Kältewelle in Deutschland: Diese LNG-Terminals liefern gerade Rekordmengen
Mitten im Kältewinter liefern Deutschlands LNG-Terminals Rekordmengen. Welche es gibt, wie viel sie einspeisen und welche Entwicklungen 2026 geplant sind.
In Deutschland sind aktuell drei LNG-Terminals aktiv - so wie dieses in Mukran. Ein viertes Terminal steht still, ein fünftes ist in Planung.
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Schnee und Frost halten Deutschland in Atem, doch die Gasversorgung steht. Das ist auch den LNG-Terminals an Nord- und Ostsee zu verdanken: 2025 haben sie so viel Flüssigerdgas importiert wie nie zuvor. Wir zeigen, welche Terminals es gibt, wie viel sie liefern und welche Entwicklungen ihre Betreiber für 2026 planen.
Inhaltsverzeichnis
- Importe auf Rekordniveau
- Wo befinden sich die LNG-Terminals in Deutschland?
- Wilhelmshaven: Der Pionier
- Brunsbüttel: Der kleine Bruder an der Nordsee
- Mukran auf Rügen: Umstrittenes Großprojekt an der Ostsee
- Stade: Vom FSRU zum Energie-Hub
- Lubmin: Vom Vorreiter zum Stillstand
- Weltmarktpreise und Wirtschaftlichkeit
- Fazit: LNG-Terminals als Pufferlösung mit Zukunftspotenzial
Importe auf Rekordniveau
Der Bau der LNG-Terminals im Jahr 2022 zahlt sich nun wieder aus: 106 TWh Erdgas haben Deutschlands Terminals im Jahr 2025 ins Netz eingespeist – ein neuer Rekord. Nach vorläufigen Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA) entspricht das 10,3 % der gesamten Gasimporte, nach 8 % im Vorjahr. Zum Vergleich: 2024 waren es noch 69 TWh.
Die Terminals spielen damit eine immer wichtigere Rolle für die deutsche Energieversorgung. Denn sie ermöglichen einen flexiblen Zustrom von Erdgas und können Schwankungen bei Pipeline-Importen aus Norwegen und den Niederlanden ausgleichen. Gerade in der aktuellen Kältewelle zeigt sich, wie wertvoll das sein kann. Das Terminal in Mukran auf Rügen ist beispielsweise seit Beginn der Heizperiode im Oktober voll ausgelastet.
Wo befinden sich die LNG-Terminals in Deutschland?
Die deutschen LNG-Terminals basieren derzeit auf sogenannten FSRUs (Floating Storage and Regasification Units). Hier landet das flüssige Erdgas an, um regasifiziert und via Pipeline ins Inland transportiert zu werden. Diese Stationen sind schneller zu installieren als stationäre Terminals und verursachen geringere Kosten. Der Nachteil: FSRUs verfügen nicht über dasselbe Volumen wie LNG-Terminals auf dem Festland.
Die deutschen FSRUs wurden nach dem Wegfall der russischen Gaslieferungen in Rekordzeit in Betrieb genommen. Verantwortlich für den Betrieb der Terminalstandorte Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Stade ist die staatliche Deutsche Energy Terminal GmbH (DET). Sie speiste 2025 rund 79 TWh ein – das entspricht rechnerisch dem Jahresverbrauch von mehr als 5,6 Mio. Vierpersonenhaushalten. Den Standort Mukran betreibt die private Deutsche Regas, die weitere 26,5 TWh beisteuerte.
Ein Grund für die gestiegenen Importe: Seit dem Auslaufen russischer Transportverträge nach Österreich zum 1. Januar 2025 ist Deutschland wieder eine Drehscheibe für Gasimporte geworden. „Das heißt, dass gerade Österreich, Tschechien, die Schweiz und zum Teil auch Ungarn, die Slowakei und Slowenien über Deutschland versorgt werden“, erklärt der Gasexperte Sebastian Gulbis vom Beratungsunternehmen Enervis der dpa. „Wir sind wieder ein deutlich wichtigeres Transitland geworden.“
Wilhelmshaven: Der Pionier
Das Terminal Wilhelmshaven 1 markierte im Dezember 2022 Deutschlands Einstieg in den LNG-Import. Herzstück der Anlage ist die FSRU Höegh Esperanza, ein Spezialschiff mit 294 m Länge und einer Ladekapazität von 170.000 m³ LNG.
Die jährliche Regasifizierungskapazität liegt bei bis zu 4,7 Mrd. m³ Erdgas, etwa 50 TWh. Nach erfolgreicher Schlussabnahme wurde das Terminal im März 2023 in den Regelbetrieb überführt. Betreiber ist Uniper im Auftrag der DET. Bis Sommer 2025 hatte Wilhelmshaven bereits den 100. LNG-Tanker empfangen und etwa 100 TWh Erdgas in das deutsche Netz eingespeist.
Schwankende Auslastung
Die Auslastung des Terminals war zunächst hoch. Indes unterlag sie immer den Schwankungen des Energiemarktes.
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2023 lag die durchschnittliche Auslastung bei 81 %,
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2024 sank sie auf 64 %. Darin spiegeln sich die entspannte Versorgungslage sowie gut gefüllte Speicher.
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2025 lag die Nutzung bei rund 80 %, wobei die verfügbare Kapazität zeitweise auf 40 % der vollen Leistung gedrosselt wurde. Die Drosselung war Unipers Reaktion auf eine sinkende Nachfrage: die Alternative wäre ein Stillstand gewesen.
Wilhelmshaven 2 und Zukunftsperspektiven
Ende August 2025 ging vor Wilhelmshaven ein zweites LNG-Terminal in Betrieb: Wilhelmshaven 2. Die zugehörige FSRU Excelsior speist bis zu 4,6 Mrd. m³ Erdgas jährlich ins deutsche Gasnetz ein. Das entspricht dem Verbrauch von rund 1,5 Mio. Vierpersonenhaushalten im Mehrfamilienhaus.
Mittlerweile bilden die beiden FSRUs vor Wilhelmshaven zusammen mit Brunsbüttel das wichtigste Standbein der deutschen LNG-Versorgung: Im dritten Quartal 2025 kamen laut BNetzA 33 der insgesamt 35 TWh LNG-Importe über die Nordsee-Terminals. Auch Gulbis bezeichnete gegenüber der dpa den Kapazitätsausbau in Wilhelmshaven als einen Hauptgrund für die höheren LNG-Importe im dritten Quartal.
Umfangreiche Investitionen zeigen, dass der Standort vor weiteren spannenden Entwicklungen steht: Über Unternehmen wie Tree Energy Solutions und Uniper könnten hier bald auch große Mengen Wasserstoff in Form von synthetischem Methan (SNG) und grünem Ammoniak anlanden.

LNG-Terminal Brunsbüttel.
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Brunsbüttel: Der kleine Bruder an der Nordsee
Das LNG-Terminal Brunsbüttel liegt strategisch günstig am Schnittpunkt von Elbe und Nord-Ostsee-Kanal. Im Februar 2023 startete es seinen Betrieb.
Im Einsatz ist die FSRU Höegh Gannet, ein baugleiches Schwesterschiff der Höegh Esperanza. Der Betreiber des Standorts ist die deutsche Tochter der niederländischen Gasunie, wobei der Betrieb auch hier im Auftrag der DET erfolgt. Nach einer zweimonatigen Wartungsphase ging die Höegh Gannet im November 2025 wieder ans Netz.
Auslastung
Das Brunsbütteler Terminal war bereits Gegenstand heftiger Kontroversen. Vor seinem Bau gab es Proteste von Umweltschützern; heute wird diskutiert, wie stark es wirklich ausgelastet ist. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nahm die eingespeiste Gasmenge im Jahr 2024 von 1,4 Mrd. m³ auf 2,2 Mrd. m³ deutlich zu, allerdings variieren die Angaben zur Auslastung.
Offiziell nannte die DET eine Durchschnittsauslastung von 68 %. Kritiker wie die DUH merken an, dass diese Angabe auf einer Drosselung der Gesamtkapazität beruhe – die reale Auslastung liege demnach eher bei 49 %. Anfang 2025 zeigte der Standort nach Angaben des Global LNG Hub aber eine Auslastung von rund 80 % der Gesamtkapazität. Dies deutet darauf hin, dass die Nutzung des FSRU sehr flexibel ist und sich schnell an die Marktlage anpassen kann.
Land in Sicht
Ähnlich wie in Wilhelmshaven ist auch in Brunsbüttel der Übergang zu einer landseitigen Langzeitlösung geplant. Das German LNG Terminal soll 2026 fertiggestellt werden und jährlich 8 Mrd. m³ bis 10 Mrd. m³ LNG importieren können.
Das Projektkonsortium aus Gasunie, RWE und der KfW setzt außerdem langfristig auf klimaneutrale Energieträger. So ist die neue Anlage „ammonia-ready“ konzipiert, kann also für den Import von Ammoniak als Wasserstoffträger umgerüstet werden. Auch in Brunsbüttel soll die initiale LNG-Infrastruktur demnach die Weichen für den Import von grünen Molekülen in der Zukunft stellen.
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