Weltenergierat 05.12.2025, 18:00 Uhr

Für den Klimaschutz setzen Deutschland und Europa auf CCS

Für den Klimaschtz nutzen Deutschland und Europa verschiedene Instrumente. Neben dem Emissionshandel spielt CCS eine immer größere Rolle.

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Für die Reduktion der CO2-Emissionen werden in Deutschland und Europa bei der Energieerzeugung verschiedene Instrumente genutzt. Neben dem Emissionshandel spielt die Abscheidung und Einlagerung von CO2 (CCS) eine immer größere Rolle.

Foto: aoo3771/Smarterpix

Da in der Industrie auch bei weitestmöglicher Dekarbonisierung der benötigten Energie und der Produktionsprozesse Restemissionen bleiben, führt aus Sicht von Experten kein Weg an der Abscheidung und Einlagerung von CO2 (CCS) vorbei – weshalb auch in Deutschland der Gesetzgeber den Weg dafür frei gemacht hat. Die Regelungen sind erst kürzlich in Kraft getreten. „CCS und CCU (Abscheidung und Nutzung) kommt für die Dekarbonisierung eine große Bedeutung zu“, unterstrich Frank Wetzel, Staatssekretär im Bundeswirtschafts- und Energieministerium (BMWE), am 4. Dezember bei einer Konferenz des Weltenergierates in Berlin. „Die CCS-Technologien beweisen sich zurzeit.“ CCS könne auch kostengünstiger sein. Da, wo dies der Fall sei, „muss sie genutzt werden“, so der Regierungsvertreter.

EU- Kommission mit Plänen und Regelungen für CCS

Die EU-Kommission hat in ihrer Industrial-Carbon-Management-Strategie vom Februar 2024 vorgesehen, einen EU-Binnenmarkt für CO2-Management zu schaffen. Eine Richtlinie (CCS Directive) für den sicheren Speicherbetrieb gibt es bereits seit 2009, mit dem Ziel, Risiken für Gesundheit und Umwelt zu vermeiden. Nun sollen Investitionen der Mitgliedstaaten in CCS besser koordiniert werden. Gesetzentwürfe, die einen Rahmen für die Transport- und Speicherinfrastruktur setzen, wie auch Planungs- und Marktmechanismen sollen 2026 präsentiert werden.

Im Net Zero Industry Act der EU ist unter einer Vielzahl „sauberer“ Technologien, die zur Erreichung der Klimaneutralität eingesetzt und weiter ausgebaut werden sollen (unter anderem erneuerbare Energien, Batterien und Wärmepumpen), auch CCS aufgeführt. Bis 2030 soll demnach in der EU eine Speicherkapazität von 50 Mio. t realisiert werden.

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Den Aufbau der gesamten Wertschöpfungskette will man durch vereinfachte administrative Verfahren wie auch Finanzierungsinstrumente fördern. Dabei spielt bereits jetzt das europäische Emissionshandelssystem (ETS) eine Rolle. Denn wenn Anlagen einen Teil ihrer Treibhausgasemissionen verringern, indem sie sie abscheiden und dauerhaft speichern, kann dies bei der Zahl der benötigten CO2-Zertifikate angerechnet werden. Um Anreize für Investitionen zu schaffen, soll die Integration in das ETS noch weiterentwickelt werden.

Norwegen als CCS-Vorreiter in Europa

Weltweit waren 2004 nach Angaben des Global CCS Institute 65 CCS-Anlagen in Betrieb, die Hälfte davon in den USA und Kanada, 16 in China. 42 Anlagen befanden sich im Bau, mehrere Hundert in Planung und Entwicklung. In Europa sind Norwegen, Dänemark und die Niederlande führend bei der Nutzung von CCS. „In Norwegen sind wir 1996 gestartet“, berichtet Grete Tveit, Vizepräsidentin von Low Carbon Solutions bei Equinor. In dem Northern-Light-Projekt, ein Joint Venture zusammen mit Shell und TotalEnergies, soll CO2 aus ganz Europa unter der Nordsee eingespeichert werden.

Geplant ist, die Lagerkapazität von derzeit 1,5 Mio. t bis 2028 auf 5,8 Mio. t und später bis auf 30 Mio. t bis 50 Mio. t zu erhöhen, so Tveit. „Dafür soll eine Pipeline von Belgien nach Norwegen gebaut werden, in die auch Deutschland und Frankreich CO2 einspeisen können“, sagt sie. Die Norwegerin betont, die Speicherung sei sicher, das könne man nach 30 Jahren Erfahrung und regelmäßigem Monitoring sagen. „Das CO2 wird 2600 m unter den Meeresboden verpresst“, und es gebe darüber eine geologische Deckschicht. Auch in Dänemark sieht man seit Längerem CCS als wichtige Säule der Dekarbonisierung und als Geschäftsmodell an und will bis 2030 eine Transportinfrastruktur errichten.

Grenzüberschreitende Kooperation für den Infrastrukturaufbau

Neben den Kooperationen von Unternehmen ist dabei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wie auch die Unterstützung durch die Regierungen in Europa fundamental, was sich auch an dem Projekt Delta-Rhine-Corridor (DRC) zeigt: Damit sollen in Kooperation von BASF, Gasunie, OGE und Shell ein Wasserstoff- und ein CO2-Pipelinenetz mit einer Länge von etwa 700 km zwischen Deutschland und den Niederlanden aufgebaut werden.

Dreh- und Angelpunkt dafür ist der Hafen von Rotterdam. Die niederländische Regierung und die Landesregierung NRW unterstützen das Projekt politisch. Dadurch würde den Industrieunternehmen die Erreichung der Emissionsminderungsziele erleichtert und Wasserstoff, den Betriebe einsetzen möchten, zu ihnen transportiert werden können. Die EU steuert für das Vorhaben Finanzmittel aus dem Topf für die Projekte von allgemeinem Interesse (PCI – Projects of Common Interest) bei.

Klimaschutz und Emissionshandel

Seit 20 Jahren (2005–2025) gibt es in der EU eine Bepreisung von CO2-Emissionen durch die Einführung des Europäischen Emissionshandelssystems (ETS). Dieses umfasst die emissionsintensive Industrie, in Deutschland unterliegen dem ETS 1 Betreiber von großen Energie- und energieintensiven Industrieanlagen wie auch Flug- und Schifffahrtsunternehmen.

Um sie nicht übermäßig mit Kosten für die Zertifikate zu belasten und eine Abwanderung ins Ausland zu verhindern, gibt es einen bestimmten Anteil kostenfreier Emissionsberechtigungen (Zuteilung). Entsprechend einer festgelegten und sinkenden Obergrenze (Cap) ist die Zahl der Zertifikate insgesamt degressiv angelegt, um eine kontinuierliche Minderung der Emissionen bis 2040 zu erreichen. In Deutschland fließen die Einnahmen aus dem Verkauf der Zertifikate in den Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen.

EU-weit ist die Einbeziehung weiterer Sektoren wie Verkehr und Gebäude geplant, die 2027 durch den ETS 2 erfolgen sollte. Dies wurde nun um ein Jahr verschoben.

Zum 1. Oktober 2023 hat die EU einen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) eingeführt, der nach einer Einführungsphase ab 1. Januar 2026 voll angewandt werden soll. Damit sollen deutsche Produkte, deren Herstellung Klimaschutzmaßnahmen unterworfen ist, im internationalen Wettbewerb mit Waren aus Staaten, in denen dies nicht der Fall ist, besser gestellt werden. Ein Ziel dabei ist auch, die Verlagerung von Produktion aus Deutschland in solche Länder (Carbon Leakage) zu verhindern. Der CBAM steht in Verbindung mit dem ETS, die freie Zuteilung von Emissionsberechtigungen (Zertifikaten) wird verringert. Waren, die unter den CBAM fallen, müssen angemeldet werden.

Lösungen für CCS-Finanzierung gesucht

Überhaupt ist die Finanzierung von CCS eine Herausforderung und sollte daher nach Ansicht von Equinor-Managerin Tveit auf viele Akteure verteilt werden. „Die Privatwirtschaft alleine kann nicht die Strukturen aufbauen. Es braucht eine Orchestrierung“, betont auch Alexandra Decker, Vorstandsmitglied des Zementkonzerns Cemex.

Die Onshore-Speicherung würde laut Oliver Grundmann, Of Counsel bei Dentons Europe und Co-Vorsitzender des Fachbeirates der Carbon Management Allianz, nur ein Viertel der Kosten für die Offshore-Speicherung betragen, doch sind die Möglichkeiten dafür regional sehr begrenzt. In Deutschland könnte es Förderung durch die Einbeziehung von CCS in Klimaschutzverträge der Unternehmen geben. „Wir arbeiten sehr intensiv daran“, sagte BMWE-Staatssekretär Wetzel.

Fazit: Man hat sich auch in Deutschland und Europa auf den Weg gemacht, doch ist für den Aufbau einer CCS-Wirtschaft noch eine ganze Reihe von Punkten zu bearbeiten.

Ein Beitrag von:

  • Angelika Nikionok-Ehrlich

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