Spin-Off der Kernfusion 11.06.2026, 17:00 Uhr

Was steckt wirklich in Atommüllfässern? Ein Laser liefert die Antwort

Eigentlich will Focused Energy das erste Laserfusionskraftwerk der Welt bauen. Doch die Technik eröffnet schon jetzt ein neues Geschäftsmodell: Laser, die in Fässer oder Container blicken, ohne sie zu öffnen. Dafür gründet das Start-up nun Sourcelight.

Atommüllfässer im Zwischenlager

Atommüllfässer in einem Zwischenlager: Bei vielen Behältern ist der Inhalt nur lückenhaft dokumentiert.

Foto: picture alliance/dpa/Guido Kircher

Was ist in dem Fass? Bei Hunderttausenden Behältern mit radioaktivem Abfall in Deutschland ist die Antwort erstaunlich oft: Das weiß niemand mehr so genau. Allein aus der maroden Schachtanlage Asse in Niedersachsen müssen rund 125.000 Fässer geborgen werden, deren Inhalt teils nur lückenhaft dokumentiert ist. Öffnen möchte sie niemand. Eine Technik, die von außen hineinschaut, könnte das Problem lösen.

Das Fusionsunternehmen Focused Energy will eine solche Technik nun auf den Markt bringen. Am 10. Juni kündigten die Darmstädter an, ihre lasergetriebenen Strahlungsquellen unter dem Namen Sourcelight in ein eigenes Unternehmen auszugründen. Die Technologie stammt aus der Entwicklung des weltweit ersten Laserfusionskraftwerks, das Focused Energy im südhessischen Biblis bauen will. Doch anders als das Kraftwerk soll die Strahlungsquelle schon sehr bald Umsatz generieren.

Röntgenblick mit Neutronen-Bonus

Hinter dem sperrigen Kürzel LDRS (Laser-Driven Radiation Sources) steckt folgendes Prinzip:

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Lürssen Werft Rendsburg GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Objektingenieur (m/w/d) / Leitender Fertigungsingenieur Lürssen Werft Rendsburg GmbH & Co. KG
Schacht-Audorf Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur / Maschinenbautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen- & Anlagenbau Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
Landkreis Grafschaft Bentheim-Firmenlogo
Bauingenieur*in der Fachrichtung Straßenbau / Verkehrswesen / Straßenplanung oder vergleichbar Landkreis Grafschaft Bentheim
Nordhorn Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Kommunikation und Moderation (50%) (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Technische Mechanik und Systemsimulation (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Zellulare Energiesysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
W2-Professur Integrierte Sensorsysteme (m/w/d) Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Hochschule Kaiserslautern-Firmenlogo
Professur Automatisierungstechnik Hochschule Kaiserslautern
Kaiserslautern Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Hochbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Sachbearbeiter Bereich Wasserwirtschaft (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt-Mittelhausen Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Planungsingenieur (m/w/d) für Siedlungswasserwirtschaft WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
Donauwörth, München-Ost (Grasbrunn), München-West (Planegg), Pfaffenhofen an der Ilm Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
HSE Manager Baustellen & Infrastrukturprojekte (m/w/d) TenneT
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Tiefbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur Wasserbau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt, Meiningen, Neustadt an der Orla, Sondershausen Zum Job 
Handtmann Reutlingen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur / Electrical Design Engineer (m/w/d) EPLAN P8 Handtmann Reutlingen GmbH
Reutlingen Zum Job 
  • Hochintensive Laserpulse treffen auf ein speziell präpariertes Materialstück, das sogenannte „Target“.
  • Dabei erzeugen sie sowohl hochenergetische Röntgenstrahlung als auch schnelle Neutronen.

Diese Doppelung ist entscheidend: Werden die beiden Energieflüsse auf ein Objekt wie zum Beispiel Container gerichtet, machen sie sichtbar, was drin ist:

  • Die Röntgenstrahlung zeigt, wie dicht ein Material ist und welche Strukturen sich in einem Objekt verbergen.
  • Neutronen verraten zusätzlich, aus welchen Atomen etwas besteht. Denn bestimmte Materialien absorbieren Neutronen, die im fertigen Bild fehlen.
Blick in Laseroptik
Blick in die Strahlführung: Hochintensive Laserpulse erzeugen Röntgenstrahlung und Neutronen zugleich. Bild: Focused Energy

Neu ist das Prinzip nicht. Bislang brauchte man für solche Analysen allerdings große Beschleunigeranlagen in Forschungszentren. Die lasergetriebenen Quellen aus Hessen sollen hingegen so kompakt werden, dass sie in einen mobilen Container passen. Wie heftig die Wechselwirkung zwischen Hochleistungslaser und Materie abläuft, haben Forschende des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf kürzlich erstmals im Detail gefilmt.

Erster Einsatz: Atommüllfässer in Biblis

Das erste Anwendungsfeld liegt für Focused Energy buchstäblich vor der Haustür. In Biblis, auf dem Gelände des Kernkraftwerks im Rückbau, soll der erste industrielle Prototyp der Technologie entstehen. Dort will das Unternehmen alte Atommüllfässer durchleuchten, ihren Inhalt bestimmen und Risse aufspüren.

Die Technik kann nach Angaben von Focused Energy-Wissenschaftschef Markus Roth sogar den Anreicherungsgrad von Uran messen – „das geht mit keiner anderen Technologie“, sagte er der Wirtschaftswoche. Für die Endlagersuche und die Räumung von Zwischenlagern wie der Asse wäre das ein erheblicher Fortschritt: Bevor Fässer etwa in den Schacht Konrad eingelagert werden dürfen, muss ihr Inhalt qualifiziert werden. Heute ist das ein langwieriges Verfahren.

Waschpulver oder Kokain?

Das zweite Einsatzfeld der Technologie sind Häfen. Weltweit werden jährlich Hunderte Millionen Container verschifft, von denen nur ein Bruchteil geöffnet und kontrolliert wird. Klassische Röntgenscanner erkennen zwar Umrisse und Dichten, scheitern aber oft an der Frage, was genau eigentlich durchleuchtet wird.

Die Kombination aus Röntgen- und Neutronenstrahlung soll bald genau das leisten. „Waschpulver oder Kokain? Spirituosen mit 40 oder 60 % Alkoholgehalt? Das können wir alles feststellen“, sagte Roth der Wirtschaftswoche.

Als weitere Anwendungsfelder nennt Focused Energy in einer Pressemitteilung vom 10. Juni die „industrielle Qualitätssicherung“ und die „zerstörungsfreie Prüfung sicherheitskritischer Komponenten“ als Märkte.

Geld verdienen, bevor das Kraftwerk steht

Für Focused Energy hat die Ausgründung auch eine strategische Logik. Bis das Laserfusionskraftwerk in Biblis steht – geplant ist die Demonstrationsanlage für Mitte der 2030er-Jahre –, vergehen noch Jahre, in denen das Unternehmen vor allem Geld ausgibt. Die Inspektionstechnik könnte früher Erlöse liefern und so die teure Fusionsentwicklung mitfinanzieren.

Die technologischen Wurzeln reichen bis zu Roths Arbeiten zur lasergetriebenen Teilchenbeschleunigung in den frühen 2010er-Jahren zurück; seit 2024 treibt das Verbundprojekt „Planet“ die industrielle Ausrichtung voran. Das Unternehmen selbst vergleicht den Effekt mit dem Apollo-Programm, das Technologien weit über die Mondlandung hinaus hervorbrachte. „Entlang dieser Entwicklung entstehen Technologien, die schon früher konkrete industrielle Wirkung entfalten können“, sagt CEO Thomas Forner.

Erst am 27. Mai hatte Focused Energy mit 240 Mio. $ die nach eigenen Angaben bislang größte Serie-A-Finanzierung der Fusionsbranche abgeschlossen und war damit zum wertvollsten Fusionsunternehmen Europas aufgestiegen (wie das Geld in Biblis investiert wird und wie das Laserfusionskraftwerk funktioniert, lesen Sie hier). Die Ausgründung Sourcelight könnte bald zeigen, dass die deutsche Wette auf die Kernfusion auch dann Wertschöpfung abwirft, wenn das eigentliche Kraftwerk noch Zukunftsmusik ist.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Media.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.