3D-Druck Lichtkäfige ermöglichen neuartige Licht-Materie-Plattform
3D-gedruckte Lichtkäfige zeigen, wie sich quantisierte Lichtimpulse kurzzeitig auf einem Chip speichern lassen – bei Raumtemperatur, aber mit klaren Grenzen.
Künstlerische Darstellung mehrerer Lichtkäfige mit Hohlkern. Die Lichtkäfige ermöglichen integrierbare Kurzzeit-Speicherung von Licht. Warum das technisch relevant ist – und warum es noch kein Quanten-RAM ersetzt.
Foto: Esteban Gómez-López et al., Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)
Forschende der Humboldt-Universität zu Berlin, des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien und der Universität Stuttgart haben eine chipbasierte Plattform vorgestellt, mit der sich Lichtimpulse kurzzeitig in atomaren Medien speichern lassen. Der Ansatz kombiniert photonische Strukturen und atomaren Dampf auf einem Siliziumchip und dient als Demonstrator für integrierbare Licht-Materie-Wechselwirkungen bei Raumtemperatur.
Inhaltsverzeichnis
Reichweitenproblem in Quantennetzwerken und was Speicher leisten müssten
In Quantennetzwerken nimmt die Signalstärke mit der Übertragungsdistanz rapide ab, da einzelne Photonen in Glasfasern verloren gehen. Klassische Verstärker sind hier ungeeignet, weil sie Quantenzustände nicht verlustfrei kopieren können. Für größere Entfernungen sind daher sogenannte Quantenrepeater erforderlich. Diese benötigen Zwischenspeicher, die Quantenzustände kontrolliert puffern, synchronisieren und weiterverarbeiten können.
Die Entwicklung solcher Speicher gilt als eine der zentralen technischen Hürden für skalierbare Quantennetzwerke. Bisherige Ansätze erfordern häufig komplexe Aufbauten oder tiefe kryogene Temperaturen, was ihre Integration in kompakte Systeme erschwert.
3D-gedruckte Lichtkäfige auf Silizium
Der nun vorgestellte Ansatz setzt auf sogenannte „Lichtkäfige“. Das sind mikroskopische Hohlkern-Wellenleiter, die direkt auf einem Siliziumchip gefertigt werden. Die Strukturen entstehen mittels Zwei-Photonen-Polymerisationslithografie, einem hochauflösenden 3D-Nanodruckverfahren. Dadurch lassen sich komplexe Geometrien mit hoher Reproduzierbarkeit herstellen.
Im Inneren der Wellenleiter befindet sich atomarer Cäsiumdampf. Die Geometrie der Lichtkäfige sorgt dafür, dass Licht stark räumlich eingeschlossen wird und intensiv mit den Atomen wechselwirkt. Im Unterschied zu klassischen Hohlkernfasern besitzen die gedruckten Strukturen seitliche Öffnungen, über die der atomare Dampf deutlich schneller in den Kern diffundiert. Statt monatelanger Wartezeiten dauert dieser Prozess nur wenige Tage.
Stabilität und Fertigungspräzision
Um die Polymerstrukturen vor chemischer Degradation durch den Cäsiumdampf zu schützen, werden sie mit einer speziellen Beschichtung versehen. Langzeittests zeigen, dass die optischen Eigenschaften der Lichtkäfige über mehrere Jahre stabil bleiben.
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist die hohe Fertigungspräzision: Innerhalb eines Chips liegen die geometrischen Abweichungen bei unter zwei Nanometern, zwischen verschiedenen Chips unter etwa 15 Nanometern. Diese Reproduzierbarkeit ist eine Voraussetzung dafür, mehrere identische Strukturen parallel auf einem Chip betreiben zu können.
Was tatsächlich gespeichert wird – und was nicht
In den Experimenten wandelte das Team schwache Lichtimpulse in kollektive atomare Anregungen um und setzte sie nach kurzer Zeit wieder frei. Die Speicherzeiten lagen im Bereich von mehreren hundert Nanosekunden. Gespeichert wurden dabei Lichtimpulse mit sehr geringer Photonenzahl.
Wichtig ist die begriffliche Einordnung: Gespeichert werden quantisierte optische Anregungen, nicht langlebige Quantenbits im Sinne eines Quanten-RAMs. Die derzeit erreichbaren Speicherzeiten sind zu kurz, um als praktikabler Zwischenspeicher für Quantenrepeater zu dienen. Hauptlimitierend ist die bislang unzureichende Kontrolle der atomaren Kohärenz, unter anderem durch Magnetfeld-bedingte Dephasierung.
Bedeutung des Ansatzes
Trotz dieser Einschränkungen stellt die Arbeit einen relevanten technologischen Nachweis dar. Sie zeigt, dass sich kontrollierte Licht-Materie-Wechselwirkungen in eine siliziumkompatible, chipfähige Architektur integrieren lassen – und das ohne kryogene Kühlung. Der Betrieb bei Temperaturen leicht oberhalb der Raumtemperatur reduziert den systemtechnischen Aufwand erheblich.
Ob sich aus diesem Ansatz künftig funktionale Quantenspeicher mit deutlich längeren Speicherzeiten entwickeln lassen, ist offen. Dafür wären Fortschritte bei der Magnetfeldkontrolle, der Kohärenzerhaltung und der Einzelphotonen-Handhabung notwendig. Die vorliegende Arbeit liefert keinen Baustein für ein unmittelbar realisierbares Quanteninternet, zeigt jedoch einen möglichen Entwicklungsweg für integrierte photonisch-atomare Plattformen.
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