Flussbatterie neu gedacht: Protonen statt Lithium für Langzeitspeicher
Langzeitspeicher ohne Lithium: Protonen-Elektrolyt verspricht mehr Sicherheit bei Netz- und Großbatterien.
Flussbatterie neu gedacht: Wasserstoffionen ersetzen Lithium in Langzeitspeichern.
Foto: Smarterpix / Designer_things
Wind und Sonne liefern Strom, wenn das Wetter mitspielt. Das Netz braucht ihn aber genau dann, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher ihn abrufen. Diese Lücke schließen Speicher. Doch je größer die Energiemengen werden, desto deutlicher zeigen sich die Grenzen klassischer Lithium-Ionen-Batterien.
Sie kennen das Prinzip aus Handy oder Laptop. Lithium-Ionen wandern zwischen zwei Elektroden hin und her. Das funktioniert gut im kleinen Maßstab. Für große Speicheranlagen mit vielen Megawatt Leistung wird es komplex. Organische Elektrolyte sind brennbar. Kühlung, Sicherheitssysteme und Rohstoffabhängigkeiten treiben die Kosten.
Forschende der Case Western Reserve University suchen deshalb nach Alternativen. Ihr Ansatz: eine Flussbatterie mit einem Elektrolyten, der Protonen statt Lithium-Ionen transportiert. Die Ergebnisse erschienen in den Proceedings of the National Academy of Sciences.
Große Tanks, flexibles System
Flussbatterien denken Energie anders. Die aktive Substanz steckt in Flüssigkeiten, die in separaten Tanks lagern. Über Pumpen strömen sie durch eine elektrochemische Zelle. Dort wird Energie gespeichert oder abgegeben.
Der entscheidende Vorteil: Die Kapazität hängt von der Tankgröße ab. Wenn Sie mehr Energie speichern wollen, vergrößern Sie die Tanks. Das Zellmodul bleibt gleich. Für stationäre Anwendungen – etwa Windparks, Quartierspeicher oder Rechenzentren – ist das attraktiv.
Bisherige Systeme setzen oft auf Vanadium oder organische Redox-Moleküle. Das Team aus Cleveland verfolgt einen anderen Ansatz.
Protonen springen von Molekül zu Molekül
Im Mittelpunkt steht ein neu entwickelter Elektrolyt. Er ist weniger flüchtig und damit weniger anfällig für Verdunstung oder Entzündung. Das allein wäre schon ein Pluspunkt für große Anlagen.
Spannender ist jedoch der Transportmechanismus. Statt vergleichsweise großer Ionen durch eine zähflüssige Lösung zu bewegen, nutzen die Forschenden Protonen – also Wasserstoffionen. Diese bewegen sich nicht klassisch durch die Flüssigkeit, sondern springen von Molekül zu Molekül. Chemikerinnen und Chemiker sprechen vom Grotthuss-Mechanismus.
Die leitende Wissenschaftlerin Burcu Gurkan erklärt das so: „Wir haben akzeptiert, dass diese Flüssigkeiten aus Sicherheitsgründen dickflüssig sein müssen. Aber anstatt große geladene Teilchen zu zwingen, sich durch diese dickflüssige Flüssigkeit zu drängen, lassen wir winzige Wasserstoffionen von Molekül zu Molekül springen, um ihren Weg zur Elektrode zu finden.“
Das klingt nach Detailarbeit im Labor. Tatsächlich beeinflusst dieser Mechanismus direkt die Leitfähigkeit. Robert Savinell, Mitautor der Studie, formuliert es so:
„Diese Art der Leitfähigkeit wird nicht so stark von der Viskosität – oder Dicke – der Lösung beeinflusst. Dadurch können Protonen leicht geleitet werden, während die Flüssigkeit nichtflüchtig und sicher bleibt.“
Sicherheit und Skalierung im Blick
Für stationäre Großspeicher zählt nicht nur die Energiedichte. Entscheidend sind Lebensdauer, Wartungsaufwand und Sicherheit. Lithium-Ionen-Zellen können bei Fehlfunktionen thermisch durchgehen. Für ein Einfamilienhaus ist das schon problematisch. Für eine Anlage im Megawattbereich wird es kritisch.
Flussbatterien trennen Energiespeicher und Reaktionsraum räumlich. Das reduziert Risiken. Ein nichtflüchtiger, protonenleitender Elektrolyt könnte diesen Vorteil weiter stärken.
Gleichzeitig bleibt die Entwicklung realistisch eingeordnet. Gurkan sagt offen:
„Wir sind noch nicht so weit, dass wir einfach mit dieser Idee loslegen und die Flussbatterie herstellen können. Sie hat noch nicht die chemische Löslichkeit, die wir für die von uns gewünschte Energiespeicherdichte benötigen. Das ist eine der nächsten Herausforderungen, die wir lösen müssen.“
Die Energiedichte ist also noch ausbaufähig. Für stationäre Anwendungen ist sie weniger kritisch als im Fahrzeug. Dennoch muss sie hoch genug sein, damit Tanks und Infrastruktur wirtschaftlich bleiben.
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