & Code“-Angebot und spezielle „Lego Education Spike-Prime-Sets“. Dabei kommen Software und Bauelemente aus einer Hand. Für das Lehrpersonal in Schulklassen mag das von Vorteil sein. In der Berufsausbildung ist das aber eher ein Nachteil.
Wie werden Klemmbausteine wie Lego wieder als Spielzeug attraktiv?
Wie viele Anbieter mechanischer Produkte hat Lego nicht verstanden, was software-basierte Innovation wirklich bedeutet. Dabei wird das gerade jetzt umso wichtiger. Mechanik bleibt wichtig. Aber die Anreitze kommen durch die aktualität der Software. Deshalb lassen sich Kinder eher von ihrem Smartphone oder Tablett zum spielen anregen, als von Bausteinen in einer Box.
Dabei bleibt es gesellschaftlich wichtig, im Kindesalter manuelles Geschick zu trainieren. Genau dafür sind Klemmbausteine wie Lego hervorragend geeignet. Denn was nutzt uns eine Welt von Computer-Bedienern und Programmieren, wenn die Menschen verlernen, die Mechanik zu montieren. Das gilt bei einer Reparatur natürlich auch für die Demontage.
Was Lego besser machen sollte
Weder Filme mit Lego-Figuren noch smarte Bausteine werden das Interesse an Bausteinen bei Kindern wieder auf das Niveau vor dem digitalen Zeitalter bringen. Stattdessen sollte Lego besser den Motivationsfaktor von Computerspielen nutzen. Vielleicht würden wieder mehr Kinder echte Bausteine in die Hand nehmen, wenn ihnen ihr Smartphone regelmäßig eine Aufgabe stellt.
Wie bei der Sprachlern-App Duolingo könnten beispielsweise Tages- oder Wochenmissionen erfüllt und dann durch Fotos oder Videos dokumentiert werden. Extrapunkte und Wettbewerbe schaffen dabei eine Zusatzmotivation.
Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn Lego nicht zum nostalgischen Sammlerspielzeug wird.
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