Alternative zur Klimaanlage? 24.06.2025, 18:49 Uhr

Metafolie aus Bioplastik hält Wärme ab und kühlt ohne Strom

Bioplastik-Folie kühlt Gebäude ohne Strom. Bis zu 20 % Energieeinsparung möglich. Nachhaltige Alternative zur Klimaanlage.

Klimaanlage

Braucht es künftig weniger Klimaanlagen? Forschende haben eine Kühlfolie entwickelt, die 20 % Energieersparnis verspricht.

Foto: Smarterpix / andrei111

In heißen Gegenden der Welt gehört die Klimaanlage zum Standard. Doch sie frisst Strom, belastet Stromnetze und trägt durch ihre CO₂-Emissionen zur Klimaerwärmung bei. Forschende aus China und Australien haben nun ein Material entwickelt, das die Notwendigkeit für energieintensive Kühlsysteme senken könnte: eine Kühlfolie aus Bioplastik. Sie reflektiert fast die gesamte Sonneneinstrahlung und kühlt Oberflächen sogar unter die Umgebungstemperatur – ganz ohne Strom.

Die Idee hinter der Metafolie

Die sogenannte Metafolie basiert auf Polymilchsäure, einem biologisch abbaubaren Kunststoff aus pflanzlichen Rohstoffen. Forschende der Zhengzhou-Universität und der University of South Australia haben sie speziell für den Einsatz auf Gebäudedächern, Fassaden oder technischen Oberflächen entwickelt. Der Clou: Die Folie nutzt das Prinzip der passiven Strahlungskühlung. Sie reflektiert sichtbares Licht und gibt gleichzeitig Wärme als Infrarotstrahlung in den Weltraum ab.

„Unsere Metafolie bietet eine umweltfreundliche Alternative zur Klimaanlage, die erheblich zu den CO₂-Emissionen beiträgt“, sagt Yangzhe Hou von der University of South Australia.

Stellenangebote im Bereich Energie & Umwelt

Energie & Umwelt Jobs
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Netz Leipzig GmbH-Firmenlogo
Teamleitung (m/w/d) Leitstelle Strom Netz Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
Duale Hochschule Sachsen (DHSN)-Firmenlogo
W2-Professur für "Umweltanalytik und Umwelttechnik" (m/w/d) Duale Hochschule Sachsen (DHSN)
GW Batterien GmbH-Firmenlogo
Anwendungstechniker (m/w/d) GW Batterien GmbH
Zwickau Zum Job 
naturenergie netze GmbH-Firmenlogo
Ingenieur als Teamleiter Netzleitstelle (m/w/d) naturenergie netze GmbH
Rheinfelden (Baden), Donaueschingen Zum Job 
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur / Elektrotechniker (m/w/d) AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Alltech Dosieranlagen GmbH-Firmenlogo
Vertriebs- und Projektingenieur (m/w/d) Schwerpunkt: Verfahrenstechnik / Umwelttechnik / Elektrotechnik Alltech Dosieranlagen GmbH
Weingarten Zum Job 
SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH-Firmenlogo
Vermessungsingenieur / Geodäsie (m/w/d) SOCON Sonar Control Kavernenvermessung GmbH
Gießen Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker (gn) für Kanal- und Entwässerungsplanung Stadtwerke Essen AG
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Region Hamburg, Berlin oder Düsseldorf / Köln (West) Zum Job 
Landkreis Wesermarsch-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur*in (m/w/d) / Bachelor / Master der Fachrichtungen Agrarwirtschaft, Landespflege, Landschaftsplanung/-entwicklung oder Landschaftsökologie Landkreis Wesermarsch
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
PhD Position - Techno-economic assessment of geothermal plants with material co-production in energy systems Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Landkreis Friesland-Firmenlogo
Kommunaler Energiemanager (m/w/d) Landkreis Friesland
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Ingenieur (w/m/d) für Geotechnik, Abfall, Altlasten und Georisiken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
HIC Consulting-Firmenlogo
Geschäftsführer (m/w/d) HIC Consulting
Hamburg Zum Job 
Hochschule Emden/Leer-Firmenlogo
Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in im Projekt "OS-Lotse" Hochschule Emden/Leer
Stadt Langenhagen-Firmenlogo
Leiter (m/w/d) der Abteilung Stadtgrün und Friedhöfe Stadt Langenhagen
Langenhagen Zum Job 

Wie funktioniert passive Strahlungskühlung?

Anders als klassische Kühltechnologien benötigt die Folie keine externe Energiezufuhr. Sie nutzt die thermodynamische Eigenschaft bestimmter Materialien, überschüssige Wärme über sogenannte atmosphärische Fenster ins All abzuleiten. Diese liegen im Infrarotbereich, in dem die Erdatmosphäre besonders durchlässig ist.

Damit diese Methode funktioniert, braucht das Material:

  • eine hohe Rückstrahlung des Sonnenlichts (gegen Aufheizung),
  • eine starke Emission im Infrarotbereich (zur Wärmeabgabe) und
  • eine geringe Wärmeleitfähigkeit (um die Hitze draußen zu halten)

Die Mikrostruktur macht den Unterschied

Der Metafilm entsteht durch eine spezielle Kältetrenntechnik, bei der zwei Varianten von Polymilchsäure kombiniert werden: PLLA und PDLA. Daraus bildet sich eine bi-kontinuierliche Struktur, die an ein feines, poröses Netz erinnert. Dieses Mikrodesign ermöglicht außergewöhnliche Eigenschaften:

  • 98,7 % Sonnenlichtreflexion
  • 96,6 % Infrarot-Emission
  • ultraniedrige Wärmeleitfähigkeit von 0,049 W/mK

Diese Kombination sorgt dafür, dass die Oberfläche kühler bleibt als die Umgebungsluft – selbst bei starker Sonneneinstrahlung.

Funktionsweise der Kühlfolie

Eine Illustration des Biokunststoff-Metafilms, der Gebäude passiv kühlt und den jährlichen Energieverbrauch in Städten um bis zu 20 % senken könnte.

Foto: University of South Australia

Feldversuche unter Extrembedingungen

In einem Außentest im chinesischen Zhengzhou hielten die Forschenden die mit PLA-Folie bedeckte Oberfläche tagsüber 4,9 °C unter der Umgebungstemperatur, nachts sogar 5,1 °C. Herkömmliche PLA-Folien erreichen nur 2–3 °C Temperaturdifferenz.

Besonders relevant: Auch bei hoher Luftfeuchtigkeit, starker UV-Strahlung und sogar nach 120 Stunden in saurer Lösung (pH 1) blieb die Kühlleistung der Folie stabil. Der Film widerstand einer simulierten UV-Belastung, die acht Monaten im Freien entspricht.

„Im Gegensatz zu herkömmlichen Kühltechnologien benötigt diese Metafolie weder Strom noch mechanische Systeme“, erklärt Dr. Xianhu Liu von der Zhengzhou-Universität.

Energieeinsparung für Gebäude

Simulationen zeigen: In Städten wie Lhasa kann die Folie den jährlichen Energieverbrauch von Gebäuden um mehr als 20 % senken. Das liegt daran, dass weniger Kühlenergie nötig ist. Besonders in heißen Klimazonen könnte dies die Nachfrage nach Klimaanlagen deutlich reduzieren. Auch mobile Anwendungen in der Landwirtschaft oder im Transportwesen sind denkbar.

„Unsere Folie ist skalierbar, langlebig und vollständig abbaubar“, sagt Co-Autor Professor Jun Ma von der University of South Australia.

Vorteile gegenüber klassischen Kühlmethoden

Die meisten heutigen passiven Kühlsysteme bestehen aus petrochemischen Kunststoffen oder Keramik. Sie sind langlebig, aber schwer zu recyceln. Die neue PLA-Folie dagegen basiert auf einem kommerziell erhältlichen, pflanzenbasierten Biokunststoff. Ihre Herstellung kommt ohne Nanopartikel oder aufwendige Beschichtungen aus – ein Pluspunkt für Umweltfreundlichkeit und Recycling.

Zudem lässt sich die Produktion mit industriellen Methoden skalieren. Das macht die Metafolie nicht nur technisch interessant, sondern auch wirtschaftlich attraktiv.

Potenzielle Anwendungen: Mehr als nur Gebäudekühlung

Neben der energetischen Sanierung von Gebäuden denken die Forschenden bereits weiter. Die Metafolie könnte auch auf Transportcontainern, Fahrzeugdächern, landwirtschaftlichen Gewächshäusern oder sogar elektronischen Geräten zum Einsatz kommen. Auch in der Medizin – etwa als kühlende Auflage für Wunden – sehen die Entwickler Potenzial.

Langfristig könnten solche Materialien dabei helfen, den Einsatz strombasierter Kühltechnik weltweit zu verringern. Das entlastet Stromnetze, reduziert die CO₂-Emissionen und erhöht den Komfort – besonders dort, wo Menschen bisher auf Kühlung verzichten mussten.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.