Strom aus Druckluft 12.01.2026, 09:30 Uhr

Tesla-Turbine 2.0: Gefährliche statische Ladung sinnvoll nutzen

Strom aus Druckluft: Forschende nutzen das Tesla-Prinzip, um gefährliche statische Ladung in Energie zu wandeln. Ideal für industrielle IoT-Sensoren.

Tesla-Turbine

Nikola Tesla hat sich im Jahr 1909 solch eine schaufellose Turbine patentieren lassen. Das gleich Prinzip nutzen Forschende nun, um Strom aus Druckluft herzustellen.

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com/SOPA Images | Atilano Garcia

In fast jedem Industriebetrieb gehört sie zum Alltag: Druckluft. Sie treibt in Montagehallen Roboterarme an. Sie bewegt Werkzeuge in Kfz-Werkstätten. Sie steuert hochkomplexe automatisierte Systeme. Doch hinter dieser unsichtbaren Kraft verbirgt sich ein physikalisches Problem. Wenn Luft mit hoher Geschwindigkeit durch Rohre strömt, führt das zu massiven statischen Aufladungen. Ein internationales Team aus Forschenden hat nun eine Lösung gefunden. Sie nutzen ein altes Prinzip von Nikola Tesla, um aus dieser Gefahr Strom zu gewinnen.

Die versteckte Gefahr in der Leitung

Druckluft ist niemals völlig rein. In den Luftströmen schweben winzige Staubpartikel und Wassermoleküle. Bewegen sich diese Teilchen schnell, kollidieren sie ständig mit den Wänden der Rohre oder Gehäuse. Dabei passiert etwas, das jeder aus dem Alltag kennt. Es ist derselbe Effekt, der einen Luftballon an der Wand haften lässt, wenn man ihn zuvor an den Haaren reibt. In der Fachwelt heißt das triboelektrischer Effekt oder Reibungselektrizität.

In einer Fabrik sind die Ausmaße jedoch andere als im Kinderzimmer. Die Aufladungen erreichen oft Potenziale von mehreren tausend Volt. Das ist riskant. Ein einziger Funke kann brennbaren Staub entzünden. Plötzliche Entladungen zerstören oft empfindliche Mikroelektronik. Zudem stören statische Felder die Präzision in der Fertigung. Bisher versuchten Fachleute, dieses Problem durch Erdung zu neutralisieren. Die Energie wurde also einfach abgeleitet und verschwendet.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Stadtwerke Rastatt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Bauingenieur oder Versorgungsingenieur Stadtwerke Rastatt GmbH
Rastatt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Bauwerksprüfer (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Projektingenieure / Projektleiter Gebäude- / Versorgungstechnik (m/w/d) Werner Sobek AG
Frankfurt, Stuttgart, Weinheim, Mannheim Zum Job 
LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur:in oder Bachelor of Engineering (FH) der Fachrichtung Nachrichtentechnik (m/w/d) LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen
Lippstadt, Warstein Zum Job 
HOERBIGER Flow Control GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (w/m/d) HOERBIGER Flow Control GmbH
Altenstadt Zum Job 
Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Technik (m/w/d) Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH
Wolfenbüttel Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Electrical Automation Engineer (m/w/d) - R&D Department Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Hochbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Planungsingenieur (m/w/d) für Siedlungswasserwirtschaft WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
Donauwörth, München-Ost (Grasbrunn), München-West (Planegg), Pfaffenhofen an der Ilm Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Sachbearbeiter Bereich Wasserwirtschaft (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt-Mittelhausen Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Tiefbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
HSE Manager Baustellen & Infrastrukturprojekte (m/w/d) TenneT
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur Wasserbau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt, Meiningen, Neustadt an der Orla, Sondershausen Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Handtmann Reutlingen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur / Electrical Design Engineer (m/w/d) EPLAN P8 Handtmann Reutlingen GmbH
Reutlingen Zum Job 

Nikola Teslas Erbe neu gedacht

Frühere Versuche, diese Energie zu nutzen, waren wenig erfolgreich. Oft mussten Forschende künstlich Partikel wie Sand oder Kunststoffkügelchen hinzufügen. Das ist in einer sauberen Industrieumgebung kaum praktikabel. Die Leistungen blieben minimal. Ein Team der Chung-Ang University, des MIT und weiterer Institute wählte einen eleganteren Weg. Die Forschenden ließen sich von der Tesla-Turbine inspirieren.

Diese Turbine wurde bereits 1913 von Nikola Tesla patentiert. Im Gegensatz zu normalen Windrädern oder Turbinen besitzt sie keine Schaufelblätter. Sie besteht aus glatten, eng beieinander liegenden Scheiben. Die Luft strömt nicht gegen einen Widerstand, sondern haftet an den Oberflächen. Durch die Reibung überträgt sie ihren Impuls und versetzt die Scheiben in Rotation. Die Forschenden kombinierten dieses Design mit modernen Materialien.

Reibung wird zu Rotation

Das neue Gerät nutzt ein Gehäuse aus Acryl und ein System aus rotierenden Scheiben. Die Konstruktion kommt ohne klassische Turbinenblätter aus. Gewöhnliche Druckluft strömt in das Innere und erzeugt einen Wirbel. Die Geschwindigkeit erreicht dabei bis zu 300 m/s. Schon bei einem geringen Druck von 0,2 MPa dreht sich der Rotor mit 8472 Umdrehungen pro Minute.

Der Clou liegt in der Materialwahl. Die Forschenden beschichteten die Flächen mit Teflon und Nylon. In der triboelektrischen Reihe stehen diese Materialien an entgegengesetzten Enden. Wenn die natürlichen Staub- und Wasserteilchen der Druckluft auf die Oberflächen treffen, geben sie Ladungen ab. Teflon lädt sich negativ auf, Nylon positiv. So entsteht ein starkes elektrisches Feld im Inneren der Turbine.

Stromerzeugung ohne Berührung

Die eigentliche Stromgewinnung erfolgt kontaktlos. Im Gerät befinden sich Kupferelektroden. Diese berühren die geladenen Oberflächen zu keinem Zeitpunkt. Wenn sich die geladenen Scheiben an den Elektroden vorbeidrehen, beeinflussen sie die Elektronen im Kupfer. Man spricht hier von Influenz oder Induktion.

Sobald das elektrische Feld eine Stärke von 3 kV/mm überschreitet, wird die Luft zwischen den Bauteilen ionisiert. Es kommt zu einer kontrollierten elektrostatischen Entladung. Dieser Mechanismus nutzt den sogenannten Elektronenlawinen-Effekt. Dadurch entstehen kurze, aber sehr kräftige Stromspitzen. Das Team erreichte in Tests eine Spitzenleistung von 800 V und 2,5 A. Das ist deutlich mehr, als bisherige Ansätze lieferten.

Doppelte Funktion für die Industrie

Die Neuentwicklung löst zwei Probleme gleichzeitig. Erstens liefert sie eine nutzbare Leistung von etwa 0,99 W bei einem Widerstand von 100 Ω. Damit lassen sich Sensoren oder kleine elektronische Bauteile direkt an der Druckluftleitung betreiben. In Tests versorgte das System 1000 LEDs und vier handelsübliche Lampen mit Strom. Auch ein Messgerät für Temperatur und Feuchtigkeit lief problemlos mit der gewonnenen Energie.

Zweitens verbessert das Gerät die Sicherheit. Durch die hohe Spannung entstehen negative Ionen. Diese werden in den Luftstrom abgegeben. Sie treffen dort auf geladene Staubpartikel und neutralisieren diese. Die Gefahr von unkontrollierten Funken sinkt drastisch. In Versuchen konnten die Forschenden so die Partikelentfernung um den Faktor 1,56 steigern. Auch die Abscheidung von Feuchtigkeit funktionierte doppelt so effizient wie ohne das System.

Langlebig und wartungsarm

Ein wichtiger Aspekt für Ingenieurinnen und Ingenieure ist die Haltbarkeit. Da die Elektroden die rotierenden Teile nicht berühren, gibt es kaum mechanischen Verschleiß. Die Forschenden testeten das System über fünf Tage im Dauerbetrieb. Die Leistung blieb stabil bei etwa 700 V. Selbst nach 10.000 Sekunden Betriebsdauer zeigten die Oberflächen aus Kupfer und Polymer keine signifikanten Schäden.

Dieses Projekt zeigt, dass industrielle Abfallprodukte wie statische Aufladung wertvolle Ressourcen sind. Anstatt Energie mühsam zu erden, kann sie nun direkt vor Ort genutzt werden. Die Integration in bestehende Druckluftsysteme scheint plausibel. Was früher ein lästiges Sicherheitsrisiko war, könnte in Zukunft die Stromversorgung für das Internet der Dinge (IoT) in Fabriken sicherstellen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.