Solare Wärme für den Winter 08.10.2025, 07:18 Uhr

Dorf erreicht ohne Gebäudesanierung die Klimaziele 2045

Mit Solarthermie, Wärmespeichern, einer Wärmepumpe und einem holzbefeuerten Heizkessel hält ein 800-Einwohner-Dorf bereits heute die Umweltnormen des Jahres 2045 ein.

Solarkollektoren

12.000 Quadratmeter Solarkollektoren fangen in Bracht im Sommer die Wärme für den Winter ein.

Foto: Smarterpix / oegge.arcor.de (Symbolbild)

Bracht ist ein typisches Dörfchen. Gut 800 Einwohner, die meisten Häuser sind vor 1980 errichtet, also kaum wärmegedämmt, ebenso wenig wie die Fachwerkhäuser, die einen Anteil von 25 % haben. Bracht, Stadtteil von Rauschenberg im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf, hebt sich dennoch von allen Dörfern in Deutschland ab. Denn es hat sich zum energetischen Vorzeigeobjekt gemausert, ohne dass auch nur ein einziges Haus saniert worden ist. Es erfüllt schon jetzt die energetischen Vorgaben, die in 20 Jahren gelten sollen.

Die Investitionen, die das möglich machen, haben 16,3 Millionen Euro verschlungen, pro Gebäude also rund 90.000 Euro. Eine aufwändige Wärmedämmung und die Installation von weitgehend emissionsfreien einzelnen Heizungsanlagen in den 180 Gebäuden des Dörfchens wäre möglicherweise ähnlich teuer geworden. In vielen Fällen wäre eine Wärmedämmung sogar unmöglich oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand machbar gewesen, etwa bei Fachwerkhäusern.

Wie Sommerwärme den Winter erreicht

Ob das „erste Solardorf“ in Hessen nachahmenswert ist? In finanzieller Hinsicht vielleicht nicht, es sei denn, die volkswirtschaftlichen Vorteile werden mitberücksichtigt und der Staat steuert einiges an Geld bei. Aus technischer Sicht ist Bracht dagegen ein Musterbeispiel für die Zukunft.

70 % der benötigten Wärme werden mittels Solarthermie produziert. Die Kollektoren haben eine Fläche von 12.900 Quadratmetern. Da sie vor allem im Sommer produzieren, was im Winter benötigt wird, haben die Initiatoren des Projekts, die eingetragene Genossenschaft Solarwärme Bracht, einen Wärmespeicher eingeplant.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Stoffstrom- und Abfallmanagement für die Außenstelle München-Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
München-Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Sachbearbeiter Wassertechnik - Gewässerschutzbeauftragter (m/w/d) in der Außenstelle Maisach Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern-Firmenlogo
Umweltingenieur / Umwelttechniker als Ingenieur Abfallmanagement im Betrieb für die Außenstelle München-Maisach (m/w/d) Die Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern
Maisach Zum Job 
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
Stadt Koblenz-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für die Betreuung der Hochwasserschutzanlagen Stadt Koblenz
Koblenz Zum Job 
Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter TGA (m/w/d) Reinraumtechnik Daldrop + Dr.Ing.Huber GmbH + Co. KG
Neckartailfingen Zum Job 
naturenergie netze GmbH-Firmenlogo
Ingenieur als Teamleiter Netzleitstelle (m/w/d) naturenergie netze GmbH
Rheinfelden (Baden), Donaueschingen Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Duale Hochschule Sachsen (DHSN)-Firmenlogo
W2-Professur für "Umweltanalytik und Umwelttechnik" (m/w/d) Duale Hochschule Sachsen (DHSN)
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) - Elektrotechnik AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Alltech Dosieranlagen GmbH-Firmenlogo
Vertriebs- und Projektingenieur (m/w/d) Schwerpunkt: Verfahrenstechnik / Umwelttechnik / Elektrotechnik Alltech Dosieranlagen GmbH
Weingarten Zum Job 
SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH-Firmenlogo
Vermessungsingenieur / Geodäsie (m/w/d) SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH
Gießen Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Region Hamburg, Berlin oder Düsseldorf / Köln (West) Zum Job 
Landkreis Wesermarsch-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur*in (m/w/d) / Bachelor / Master der Fachrichtungen Agrarwirtschaft, Landespflege, Landschaftsplanung/-entwicklung oder Landschaftsökologie Landkreis Wesermarsch
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
PhD Position - Techno-economic assessment of geothermal plants with material co-production in energy systems Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Landkreis Friesland-Firmenlogo
Kommunaler Energiemanager (m/w/d) Landkreis Friesland
AFRY Deutschland GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Umweltplanung (Mensch*) AFRY Deutschland GmbH
Hamburg Zum Job 

Schwimmende Wärmedämmung

Die Entscheidung fiel zugunsten eines Grubenspeichers, wie er in Dänemark schon genutzt wird. Es handelt sich um einen von Wällen umschlossenen Erdaushub mit einem Volumen von 62.000 Kubikmetern, der mit Folie abgedichtet wird. Darauf schwimmt eine Wärmedämmplatte. Im Sommer wird das im Teich befindliche Wasser aufgeheizt. Wärmepumpen machen die Energie im Winter nutzbar.

In einem gut isolierten 400-Kubikmeter-Pufferspeicher wird Wasser vorgehalten, das direkt in das Nahwärmenetz eingespeist werden kann, um extreme Temperaturschwankungen besser ausgleichen zu können – Wärmepumpen sind nicht sonderlich flexibel. „Die Wärmeverluste großer Saisonalspeicher sind aufgrund ihrer Größe und Geometrie trotz des geringen Einsatzes von Dämmmaterial verhältnismäßig niedrig“, heißt es auf der Homepage des Projekts, das innerhalb von zwei Jahren realisiert wurde.

Grüner Strom statt Blockheizkraftwerk

Um kostengünstigen Strom für die Wärmepumpe zu bekommen war ursprünglich ein Blockheizkraftwerk geplant. Doch es zeigte sich, dass der Bezug von grünem Strom aus dem Netz billiger ist. Dieser Strom unterscheidet sich zwar nicht von normalem Strom.

Der Lieferant muss jedoch nachweisen, dass er die verkaufte Menge umweltneutral produziert, wenn auch nicht unbedingt zum Zeitpunkt der Abgabe. Ein Teil des benötigten Stroms soll von Solarzellen produziert werden, die auf den Wällen des Saisonalspeichers und auf dem Dach des Technikgebäudes installiert werden.

70 % kommen aus der Sonne

Wenn das Wetter besondere Kapriolen schlägt und extreme Kälte beschert springt ein Kessel ein, der mit Holz beheizt wird. Auf einen ursprünglich geplanten erdgasbetriebenen Spitzenlastkessel haben die Planer verzichtet.

Experten im Fachgebiet für Solar- und Anlagentechnik der Universität Kassel haben den Anteil der einzelnen Energiearten an der Wärmebereitstellung per Computersimulation ermittelt. Danach entfallen auf solare Wärme 70 Prozent, auf Wärmepumpenstrom sieben und auf den holzbefeuerten Kessel 23 Prozent.

Alternative zur baulichen Vollsanierung

„Werden Solarthermie und Wärmepumpen klug miteinander kombiniert, so können sie helfen, Bau- und Energiekosten bei Neubauten und der Sanierung älterer Gebäude deutlich zu reduzieren“, so Taco Holthuizen, Professor für Architektur und Gebäudetechnik an der Berliner Hochschule für Technik.

Diese Alternative sollte auch nach Meinung von Birgit Abrecht vom Büro für Solar-Architektur in Keltern bei Pforzheim künftig vor einer baulichen Vollsanierung „ernsthaft in Betracht gezogen werden“.

Hier gibt es mehr Infos

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.