Kreislaufwirtschaft 28.04.2026, 08:13 Uhr

In nur 1 Minute: So schnell lassen sich Batterien jetzt recyceln

Neues Verfahren löst Batteriemetalle in nur 1 Minute. Weniger Energie, kürzere Prozesse – aber noch im Labormaßstab.

Simon M. King

Simon M. King, Student im zweiten Studienjahr im Fach Chemie- und Biomolekulartechnik und Erstautor der Studie.

Foto: Jorge Vidal/Rice University

Die Mengen an Lithium-Ionen-Batterien steigen weltweit. Gleichzeitig bleibt ihr Recycling technisch aufwendig. Viele Verfahren benötigen hohe Temperaturen, aggressive Chemikalien und viel Zeit. Genau hier setzt eine neue Studie an: Forschende der Rice University zeigen, wie sich zentrale Batteriemetalle deutlich schneller aus Altmaterial lösen lassen.

Wo das Problem heute liegt

Lithium-Ionen-Batterien enthalten Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan. Diese Materialien sind teuer und nur begrenzt verfügbar. Trotzdem wird ein Teil davon beim Recycling bisher nicht vollständig zurückgewonnen.

Ein Grund liegt im Prozess selbst. Häufig kommen sogenannte hydrometallurgische Verfahren zum Einsatz. Dabei werden Metalle aus der sogenannten „Black Mass“ – also dem zerkleinerten Batterie-Innenmaterial – herausgelöst. Das funktioniert grundsätzlich gut, ist aber oft langsam und energieintensiv.

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Wasserbasierte Chemie statt aufwendiger Prozesse

Das Team aus den USA verfolgt einen anderen Ansatz. Statt komplexer organischer Lösungsmittel setzen die Forschenden auf wasserbasierte Lösungen mit sogenannten Aminochloriden. Diese Stoffklasse übernimmt die Aufgabe, Metalle aus dem Material zu lösen.

Im Zentrum steht Hydroxylammoniumchlorid. Diese Verbindung wirkt als Laugungsmittel, also als chemisches Medium, das Metallionen aus dem Feststoff in Lösung überführt. Der entscheidende Unterschied: Der Prozess läuft bei Raumtemperatur ab.

„Wir haben gezeigt, dass man mit einem einfachen, wasserbasierten System eine schnelle und effiziente Metallrückgewinnung erreichen kann“, sagt Erstautor Simon M. King.

65 % in der ersten Minute

Die Versuchsdaten zeigen, wie schnell der Prozess tatsächlich abläuft:

  • rund 65 % der wichtigsten Batteriemetalle werden innerhalb der ersten Minute gelöst
  • über 75 % sind nach etwas längerer Reaktionszeit erreichbar
  • hohe Temperaturen sind nicht notwendig

Diese Zeitdimension ist relevant. In klassischen Prozessen dauert allein die Laugung oft deutlich länger. Zeit wirkt sich direkt auf Durchsatz und Kosten aus.

Warum die Reaktion schneller läuft

Die Geschwindigkeit hängt nicht nur am Lösungsmittel selbst. Entscheidend ist die chemische Struktur des eingesetzten Stoffes.

Die Forschenden konnten zeigen, dass ein reaktives Stickstoffzentrum im Hydroxylammoniumchlorid aktiv an der Reaktion beteiligt ist. Es fungiert als Redoxpartner und erleichtert die Metallauflösung.

„Die schnelle Metallauflösung ist zwar interessant, aber entscheidend sind die zugrunde liegenden chemischen Eigenschaften“, sagt Sohini Bhattacharyya.

Hinzu kommt ein physikalischer Effekt: Wasserbasierte Systeme sind weniger viskos als viele alternative Lösungsmittel. Das verbessert den Stofftransport. Reaktionspartner treffen schneller aufeinander, die Prozesse laufen effizienter ab.

Technische Einordnung: Vorteile und Grenzen

Das Verfahren setzt genau an den Schwachstellen an, die das Batterierecycling bislang bremsen. Es kommt ohne hohe Temperaturen aus und senkt damit den Energiebedarf deutlich. Gleichzeitig nutzt es ein vergleichsweise einfaches, wasserbasiertes Lösungssystem. Das reduziert den Einsatz komplexer oder problematischer Chemikalien und kann die Umweltbelastung verringern. Hinzu kommt die kurze Reaktionszeit: Wenn sich Metalle bereits nach wenigen Minuten lösen lassen, steigt der potenzielle Durchsatz – ein zentraler Faktor für die industrielle Praxis.

„Ein großer Vorteil ist, dass das System unter milden Bedingungen funktioniert“, sagt Pulickel Ajayan. „Das kann die Skalierung vereinfachen.“

Allerdings bleibt die Studie ein Labornachweis. Bis zur industriellen Anwendung ist es noch ein weiter Weg. Das Verfahren muss zunächst auf größere Materialmengen übertragen werden. Zudem stellt sich die Frage, wie sich der Ansatz in bestehende Recyclingketten integrieren lässt. Entscheidend wird auch sein, ob sich das Verfahren im Dauerbetrieb wirtschaftlich rechnet – also unter realen Bedingungen mit kontinuierlichem Materialfluss, variierenden Eingangsstoffen und stabiler Prozessführung.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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