Reicht unser Gas für den Winter? 10.10.2025, 13:30 Uhr

Uniper schlägt Alarm: wirtschaftlicher Betrieb von Gasspeichern gefährdet

Uniper fordert bessere Anreize für den Betrieb von Gasspeichern. Das Unternehmen verweist auf die volkswirtschaftlichen Effekte sowie die Versorgungssicherheit.

Erdgasspeicher Bierwang im Landkreis Muehldorf am Inn .

Der Energiekonzern Uniper warnt davor, dass die derzeit geltenden Regeln für Gasspeicher unter dem Gesichtspunkt der Resilienz auch volkswirtschaftliche Nachteile haben. Das Bild zeigt den Erdgasspeicher Bierwang im Landkreis Muehldorf am Inn, den Uniper betreibt. Ein Arbeiter schliesst ein Ventil.

Foto: picture alliance / SVEN SIMON/Frank Hoermann

Gasspeicher sind für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und die Stabilisierung der Energiemärkte von zentraler Bedeutung. Doch die Gasversorgungskrise infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat das Geschäftsmodell für den Betrieb der Speicher in Deutschland kräftig durcheinandergewirbelt.

Früher kauften Gashändler im Sommer billiges Gas ein, um es einzulagern, und verkauften es dann im Winter zu höheren Marktpreisen. Die Gewinnmargen der Händler sicherten zugleich die Renditen der Gasspeicherbetreiber.

Derzeitige gesetzliche Regulierung mit Bumerangeffekten

Diese deutlichen saisonalen Gaspreisschwankungen zwischen Sommer und Winter gibt es jedoch nicht mehr. Der Markt ist durch den Wegfall der bisherigen Abhängigkeit von günstigem russischem Gas deutlich komplexer geworden. Die Beschaffungskosten sind höher und die Gaspreise sind derzeit etwa doppelt so hoch wie vor der Ukraine-Krise.

Hinzu kommen die Auswirkungen der von der Bundesregierung im Jahr 2022 zur Krisenintervention beschlossenen verbindlichen Füllstände für Gasspeicher zu bestimmten Terminen, um die Versorgung zu sichern. Laut Einschätzung von Experten verdrängen diese zusätzlich kommerzielle Einspeicherungen von Gas im Sommer, da die Händler warten, bis die Speicher zu fixen Terminen befüllt werden müssen – koste es, was es wolle.

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Lesen Sie, welche Gasspeicher es gibt und wie sie funktioneren.

Geplante Stilllegung des Speichers Breitbrunn

Uniper, der größte Gasspeicherbetreiber Deutschlands, zieht nun die Konsequenzen und läutet die Alarmglocke. Am 2. Oktober beantragte das Unternehmen aufgrund der unzureichenden Erlössituation bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) die Stilllegung seines Erdgasspeichers im bayerischen Breitbrunn mit einer Arbeitsgaskapazität von 11,5 TWh zum 31. März 2027. Die Anlage ist der drittgrößte Gasspeicher Deutschlands.

Bereits seit etlichen Monaten fordert Uniper-CEO Michael Lewis ein anderes Marktdesign für den Gasspeicherbetrieb in Deutschland, um auskömmliche Erlöse zu sichern. „Die Versorgungssicherheit ist kein Selbstläufer”, betonte Lewis gestern (09. Oktober) auch bei einer Veranstaltung des Unternehmens im Deutschen Bundestag. Die Politik sei gefordert, die richtigen Anreize für die Gasspeicherbefüllung zu schaffen, mahnte er. Derzeit sind die deutschen Erdgasspeicher laut Angaben der BNetzA zu 76 % gefüllt.

Studie zeigt die volkswirtschaftliche Bedeutung

Technische Anlagen, die für die Einlagerung von Erdgas in Kavernen genutzt werden, stehen auf dem Gelände der Speicherstation Etzel ESE, deren technischer Betreiber die Uniper Energy Storage GmbH ist.

Foto: picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich

Um die volkswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Gasspeicher in Zeiten zunehmender internationaler Unsicherheit zu unterstreichen, präsentierte Uniper eine aktuelle Auftragsstudie von Frontier Economics. Eine Analyse verschiedener Szenarien zeigt, wie stark sich der Füllstand der Gasspeicher auf die wirtschaftliche Stabilität Deutschlands auswirken kann. Ein außergewöhnlich kalter Winter oder eingeschränkte Gaslieferungen im Winter 2025/26 könnten die deutsche Wirtschaft schwer belasten.

Bei einer Speicherfüllung von 75 % in Nordwesteuropa drohten volkswirtschaftliche Schäden von rund 40 Mrd. €, bei einer Füllung von 90 % würden sie auf 14 Mrd. € sinken – ein Unterschied von 25 Mrd. €, der über Stabilität oder Rezession entscheiden kann, so die Studie. Bereits ein Winter, der nur 2,2 °C kälter als das Klimanormal ausfällt (wie 2010), würde genügen, um ein solches Stressszenario auszulösen.

„Die Studienergebnisse sollten eine Warnung sein: Ohne volle Speicher ist Deutschland verwundbar. Es geht nicht nur um technische Versorgungssicherheit, sondern um den Kern der deutschen Volkswirtschaft. Wenn Gaslieferungen ausbleiben oder der Winter unerwartet kalt wird, können volle Speicher Rezessionen mindern, Preise stabilisieren und sind damit ein Schutzschild für die deutsche Wirtschaft“, sagte Lewis.

Geeigneten Rahmen für Speicherbetrieb schaffen

BDEW-Chefin Kerstin Andreae sieht die Situation etwas entspannter. „Ich glaube, dass wir gut durch den nächsten Winter kommen”, sagte sie bei einer Paneldiskussion. Sie plädierte jedoch dafür, die 2027 auslaufenden gesetzlichen Füllstandvorgaben für die Gasspeicher als Chance zu nutzen, um eine geeignete andere Regelung für einen ausreichenden Speicherbetrieb zu schaffen.

„Mit diesem Prozess müssen wir jetzt anfangen“, unterstrich Andreae. Im Mittelpunkt müssten dabei sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Kosten stehen. Dies betonten auch Alexander Lücke, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), sowie Andreas Lenz, wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Auch wegen der im Gegensatz zu früher vorhandenen LNG-Terminals geben Experten derzeit Entwarnung.

Ein Beitrag von:

  • Hans-Christoph Neidlein

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