Direct Air Capture 27.03.2026, 11:30 Uhr

Warum Ihr Bier bald als CO2-Speicher dienen könnte

Eine kalifornische Brauerei karbonisiert ihr Bier mit CO₂ direkt aus der Luft. Die Technologie könnte das Brauwesen weltweit verändern – und nicht nur das.

Bierausschank in der Augustiner Festhalle auf dem 190. Oktoberfest 2025 auf der Theresienwiese.

CO₂ sorgt im Bier für Kohlensäure, Geschmack und Frische. Eine kalifornische Brauerei gewinnt das Gas jetzt direkt aus der Umgebungsluft — mit einer Maschine auf dem Firmenparkplatz.

Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress/Brigitte Saar

Kohlendioxid ist für Brauereien ein unverzichtbarer Rohstoff. Es sorgt für die Kohlensäure im Bier, wird beim Abfüllen gebraucht und hält Bier in Fässern und Leitungen frisch. Die meisten Brauereien beziehen ihr CO₂ als Nebenprodukt fossiler Industrieprozesse wie der Ammoniak- oder Ethanolproduktion. Geraten diese Industrien ins Stocken, wird CO₂ knapp und teuer.

Jetzt hat die Brauerei aus Alameda bei San Francisco eine Lösung gefunden, die ohne fossile Lieferketten auskommt: Ihr neues Bier „Flow – Clean Air Edition“ wird mit CO₂ karbonisiert, das eine Maschine auf dem Firmenparkplatz direkt aus der Umgebungsluft filtert. Laut den beteiligten Unternehmen handelt es sich um eine Weltneuheit.

Eine Klimaanlage, die Bier möglich macht

Hinter dem Projekt steht das Unternehmen Aircapture aus Berkeley, das sogenannte Direct-Air-Capture-Anlagen (DAC) entwickelt. Weltweit arbeiten Forschungsinstitute und Unternehmen an der Technologie, die CO₂ aus der Atmosphäre entfernt, um es zu nutzen (CCU) oder dauerhaft einzuspeichern (CCS). Der USP von Aircapture: Die Kalifornier setzen dabei nicht auf große Industrieanlagen, sondern modulare Einheiten, die sich in bestehende Betriebe integrieren lassen.

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Bei Almanac steht die Anlage auf dem Parkplatz und sieht laut einem Bericht der New York Times aus wie eine überdimensionale Klimaanlage mit Schornstein. Was er tut, ist schnell umrissen:

  • Ein Ventilator saugt Umgebungsluft an
  • ein keramisches Substrat bindet das darin enthaltene CO₂
  • in einem daneben stehenden Container wird das Gas verflüssigt und auf Lebensmittelqualität gereinigt (laut Almanac 99,999 %).
  • Das flüssige CO₂ fließt direkt in den Brauprozess.

Die Anlage war laut Aircapture innerhalb weniger Wochen betriebsbereit. Eine Unterbrechung der laufenden Bierproduktion sei nicht notwendig gewesen.

Eine Hand hält eine Dose „Flow – Clean Air Edition" der Brauerei Almanac Beer Co. Die Dose steht auf einem Holzfass, im Hintergrund ist eine Brauereikulisse zu erkennen.
„Flow – Clean Air Edition“ der kalifornischen Almanac Beer Co. ist seit März in über 800 Geschäften in Kalifornien erhältlich. Nächster Kunde von Aircapture soll der weltweit größte Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev sein. Foto: John Felix Shaw/Aircapture

Billiger als konventionelles CO₂

Was Brauerinnen und Brauer besonders freuen dürfte: Das über Aircapture bezogene CO₂ soll laut dem Bericht der New York Times nicht nur zuverlässiger verfügbar sein als konventionelle Lieferungen, sondern auch 15 bis 20 % günstiger. Almanac braut nach eigenen Angaben schon rund 20 % seines Bieres mit dem Luft-CO₂ und will innerhalb eines Jahres vollständig umstellen.

Das Geschäftsmodell sieht vor, dass Brauerei nicht die DAC-Maschine selbst kauft, sondern das CO₂, das sie produziert. Vergleichen ließe sich das mit Krankenhäusern, die ihren Sauerstoff von Anlagen externer Gasproduzenten beziehen, die auf dem Klinikgelände stehen.

„Bisher war CO₂ ein volatiles Nebenprodukt der Brennstoff- und Chemieproduktion“, erklärte Matt Atwood, CEO von Aircapture, in einer Pressemitteilung vom 23. März Er betrachtet den Brauereimarkt nur als Einstieg: Die Technologie lasse sich auch in der Lebensmittelindustrie, Kühltechnik, Betonherstellung und Landwirtschaft einsetzen.

Klimawirkung? Begrenzt

Um voreiligen Optimismus zu bremsen: Das DAC-Bier wird nicht das Klima retten. Denn das aus der Luft gefilterte CO₂ wird beim Öffnen der Dose oder Flasche wieder freigesetzt. Eine dauerhafte Speicherung findet also nicht statt. Darauf wies auch der Klimaforscher Klaus Lackner von der Arizona State University gegenüber dem US-Sender KQED hin.

Allerdings merkte er an, dass es zu einer Kostensenkung von DAC-Technologien führen könnte, wenn Nischenmärkte wie Brauereien sie nutzen. Mittel- bis langfristig könnte der Ansatz damit massentauglich werden. „Es ist entscheidend, dass Technologien, die das bestehende System ersetzen können, bezahlbar werden“, so Lackner.

Ein Mitarbeiter der Essener Brauerei Stauder sortiert Bierflaschen auf einem Förderband in der Abfüllanlage.
In der Essener Brauerei Stauder kam bereits 2025 CO₂ aus einer DAC-Anlage des Start-ups Greenlyte Carbon Technologies zum Einsatz, allerdings nicht zur Karbonisierung, sondern zur Kopfraumfüllung in der Flasche. Foto: picture alliance / photothek/ Ina Fassbender

Nächster Kunde: der größte Brauer der Welt

Laut dem KQED-Bericht ist Aircaptures nächstes Projekt noch in diesem Jahr geplant. Konkret geht es um eine Installation bei Anheuser-Busch InBev auf den Kanarischen Inseln, dem weltweit größten Brauereikonzern.

Wo Luft-CO₂ schon in Deutschland zum Brauen genutzt wird

In Deutschland gibt es spätestens seit 2023 Überlegungen, DAC CO₂ zum Brauen zu verwenden. Allerdings funktioniert die Nutzung hier etwas anders.

Das Essener Start-up Greenlyte Carbon Technologies, das eine eigene DAC-Technologie entwickelt hat, kooperierte 2025 mit der Essener Brauerei Stauder. Das aus der Luft gezogene CO₂ wurde dort jedoch nicht zur Karbonisierung eingesetzt, sondern um den Hohlraum zwischen Bier und Kronkorken mit Schutzgas zu füllen (im Fachjargon: „Kopfraumfüllung“).

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

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