Carbon Capture in der Praxis 29.01.2026, 15:32 Uhr

E-Kerosin: 350 Mio. € für Deutschlands größte Anlage

In Brandenburg soll Deutschlands größte Anlage für E-SAF entstehen. Jetzt fördert der Bund das Vorhaben mit 350 Mio. €. Was sollte man darüber wissen?

Foto: picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB | Patrick Pleul

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Fliegen gilt als Klimakiller: Der Luftverkehr verursacht rund 3 % der weltweiten CO₂-Emissionen, Tendenz steigend. Und eine Dekarbonisierung ist schwer erreichbar: Elektroflugzeuge sind für Langstrecken auf absehbare Zeit keine Option, und Wasserstoffflugzeuge stecken erst recht noch in den Kinderschuhen.

Wie der „Hard-to-abate“-Sektor trotzdem emissionsfrei werden kann, wird womöglich bald in einer brandenburgischen Industriestadt sichtbar: Schwedt an der Oder.

In der 33.000-Einwohner-Stadt in der Uckermark plant die neu gegründete Concrete Chemicals GmbH die nach eigenen Angaben größte deutsche Produktionsstätte für sogenanntes e-SAF (Sustainable Aviation Fuel).

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E-SAF ist Kerosin, das nicht aus Rohöl, sondern aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird. Ausgangsstoffe sind in der Regel grüner Wasserstoff und CO2 aus Luftabscheidung oder biogenen bzw. industriellen Punktquellen. Wie die beteiligten Unternehmen heute (29. Januar) mitteilten, hat das Bundeswirtschaftsministerium der Anlage eine Förderung in Höhe von 350 Mio. € bewilligt. 2030 soll sie den Betrieb aufnehmen.

Von Ökostrom zum Flugkraftstoff

Das Prinzip klingt wie Alchemie, ist aber Physik: Im sogenannten Power-to-Liquid-Verfahren wird zunächst mit Strom aus Wind- oder Solarkraft elektrolytischer Wasserstoff hergestellt. Dieser wird dann mit CO₂ kombiniert. Heraus kommt nach mehreren Umwandlungsschritten synthetisches Kerosin, das chemisch mit fossilem Flugbenzin identisch ist.

In der Anlage in Schwedt stammt das verwendete CO₂ anders als etwa bei Greenlyte Carbon Technologies nicht aus der Atmosphäre, sondern aus industriellen Prozessen. Konkret stammt das Gas von der benachbarten Papierfabrik der Leipa Georg Leinfelder GmbH. Statt in die Luft zu entweichen, wird das CO2 also zum Rohstoff für die Treibstofferzeugung.

Bei den Prozessen in der Papierfabrik entsteht CO2, das aktuell noch in die Atmosphäre entweicht. Foto: picture alliance / Caro | Sorge

Bei den Prozessen in der Papierfabrik entsteht CO2, das aktuell noch in die Atmosphäre entweicht.

Foto: picture alliance / Caro | Sorge

Was die Anlage leisten soll

  • 37.000 t synthetische Kraftstoffe pro Jahr, davon 30.000 t Kerosin sowie 7.000 t Naphtha
  • 100.000 t CO₂-Ersparnis jährlich gegenüber fossilem Kerosin

Zum Vergleich: Ein Flug von Frankfurt nach New York verbraucht pro Passagier etwa eine halbe Tonne Kerosin. Die Schwedter Anlage könnte also theoretisch rund 60.000 solcher Langstreckenflüge mit grünem Treibstoff versorgen.

Warum Schwedt?

In Schwedt befindet sich die PCK-Raffinerie, eine der größten und wichtigsten Raffinerien Deutschlands. Hier werden bis zu 90 % der in Brandenburg und Berlin verwendeten Kraftstoffe produziert. Seit dem Ende der russischen Öllieferungen gab es hier zahlreiche Transformations- und Dekarbonisierungsprojekte. Pluspunkte des Standortes sind die vorhandene Infrastruktur, die Nähe zu Windparks sowie die geplante Anbindung an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz.

Hinter dem Projekt stehen zwei Unternehmen: Enertrag, ein Brandenburger Projektierer für erneuerbare Energien, das seit über 25 Jahren Windparks betreibt und seit 2011 grünen Wasserstoff produziert. Und Zaffra, ein Joint Venture der Industriekonzerne Sasol und Topsoe, das sich auf nachhaltige Flugkraftstoffe spezialisiert hat.

EU schreibt Beimischung vor

Was die Anlage wirtschaftlich attraktiv macht? Die EU legt mit ihrer ReFuelEU-Verordnung verbindliche Quoten für nachhaltige Flugkraftstoffe fest. Ab 2030 müssen Airlines mindestens 1,2 % synthetisches Kerosin beimischen. Bis 2050 soll der Anteil auf 35 % steigen.

Allerdings gibt es heute noch kaum Produktionskapazitäten. Die Schwedter Anlage soll das ändern und könnte perspektivisch einen signifikanten Beitrag dazu leisten, Fluggesellschaften in Deutschland mit dem (obligatorischen) grünen Treibstoff zu versorgen.

Der lange Weg zum klimaneutralen Fliegen

Synthetisches Kerosin ist derzeit etwa drei- bis fünfmal teurer als fossiles. Zudem sind die Produktionsmengen im Vergleich zum Bedarf noch minimal, wenn man auf die Zahlen blickt. Allein der Frankfurter Flughafen verbraucht jährlich etwa 5 Mio. t Kerosin.

Angesichts dieses Bedarfs und der nun zugesicherten Förderung ist die finale Investitionsentscheidung für die E-SAF-Anlage in Schwedt nun relativ wahrscheinlich geworden. Sie soll jedoch erst 2027 fallen. Denn einen möglichen Bremsklotz gibt es noch: Die Förderung wurde auf nationaler und Landesebene genehmigt, doch die Prüfung durch die EU-Kommission steht noch aus.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

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