Von Natur inspiriert 15.01.2025, 09:00 Uhr

Diese Fassade steuert die Verschattung wie ein Kiefernzapfen

Was wäre, wenn ein Gebäude seine Verschattung ganz von selbst steuern könnte, ohne elektrische Energie oder komplexe mechanische Systeme? Ein Forschungsteam hat genau das erreicht – und setzt dabei auf ein natürliches, erneuerbares Material.

adaptive Gebäudeverschattung

„Die Natur als Vorbild: Kiefernzapfen und 4D-Druck für adaptive Gebäudeverschattungen.

Foto: ICD/IntCDC/ Universität Stuttgart

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Stuttgart und Freiburg haben ein energieautarkes Fassadensystem entwickelt, das sich automatisch an wechselnde Wetterbedingungen anpasst und zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen und Energieverbrauch in Gebäuden beiträgt. Dabei nutzen sie biobasierte Zellulosematerialien und bioinspirierte 4D-Drucktechnologien, um adaptive Verschattungssysteme zu realisieren. Die Ergebnisse ihrer Forschung wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

„Wetterreaktive, architektonische Fassadensysteme sind meist auf aufwendige technische Vorrichtungen angewiesen. Unsere Forschung untersucht, wie wir die Reaktionsfähigkeit des Materials selbst durch computerbasierte Planungsmethoden und additive Fertigung nutzbar machen können“, erklärt Professor Achim Menges, Leiter des Instituts für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD) und Sprecher des Exzellenzclusters Integratives Computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur (IntCDC) der Universität Stuttgart. „Wir haben ein Verschattungssystem entwickelt, das sich abhängig von den Wetterbedingungen selbstständig öffnet und schließt, ohne dass dafür jegliche Betriebsenergie oder mechatronische Elemente benötigt werden. Die Biomaterialstruktur selbst ist die Maschine.“

Inspiriert wurden die Forschenden von Kiefernzapfen, die sich durch Veränderungen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur öffnen und schließen, ohne Energie zu verbrauchen. Das Team nutzte Standard-3D-Drucker, um die spezielle Zellstruktur von Pflanzen nachzubilden.

Hygromorphe Zellulose im 4D-Druck: Selbstadaptive Verschattung durch Feuchtigkeitsschwankungen

Zellulose, ein natürlicher und reichlich verfügbarer Rohstoff, zeigt in 4D-gedruckten Doppelschichten ein hygromorphes Verhalten, das pflanzliche Bewegungsmechanismen nachahmt. Zellulose quillt und schrumpft bei Feuchtigkeitsschwankungen – eine Eigenschaft, die als Hygromorphie bekannt ist. Diese Reaktion findet sich in der Natur, etwa beim Öffnen und Schließen von Kiefernzapfen oder den Blüten der Silberdistel. Das Forschungsteam nutzte diese Eigenschaft, indem es biobasierte Zellulosefasern speziell anfertigte und im 4D-Druckverfahren zu einer zweischichtigen Struktur formte.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
PhD Position - Techno-economic assessment of geothermal plants with material co-production in energy systems Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mehrprodukte-Betrieb (w/m/d) Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH
Landeshauptstadt Wiesbaden-Firmenlogo
Teamleiter/-in Baugenehmigungsverfahren und Bauüberwachung (w/m/d) Landeshauptstadt Wiesbaden
Wiesbaden Zum Job 
Staatliches Bauamt Nürnberg-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) / Projektbearbeiter (m/w/d) in der Fachrichtung Elektrotechnik Staatliches Bauamt Nürnberg
Nürnberg Zum Job 
ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Ruhrgebiet Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
Betriebsingenieur Offshore (m/w/d) TenneT TSO
Hannover Zum Job 
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main-Firmenlogo
Ingenieur*in Energie, Klimaschutz und Transformation (w/m/d) Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Frankfurt Zum Job 
Oberfinanzdirektion Baden-Württemberg Bundesbau-Firmenlogo
Elektrotechnikingenieur (w/m/d) Oberfinanzdirektion Baden-Württemberg Bundesbau
Freiburg Zum Job 
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
GOLDBECK SOLAR GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) PV-Dachanlagen GOLDBECK SOLAR GmbH
deutschlandweit Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur Maschinenbau & Elektrotechnik (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den konstruktiven Ingenieurbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Rendsburg, Lübeck, Kiel, Itzehoe, Flensburg Zum Job 

Materialsysteme, die im 4D-Druckverfahren hergestellt werden, können ihre Form selbstständig an äußere Einflüsse anpassen. Für das „Solar Gate“ entwickelten die Forschenden eine computergestützte Methode, mit der ein Standard-3D-Drucker Zellulosematerialien so verarbeitet, dass sie sich selbstständig formen und zurückverformen können. Bei hoher Luftfeuchtigkeit nehmen die Materialien Feuchtigkeit auf, dehnen sich aus, und die gedruckten Elemente rollen sich ein und öffnen sich. Sinkt die Luftfeuchtigkeit, geben die Materialien die Feuchtigkeit ab, ziehen sich zusammen, und die Elemente flachen ab und schließen sich.

„Königsweg der Bionik“

Professor Thomas Speck, Leiter der Plant Biomechanics Group Freiburg und Sprecher des Exzellenzclusters „Living, Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems“ (livMatS) der Universität Freiburg, bestätigte, dass das „Solar Gate“ von den hygroskopischen Bewegungen von Kiefernzapfenschuppen und den Hochblättern der Silberdistel inspiriert ist. Es sei gelungen, nicht nur die hohe Funktionalität und Robustheit dieser biologischen Vorbilder in ein bioinspiriertes Verschattungssystem zu übertragen, sondern auch die Ästhetik der pflanzlichen Bewegungen. Dies könne als „Königsweg der Bionik“ betrachtet werden, da alles, was an den biologischen Ideengebern faszinierend sei, auch im bioinspirierten architektonischen Produkt umgesetzt worden sei.

Das ‚Solar Gate‘ als nachhaltige Lösung für die Klimaregulierung von Gebäuden

Das Forschungsteam prüfte ein Jahr lang die Funktion und Haltbarkeit des bioinspirierten Verschattungssystems unter realen Wetterbedingungen. Anschließend wurde das „Solar Gate“ an der livMatS Biomimetic Shell installiert, einem Forschungsgebäude der Universität Freiburg, das vom Exzellenzcluster IntCDC und livMatS entwickelt wurde. Das System ist an einem südlich ausgerichteten Dachfenster angebracht und trägt zur Klimaregulierung des Gebäudes bei. Im Winter öffnen sich die Elemente, um Sonnenlicht hereinzulassen und den Innenraum natürlich zu erwärmen. Im Sommer schließen sie sich, um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren. Diese Prozesse laufen ohne elektrische Energie ab und nutzen ausschließlich die täglichen und saisonalen Wetterveränderungen.

Das „Solar Gate“ bietet eine energieautarke und ressourcenschonende Alternative zu herkömmlichen Verschattungssystemen. Da der Energieverbrauch für Heizung, Kühlung und Lüftung in Gebäuden hoch ist und diese erheblich zu den globalen CO₂-Emissionen beitragen, sind Lösungen zur Senkung des Energiebedarfs besonders wichtig. Das System zeigt das Potenzial kostengünstiger Technologien wie des 3D-Drucks und verdeutlicht, wie Zellulose als nachhaltiges, erneuerbares Material zu umweltfreundlichen architektonischen Lösungen beitragen kann.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.