64 Riesen à 15 MW: Deutschlands größter Offshore-Windpark ist eingeweiht
He Dreiht ist eingeweiht. 64 Turbinen mit je 15 MW machen den EnBW-Park in der Nordsee zum größten Offshore-Windpark Deutschlands, rechnerisch reicht der Strom für 1,1 Mio. Haushalte. Voll am Netz ist er noch nicht, und ein Zeitplan hat sich verschoben.
Alle 64 Anlagen von He Dreiht aus der Luft, aufgenommen im Baufeld vor Borkum.
Foto: EnBW / Fotograf Rolf Otzipka
Bundesumweltminister Carsten Schneider, Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos haben den Offshore-Windpark He Dreiht am 17. September 2026 offiziell eingeweiht. Mit 64 Anlagen und 960 MW installierter Leistung ist er der größte Offshore-Windpark Deutschlands. Jede einzelne Turbine leistet 15 MW, der Rotor misst 236 m im Durchmesser. Rechnerisch reicht der Strom für rund 1,1 Mio. Haushalte.
Fertig ist der Park allerdings noch nicht. Erste Turbinen speisen bereits ein, die übrigen werden nacheinander angeschlossen, getestet und hochgefahren. Die vollständige Inbetriebnahme nennt EnBW für „die kommenden Monate“. Im August hatte der Konzern noch den Spätsommer als Ziel genannt.
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Eingeweiht, aber noch nicht fertig: Was bis zur vollen Leistung fehlt
Der Bau lief in Etappen:
- Im August 2024 hatte EnBW die Fundamente für alle 64 Anlagen im Meeresboden verankert
- Im April 2025 begann die Errichtung der Turbinen. Das Installationsschiff „Wind Orca“ transportierte die Komponenten für jeweils drei Windkraftanlagen vom Hafen Esbjerg in Dänemark zum Baufeld und setzte sie auf die vorbereiteten Fundamente.
- Ende November 2025 speiste die erste Anlage ihre erste Kilowattstunde ein
- Im Januar 2026 war nach der Installation von 32 Anlagen Halbzeit
- Am 12. August 2026 meldete EnBW die Installation aller 64 Turbinen
- Am 17. September 2026 folgte die offizielle Einweihung
„He Dreiht ist die größte Einzelinvestition der EnBW im Bereich der Erneuerbaren“, sagte Vorstandschef Georg Stamatelopoulos bei der Einweihung. Zu Hochzeiten arbeiteten laut EnBW mehr als 500 Menschen auf der Baustelle in der Nordsee, über 60 Schiffe waren beteiligt.
Die Überführung in den Regelbetrieb erfolgt laut EnBW schrittweise: Die einzelnen Anlagen werden nacheinander ans Netz angeschlossen, getestet und hochgefahren. Nach aktuellem Planungsstand soll der Windpark „in den kommenden Monaten“ vollständig in Betrieb sein. In der Pressemitteilung vom 12. August hatte EnBW den Spätsommer als Ziel genannt. Ob die Verschiebung mit dem Rotorblattschaden zusammenhängt, den Vestas seit Ende Juli untersucht, geht aus der aktuellen Mitteilung nicht hervor. Zu Ursache und Ausmaß des Schadens hat EnBW bislang keine Details veröffentlicht.

WWelche Technik kommt zum Einsatz?
He Dreiht nutzt 15-MW-Windräder des dänischen Herstellers Vestas. Das Modell V236-15.0 wird hier erstmals kommerziell eingesetzt. „Ihre Effizienz und Leistung ermöglichen eine deutliche Steigerung des Energieertrags pro Anlage“, erklärt Nils de Baar, Präsident von Vestas Northern & Central Europe.
Ein einzelnes Windrad erreicht eine Nabenhöhe von 142 m, der Rotor hat einen Durchmesser von 236 m. Mit einer Umdrehung überstreichen die Rotorblätter eine Fläche von knapp 44.000 m², das entspricht ungefähr sechs Fußballfeldern. Laut EnBW reicht eine einzige dieser Umdrehungen aus, um vier Haushalte einen ganzen Tag lang mit Strom zu versorgen.
Der Windpark ist über das System BorWin5 an eine Konverterplattform von TenneT angeschlossen. Dort wird der Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt und über zwei Hochspannungskabel ans Festland transportiert.

Warum der Park eine Weiterentwicklung bedeutet
Zum Vergleich: Laut dem Beratungsbüro Deutsche Windguard besitzen Offshore-Anlagen in deutschen Gewässern im Bestand einen durchschnittlichen Rotordurchmesser von 136 m und eine Nabenhöhe von 96 m. Dabei erreichen sie eine durchschnittliche Leistung von 5,6 MW, also nur etwas mehr als ein Drittel des neuen Vestas-Windrads. Die Anlagen im 2011 in Betrieb genommenen EnBW-Windpark Baltic 1 leisteten sogar nur 2,3 MW pro Anlage.
| Ø Bestand (2025) | He Dreiht (2026) | |
|---|---|---|
| Leistung pro Anlage | 5,6 MW | 15 MW |
| Rotordurchmesser | 136 m | 236 m |
| Nabenhöhe | 96 m | 142 m |
Wer den Strom abnimmt
EnBW trägt die Investitionskosten von rund 2,4 Mrd. € ohne staatliche Förderung. Der Konzern hatte sich in der ersten deutschen Offshore-Ausschreibung 2017 den Zuschlag gesichert, das Gebot lag bei 0 Cent Förderung pro Kilowattstunde. 49,9 % der Anteile hält ein Konsortium aus Allianz Global Investors, AIP Management und Norges Bank Investment Management.
Refinanzieren muss sich der Park über den Markt. Der Strom ist laut EnBW über langfristige Abnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) verkauft. Zu den Abnehmern zählen Evonik, Google, die Telekom-Tochter PASM, Fraport, Bosch, Salzgitter, SHS Stahl-Holding Saar, Deutsche Bahn und DHL Group. PASM hat sich laut Unternehmensangaben mit einem 15-Jahres-Vertrag rund 100 MW gesichert.
Was als Nächstes kommt
Mit He Dreiht ist EnBW nicht am Ende: In der deutschen Nordsee entwickelt der Konzern das Projekt Dreekant mit 1 GW, vor Schottland Morven mit 2,9 GW. Die installierte Erneuerbaren-Leistung des Konzerns liegt laut Unternehmensangaben aktuell bei rund 8 GW, bis 2030 sollen rund 80 % des Erzeugungsportfolios aus erneuerbaren Energien bestehen.
FAQ: Offshore-Windparks in Deutschland
Wie viel Offshore-Windleistung gibt es in Deutschland?
Zum 30. Juni 2026 waren laut Deutsche WindGuard 1764 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 10.800 MW in Nord- und Ostsee in Betrieb, damit ist erstmals die Marke von 10 GW überschritten. Allein im ersten Halbjahr 2026 gingen 84 neue Anlagen mit 1077 MW ans Netz.
Wie wichtig ist Offshore-Windstrom eigentlich?
Der Anteil der Offshore-Windenergie an der deutschen Stromerzeugung lag im ersten Halbjahr 2025 bei 5,2 %.
Welche Projekte sind noch im Bau?
Neben He Dreiht laufen die Arbeiten in den Windparks Borkum Riffgrund 3 (Ørsted, 959 MW) und im Nordseecluster A; in den drei Projekten sind laut Deutsche WindGuard 22 Anlagen mit 323 MW errichtet, aber noch nicht am Netz (Stand 30. Juni 2026, He Dreihts restliche Anlagen kamen danach hinzu). Für weitere Projekte mit 2,6 GW ist die finale Investitionsentscheidung gefallen, Projekte mit 17,5 GW sind bezuschlagt, warten aber noch darauf.
Gibt es ein offizielles Ausbauziel?
Ja. Das Windenergie-auf-See-Gesetz sieht drei Ausbauziele vor: mindestens 30 GW bis 2030, 40 GW bis 2035 und 70 GW bis 2045. In der Offshore-Vereinbarung von 2022 haben Bund und Küstenländer das Ziel für 2035 sogar auf 50 GW erhöht. Nach aktueller Planung wird die 30-GW-Marke allerdings erst 2032 erreicht.
Was war der erste Windpark?
Deutschlands erster Offshore-Windpark war „Alpha Ventus“. Er ging im April 2010 ans Netz und hatte eine Kapazität von 60 MW. Inzwischen hat er das Ende seiner technischen Lebensdauer erreicht: Im Mai 2025 begannen die Betreiber mit der Erarbeitung eines Rückbaukonzepts.
Quellen
- EnBW: Pressemitteilung „Offshore-Windpark He Dreiht: Installation aller Windkraftanlagen abgeschlossen“ (12. 8. 2026)
- EnBW: Projektseite Offshore-Windpark He Dreiht mit Bautagebuch
- EnBW: Erste Windkraftanlage von He Dreiht produziert Strom (November 2025)
- Deutsche WindGuard: Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland – 1. Halbjahr 2026
- Bundesverband Windenergie Offshore (BWO): Status Offshore-Windenergie 1. Halbjahr 2026
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