Telefonie 13.08.1999, 17:22 Uhr

Computer am ISDN-Telefon erleichtert die Arbeit

Telefonieren im ISDN-Netz ist nicht nur bequem. Wer neben dem Komfort auch auf effektives Arbeiten Wert legt, sollte sein Telefon mit dem PC vernetzen. Die Computer Telephone Integration (CTI) macht“s möglich.

Bakelit

Telefone wurden früher häufig aus Bakelit hergestellt.

Foto: Panthermedia.net/heiko119

Fast alle namhaften Hersteller von Telefonapparaten bieten auch Geräte mit Schnittstelle zum PC an. Im Test standen sieben ISDN-Geräte in der Preisklasse zwischen 300 DM und 500 DM zur Auswahl. Für diese Summe erhält man solide Hardware, die auch beim Dauereinsatz im Büro nicht versagt. Im Mittelpunkt der Test-Wertung stand jedoch nicht allein die Ausstattung der Telefone, sondern auch die jeweils mitgelieferte CTI-Software. Die sogenannte Computer Telephone Integration (CTI) mag Privatanwendern unnötig erscheinen. Sobald der ISDN-Anschluß aber auch beruflich genutzt wird, sind die Vorteile offensichtlich.

Ist das Telefon erst einmal über die serielle Schnittstelle mit dem PC verbunden, kann der Anwender zum Beispiel aus beliebigen Windows-Programmen heraus eine Rufnummer wählen. Der gewünschte Teilnehmer wird lediglich per Mausklick markiert, ein weiterer Tastendruck erledigt die Wahl. Ein- und ausgehende Anrufe protokolliert die Software mit Datum und Uhrzeit. Da auch die Gesprächsdauer einschließlich der angefallenen Gebühr vermerkt wird, gehören Zweifel an der Telefonrechnung der Vergangenheit an.

Den größten Nutzen bietet Kollege Computer allerdings während eines Gesprächs: Ist ein Anrufer in der zuvor angelegten Adreßdatei gespeichert, springt noch vor dem Gesprächsbeginn ein Memo-Fenster auf, in dem man wichtige Angaben zur Person am anderen Ende der Leitung einsehen kann. Mit CTI kann somit der einzelne Heim-Arbeiter ebenso „klug“ sein und fast so effektiv arbeiten wie ein professionelles Call-Center. Keine Frage: Informationen wie „Kunde war beim letzten Gespräch ungehalten“ oder „…hat seine Rechnung noch nicht bezahlt“ verschaffen bei beruflicher Nutzung einen wichtigen Informationsvorsprung.

Selbst die „Wiedervorlage“ eines Telefonanrufs wird von den meisten mitgelieferten Applikationen unterstützt. Im Klartext: Wer unbedingt jemanden erreichen will, speichert einfach den gewünschten Wahl-Zeitpunkt ab. Der Benutzer wird dann automatisch an das noch ausstehende Telefonat erinnert. Das getestete Hagenuk-Gerät unterstützt diese Funktion jedoch nicht.

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Last but not least geht die Konfiguration des ISDN-Telefons via PC wesentlich einfacher von der Hand als mühsam über die Zifferntasten und das kleine Telefon-Display. Auch Telefonbuch-Daten lassen sich über die PC-Tastatur komfortabel anlegen. Ein ärgerliches Manko stellte sich jedoch bei den Telefonen von DFG und der Deutschen Telekom heraus: Beide Geräte verfügen über einen separaten Datenspeicher im Telefon, der nicht vom PC aus eingestellt oder abgeglichen werden kann. Wer nicht ausschließlich mit PC-Unterstützung telefoniert, muß hier also doppelte Datenpflege betreiben.

Trotz der überzeugenden Vorteile einer CTI-Lösung machte der Praxistest auch deutlich, daß der PC längst nicht eine sachkundige Vorzimmerdame ersetzen kann. Zwar verfügt die Software für PC-Telefonie in den meisten Fällen über unzählige Features. Doch von einer intuitiven Bedienung kann keine Rede sein. Vielmehr ist eine ausgiebige Lektüre des Handbuchs zwingende Voraussetzung für den effektiven CTI-Einsatz. Selbst erfahrene PC-Nutzer dürften am Anfang über Ungereimtheiten stolpern.

Einfach gestaltet sich in der Regel das Update, etwa um Fehler im Betriebsprogramm der Telefone zu beheben. Die Anwender können die Firmware problemlos aktualisieren. Die meisten Anbieter – bis auf Hagenuk und Deutsche Telekom – stellen im Internet die jeweils neuesten Updates und Versionen kostenlos zur Verfügung.

Neben einem Windows-Rechner mit mindestens 64 MByte Arbeitsspeicher spielt der Faktor Mensch eine wichtige Rolle. Wer nicht mit eiserner Disziplin seinen Bestand an Adreßdaten pflegt, hat schnell eine wertlose Ansammlung veralteter Dateien vor sich. Wer nicht daran denkt, die Memo „…hat seine Rechnung nicht bezahlt!“ bei Zahlungseingang aus dem Speicher zu löschen, verschafft sich weder Freude noch Freunde.

Mit der Unterstützung aus dem Computerlager wird das Telefon zum komfortablen Heim-Büro. Standardisierte Schnittstellen sorgen für eine nahtlose Verbindung von PC und ISDN-Anlage.

 

Ein Beitrag von:

  • Andreas Biniasch

  • Folker Lück

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