Neues Verfahren für den H2-Import 11.02.2026, 14:32 Uhr

Das Gas aus der Deo-Dose könnte Deutschlands Wasserstoff-Problem lösen

Ammoniak gilt als Favorit für den Wasserstoffimport. Jetzt setzen Fraunhofer-Forscher auf eine Alternative aus der Deo-Dose.

Deodose mit DME

In Deodorant-Sprays sorgt Dimethylether als Treibgas dafür, dass Duft- und Wirkstoffe fein verteilt aus der Dose kommen. Künftig könnte das Gas eine Schlüsselrolle beim Wasserstoff-Import spielen.

Foto: picture alliance/dpa | Monika Skolimowska

Back-up-Kraftwerke, grüner Stahl, E-Fuels: Für die Energiewende muss Deutschland große Mengen grünen Wasserstoffs importieren. Aber wie transportiert man ein Gas, das extrem leicht ist und sich nur unter hohem Energieaufwand verflüssigen lässt?

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) setzt auf einen selten beachteten Kandidaten: Dimethylether, kurz DME. Das Gas kennt man bislang höchstens aus der Deo-Dose.

Mit einem neuen Verfahren wollen die Freiburger Forscher die Herstellung von DME deutlich billiger machen, sodass es als Transportmedium für den großskaligen Import eine ernsthafte Konkurrenz für Derivate wie Ammoniak und Methanol wird.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
naturenergie netze GmbH-Firmenlogo
Ingenieur als Teamleiter Netzleitstelle (m/w/d) naturenergie netze GmbH
Rheinfelden (Baden), Donaueschingen Zum Job 
Alltech Dosieranlagen GmbH-Firmenlogo
Vertriebs- und Projektingenieur (m/w/d) Schwerpunkt: Verfahrenstechnik / Umwelttechnik / Elektrotechnik Alltech Dosieranlagen GmbH
Weingarten Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG
SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH-Firmenlogo
Vermessungsingenieur / Geodäsie (m/w/d) SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH
Gießen Zum Job 
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Region Hamburg, Berlin oder Düsseldorf / Köln (West) Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
Landkreis Wesermarsch-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur*in (m/w/d) / Bachelor / Master der Fachrichtungen Agrarwirtschaft, Landespflege, Landschaftsplanung/-entwicklung oder Landschaftsökologie Landkreis Wesermarsch
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
PhD Position - Techno-economic assessment of geothermal plants with material co-production in energy systems Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Landkreis Friesland-Firmenlogo
Kommunaler Energiemanager (m/w/d) Landkreis Friesland
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für Geotechnik, Abfall, Altlasten und Georisiken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Ingenieur/in (m/w/d) als Referent/in für unser Branchenkompetenzcenter BG ETEM
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main-Firmenlogo
Ingenieur*in Energie, Klimaschutz und Transformation (w/m/d) Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Frankfurt Zum Job 
Münchner Stadtentwässerung-Firmenlogo
Fachgebietsleitung Betriebsorganisation (w/m/d) Münchner Stadtentwässerung
München Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
OT Security Engineer (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
HIC Consulting-Firmenlogo
Geschäftsführer (m/w/d) HIC Consulting
Hamburg Zum Job 
Nordex SE-Firmenlogo
Testingenieur / Validation Engineer Leistungselektronik (m/w/d) Nordex SE
Rostock Zum Job 

Warum der Wasserstoff-Transport so schwierig ist

Wasserstoff hat zwar einen hohen Energiegehalt pro Kilogramm, nimmt aber extrem viel Platz ein. Um ihn über weite Strecken zu transportieren, muss er entweder auf –253 °C heruntergekühlt oder in ein anderes Molekül umgewandelt werden.

Als aussichtsreichster Kandidat gilt derzeit Ammoniak: Unternehmen wie Uniper planen seit Jahren den Bau von Ammoniak-Terminals für den großskaligen Import von beispielsweise Wasserstoff aus Indien. Doch ganz optimal ist das Medium nicht, da es hochgiftig ist und aufwendige Sicherheitsmaßnahmen bei Transport und Lagerung erfordert.

Was DME dem Ammoniak voraus hat

DME wird schon bei geringem Druck flüssig. Aus diesem Grund eignet es sich auch als Treibgas in Deo-Sprays. „Man kann das Handling von DME mit einem Gas wie Butan vergleichen, das in einer Campinggasflasche aufbewahrt werden kann“, erklärte Michael Alders vom Institut für nachhaltige Wasserstoffwirtschaft (INW) am Forschungszentrum Jülich bereits 2023 anlässlich einer Studie in der Fachzeitschrift Energy & Environmental Science.

Auch andere Eigenschaften sprechen für DME: Mit einer volumetrischen Energiedichte von 6 kWh/l übertrifft es sowohl Methanol (4,9 kWh/l) als auch Ammoniak (4,0 kWh/l). Auch pro Kilogramm liefert DME mit 8,7 kWh am meisten Energie. Zudem ist es ungiftig und lässt sich am Zielort per Dampfreformierung wieder in Wasserstoff zurückspalten.

Das dabei entstehende CO₂ kann zurücktransportiert und erneut mit Wasserstoff beladen werden. In der Theorie entsteht so ein geschlossener Kreislauf nach dem Pfandflaschen-Prinzip. „Dimethylether ist der Hidden Champion der Wasserstoffwirtschaft“, konstatiert Elias Frei, Bereichsleiter Wasserstoff am Fraunhofer ISE.

Druckdestillationskolonne: An zehn Probenahmestellen kann die Flssigphasenzusammensetzung analysiert und so das Kolonnenprofil bestimmt werden.

Druckdestillationskolonne: An zehn Probenahmestellen kann die Flüssigphasenzusammensetzung analysiert und so das Kolonnenprofil bestimmt werden.

Foto: Fraunhofer ISE/Joscha Feuerstein

Wie Freiburger Forscher die Kosten senken

Die Vorteile von DME als Transportmolekül sind also schon lange bekannt. Bisherige Herstellungsverfahren standen jedoch im Ruf, aufwendig und energieintensiv zu sein.

Hier setzt das am Fraunhofer ISE entwickelte „INDIGO“-Verfahren an. Synthese und Destillation laufen dabei gleichzeitig ab. Die Wärme, die bei der chemischen Reaktion frei wird, fließt direkt in die Destillation ein, statt verloren zu gehen.

Im Ergebnis sinken die Kosten laut den Forschern um mehr als 25 % gegenüber dem konventionellen Verfahren. Das Fraunhofer ISE gibt an, dass sein INDIGO-Verfahren in allen sechs untersuchten Szenarien günstiger war als die herkömmliche Methode. Weil der Prozess besonders wenig Energie benötige, eigne er sich auch für die dezentrale Nutzung in abgelegenen Regionen mit wenig Infrastruktur, aber Zugang zu erneuerbaren Energiequellen.

Pilotanlage in Chile läuft bereits

Erste Praxiserfahrungen gibt es schon: Im Projekt „Power-to-MEDME“ haben mehrere Fraunhofer-Institute und die RWTH Aachen mit chilenischen Partnern die gesamte Prozesskette von der Wasserstofferzeugung bis zur DME-Synthese erprobt. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt lief von 2023 bis Ende 2025. Als Ergebnis bauten die Forscher eine 7,5 m hohe Pilotanlage auf Basis des INDIGO-Verfahrens.

Die Region Antofagasta im Norden Chiles eignet sich besonders für die Demonstration. Denn dort wird so viel Solarstrom produziert, dass die Einspeisung ins Netz gedrosselt werden muss. In Chile sehen die Forscher auch sofortige Einsatzmöglichkeiten: Demnach könnte grünes DME dort Diesel und Flüssiggas im Bergbau ersetzen.  Mehrere Bergbauunternehmen waren am Projekt beteiligt und konnten ihre Fahrzeuganforderungen in die Analysen einfließen lassen. Die bestehende Flüssiggasinfrastruktur ließe sich dabei weitgehend weiternutzen.

Konzentrierende Solarkraftwerke liefern den grünen Strom für die DME-Herstellung beim Fraunhofer-Projekt in Nordchile.

Konzentrierende Solarkraftwerke liefern den grünen Strom für die DME-Herstellung beim Fraunhofer-Projekt in Nordchile.

Foto: Fraunhofer CSET

Was dem Durchbruch noch im Weg steht

Schon heute umfasst der globale DME-Markt mehr als 5 Mio. t pro Jahr. Doch das Potenzial ist noch größer, weil sich DME auch dem weltweit verbreiteten Flüssiggas (LPG) beimischen lässt. Hier liegt der Markt bei rund 200 Mio. t jährlich.

Hinzu kommt die Herstellung nachhaltiger Flugkraftstoffe, deren Bedarf bis 2050 auf bis zu 400 Mio. t pro Jahr geschätzt wird. DME könnte als sogenanntes Plattformmolekül zum Ausgangsstoff für eine Vielzahl erneuerbarer Kraftstoffe und Chemikalien werden.

Ob DME zum Gamechanger der Wasserstoffwirtschaft wird, hängt nun davon ab, wie schnell sich das Verfahren vom Pilot- in den industriellen Maßstab skalieren lässt. Hinzu kommt: Die inländischen Wasserstoffproduzenten schlafen nicht, wie Riesenprojekte wie der EWE-Elektrolyseur in Emden oder die geplante 2,4-GW-Elektrolyse im Wasserstoffpark Friesland zeigen. Doch sofern Wasserstoffimport im großen Stil ein Thema wird, könnte DME ein ernstzunehmender Konkurrent für Ammoniak werden.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.