Blackout-Vorsorge: So überstehen Sie mehrere Tage ohne Strom
Stromausfall über Tage? Erfahren Sie, wie Sie sich auf Blackouts vorbereiten. Tipps zu Notvorrat, Technik und Heizung für eine sichere Krisenvorsorge.
Ein langanhaltender Stromausfall stellt Haushalte vor enorme Herausforderungen. Kerzen sind dabei nicht die beste Lösung.
Foto: Smarterpix / sash2skt@gmail.com
Der aktuelle Stromausfall in Berlin macht deutlich, wie anfällig unsere Infrastruktur ist und wie lange es dauern kann, bis ein Blackout behoben ist. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin geht davon aus, dass die vollständige Wiederversorgung erst am Nachmittag des 8. Januars abgeschlossen sein wird. Das sind noch fünf Tage.
Von dem Ausfall sind rund 45.400 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde betroffen. Diese müssen nun schauen, wie sie diese Zeit überbrücken können. Wir haben zusammengestellt, was auf die Betroffenen zukommt und wie sie sich helfen können.
Inhaltsverzeichnis
Warum das Netz tagelang ausfallen kann
Stromausfälle haben vielfältige Ursachen. Technische Defekte oder Unfälle bei Bauarbeiten kommen häufig vor. Auch Naturgewalten wie schwere Stürme, Hochwasser, Lawinen oder Schneemassen beschädigen die Leitungen. In der jüngeren Vergangenheit rücken zudem menschliche Einflüsse in den Fokus. Dazu zählen Sabotageakte auf physische Infrastruktur oder Cyberangriffe auf die IT-Systeme der Energieversorgenden.
Im aktuellen Berliner Fall führte ein Brand an einer strategisch wichtigen Kabelbrücke zum Ausfall mehrerer Hochspannungsleitungen. Ein Sprecher von Stromnetz Berlin verglich die Dimension mit einem Vorfall im Herbst, bei dem ein politisch motivierter Anschlag auf Strommasten die Versorgung im Südosten der Stadt unterbrach. Solche Ereignisse zeigen: Die Wiederherstellung komplexer Netzstrukturen benötigt Zeit, oft mehrere Tage.
Die Folgen für den Alltag
Ein langanhaltender Stromausfall beeinträchtigt fast alle Lebensbereiche. Ohne Elektrizität bleiben die meisten Heizungssysteme kalt, da Pumpen und Steuerungen keinen Strom erhalten. Die Küche bleibt dunkel, der Herd funktioniert nicht. Kühlschränke und Gefriertruhen tauen ab. In vielen Gebäuden stoppt zudem die Wasserversorgung, wenn elektrische Pumpen den Druck nicht mehr aufrechterhalten können. Sogar die Toilettenspülung versagt in manchen Fällen den Dienst.
Draußen setzt sich die Kettenreaktion fort. Supermärkte und Restaurants schließen ihre Türen. Tankstellen können keinen Kraftstoff mehr fördern. Geldautomaten verweigern die Auszahlung und Kartenzahlungen sind unmöglich. Auch die Kommunikation leidet massiv. Das Mobilfunknetz bricht nach einiger Zeit zusammen, wenn die Pufferbatterien der Sendemasten leer sind. Adrian Wentzel, Sprecher der Feuerwehr, betont die Schwierigkeit der Lage im Winter: „Es ist ein deutlicher Unterschied zum Sommer: Es wird um 16.00 Uhr dunkel, es wird kalt.“
Strategien gegen die Kälte
Wenn die Heizung ausfällt, wird die Wohnung schnell zum Kühlfach. In dieser Situation hilft das Zwiebelprinzip: Tragen Sie mehrere Schichten warmer Kleidung und nutzen Sie Decken. Um die Restwärme in der Wohnung zu halten, sollten Sie sich auf einen einzigen Raum konzentrieren. Halten Sie die Türen zu den übrigen Zimmern geschlossen.
Wer über einen Kamin oder einen Ofen verfügt, sollte stets einen Vorrat an Holz, Kohle oder Briketts im Haus haben. Alternative Heizquellen müssen jedoch mit Vorsicht genossen werden. Die Feuerwehr warnt ausdrücklich vor gasbetriebenen Geräten in Innenräumen ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen. Achten Sie auf Geräte mit Sauerstoffmangel- und Zündsicherung. Ein Kohlenmonoxid-Warnmelder erhöht die Sicherheit deutlich. Trotz der Kälte bleibt regelmäßiges Lüften unerlässlich, besonders wenn Kerzen brennen. „Lieber Taschenlampen als Kerzen benutzen“, rät die Berliner Feuerwehr, um Brandgefahren zu minimieren.
Ernährung ohne elektrische Hilfe
Ein gut sortierter Notvorrat ist in Krisenzeiten die beste Versicherung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt eine Reserve für zehn Tage. Wer diesen Vorrat nach und nach beim regulären Einkauf aufbaut, vermeidet Hamsterkäufe und leere Regale. Wichtig ist eine Mischung aus Lebensmitteln, die auch kalt verzehrt werden können.
Für warme Mahlzeiten eignen sich Campingkocher oder kleine Spirituskocher. Auch ein Fondue-Set kann im Notfall Speisen erwärmen. Wer einen Garten oder Balkon besitzt, kann den Grill nutzen. Doch Vorsicht: Nutzen Sie Holzkohle- oder Gasgrills niemals in der Wohnung. Es besteht akute Erstickungsgefahr durch Kohlenmonoxid.
Planen Sie pro Person und Tag etwa zwei Liter Wasser ein. Davon entfallen 0,5 Liter auf die Zubereitung von Speisen wie Reis oder Nudeln. Denken Sie bei der Planung auch an Spezialkost für Diabetikerinnen und Diabetiker, Allergikerinnen und Allergiker oder Babys sowie an Futter für Haustiere.
| Lebensmittelgruppe | Menge für 10 Tage (pro Person) |
| Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln | 3,5 kg |
| Gemüse, Hülsenfrüchte | 4,0 kg |
| Obst, Nüsse | 2,5 kg |
| Milch und Milchprodukte | 2,6 kg |
| Fisch, Fleisch, Eier | 1,5 kg |
| Fette, Öle | 0,36 kg |
Technische Vorsorge und Kommunikation
Im Krisenfall sind Informationen die wichtigste Ressource. Behörden geben Anweisungen oft über den Rundfunk durch. Ein Kurbelradio oder ein batteriebetriebenes Radio mit Ersatzbatterien sollte in keinem Haushalt fehlen. So bleiben Sie unabhängig vom Internet und Mobilfunk informiert.
Für die Beleuchtung sind LED-Taschenlampen, Solarlampen oder aufladbare Leuchten ideal. Halten Sie Powerbanks für Ihre Mobilgeräte bereit. Solarbetriebene Ladegeräte bieten hier eine zusätzliche Unabhängigkeit. In betroffenen Gebieten wie Berlin richten Behörden oft sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme ein. Diese Anlaufstellen dienen als Informationsknotenpunkte und bieten teilweise die Möglichkeit, Akkus zu laden.
Ein oft unterschätzter Punkt ist das Bargeld. Da elektronische Bezahlsysteme und Geldautomaten ohne Strom nicht funktionieren, sollten Sie stets eine Reserve in kleinen Scheinen und Münzen zu Hause aufbewahren. So sichern Sie sich die Handlungsfähigkeit, falls Geschäfte in der Umgebung noch Waren gegen Barzahlung abgeben.
Sicherheit nach der Rückkehr des Stroms
Sobald der Strom wieder fließt, drohen neue Gefahren. Schalten Sie alle Geräte aus, die Sie vor dem Ausfall genutzt haben. Dazu gehören insbesondere Herdplatten, Bügeleisen oder Wasserkocher. Wenn das Netz wieder aktiviert wird, könnten diese Geräte unkontrolliert in Betrieb gehen und Brände verursachen.
Prüfen Sie zudem Ihre Vorräte in Kühlschrank und Tiefkühltruhe. Nach einem mehrtägigen Ausfall sind viele Lebensmittel wahrscheinlich nicht mehr sicher für den Verzehr. Dokumentieren Sie eventuelle Schäden für Ihre Versicherung, bevor Sie die Lebensmittel entsorgen.
Ein Stromausfall über mehrere Tage ist ein Belastungstest für die Geduld und die Vorbereitung. Solidarität spielt in diesen Zeiten eine große Rolle. Prüfen Sie, ob Sie älteren Menschen oder hilfsbedürftigen Nachbarinnen und Nachbarn beistehen können. Oft hilft schon ein heißer Tee vom Campingkocher oder das Angebot, bei Freunden mit funktionierender Heizung unterzukommen. (Mit Material der dpa)
Ein Beitrag von: