Unternehmensporträt 20.12.2024, 11:45 Uhr

KI analysiert MRT-Bilder binnen Sekunden

Das Start-up Mediaire unterstützt mit einer KI bei der Diagnose von Erkrankungen des Gehirns, der Prostata und des Knies.

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Die KI analysiert in Sekundenschnelle bis zu 1000 Schnittbilder und markiert Stellen, die auf eine Erkrankung hinweisen.

Foto: mediaire/Jonas Hoffmann

Die Magnetresonanztomografie (MRT) hat die Arbeit von Radiologen grundlegend verändert: Sie ermöglicht es, das Gehirn und andere Organe des Körpers dreidimensional und in Schnittbildern darzustellen. Das Ziel ist, rechtzeitig krankhafte Veränderungen zu erkennen – etwa ein winziges Hirnaneurysma, also eine Arterienerweiterung, die unbehandelt eine Hirnblutung auslösen kann. Doch diese Revolution bringt auch Stress in die radiologischen Praxen.

Andreas Lemke, Mitgründer von Mediaire: Die automatische Hirnvolumenbestimmung hilft, eine Demenz frühzeitig zu erkennen.

Foto: mediaire/Michel Buchmann

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„Die Analyse von bis zu 1000 Schnittbildern pro MRT-Untersuchung ist sehr zeitintensiv. Radiologen bleiben durchschnittlich nur zwei bis drei Minuten für diese Arbeit – aufgrund der festen Vergütung pro Patienten“, sagt der promovierte Medizinphysiker Andreas Lemke, Geschäftsführer und Mitgründer des Berliner Start-ups Mediaire. „Dieser Zeitdruck führt oft zu einer Überforderung und birgt die Gefahr, krankhafte Veränderungen zu übersehen.“

Mediaire GmbH

  • Gründung: 2018
  • Branche: Medizintechnik
  • Mitarbeiter: 30
  • Vertrieb: weltweit
  • Umsatz: k. A.

MRT mit Hilfe von KI: Radiologen können die Diagnostik verbessern und beschleunigen

Immer mehr Patienten beklagen laut Lemke zudem lange Wartezeiten von bis zu zwei Monaten, um Probleme wie Schmerzen am Knie oder der Wirbelsäule abklären zu lassen. „Um für mehr Entlastung und Sicherheit zu sorgen, haben wir eine künstliche Intelligenz entwickelt. Sie analysiert in kürzester Zeit Hunderte MRT-Bilder und markiert verdächtige Stellen. Radiologen können dank ihrer Unterstützung mehr Patienten versorgen und gleichzeitig die Diagnostik verbessern.“

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Die Lösung der Berliner funktioniert so: Radiologen nutzen in der Regel ein sogenanntes Picture Archiving and Communication System (PACS), das medizinische Bilddaten von MRTs speichert, verwaltet und für die Diagnostik auf eine Bildkonsole schickt. Mediaire erweitert dieses System nun um eine KI-gestützte Software, welche aus Datenschutzgründen nicht in der Cloud läuft, sondern direkt in die IT des Radiologen integriert ist. Die KI analysiert in Sekundenschnelle bis zu 1000 Schnittbilder pro MRT-Untersuchung. Findet die Software beispielsweise im Gehirn eine verdächtige Veränderung in der Gewebestruktur, die auf einen Tumor im Anfangsstadium hinweisen könnte, markiert sie diese Stelle.

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Zur genauen Abklärung der Verdachtsstellen liefert die Software quantitative Informationen über Lage, Ausmaß und Volumen der Auffälligkeit. „Besonders die Bestimmung eines 3D-Volumens ist bei der Analyse von MRT-Bildern eine komplexe Aufgabe, für die in den meisten radiologischen Praxen nicht viel Zeit bleibt. Die KI erledigt diesen Schritt nun automatisch“, so Lemke.

Die Software sei darüber hinaus auch geeignet, um Demenz effizienter zu erkennen. Bereits im Anfangsstadium dieser Krankheit kommt es oft zu einem minimalen Verlust von Hirngewebe und einer Veränderung des Gehirnvolumens. Das Problem: Die manuelle Volumenbestimmung ist zeitaufwendig und krankhafte Veränderungen lassen sich zudem nur schwer diagnostizieren, weil das Volumen je nach Alter, Geschlecht und Schädelvolumen ohnehin variiert.

„Wir haben die KI deshalb mit MRT-Bildern des Gehirns von Tausenden Probanden trainiert, sodass sie Abweichungen von der Norm zuverlässig und schnell erkennen kann. Diese Automatisierung führt in der Demenzdiagnostik zu einer nachgewiesenen Zeitersparnis von 57 %.“ Ähnlich optimieren ließen sich die Analysen mittlerweile auch in anderen Bereichen, für die Mediaire KI-Produkte entwickelt hat: Neben „mdbrain“ für die Analyse von MRT-Bildern des Gehirns existieren die Varianten „mdprostate“ für die Befundung von Prostata-MRTs und „mdknee“ für die automatisierte Auswertung von Knie-MRTs.

High-Tech-Gründerfonds zählte zu den ersten Investoren

Lemke hat Mediaire 2018 gegründet, gemeinsam mit dem promovierten Datenspezialisten und MRT-Physiker Jörg Döpfert. Erste Investoren für das Unternehmen waren schnell gefunden, unter anderem der High-Tech Gründerfonds (HTGF) aus Bonn, LIFTT aus Italien und Gateway Ventures. „Weltweit gibt es höchstens zehn Firmen, die auf die KI-gestützte Auswertung von MRT-Bildern spezialisiert sind. Wir haben also noch ausreichend Marktpotenzial gesehen“, so Lemke.

Mittlerweile laufe die KI-Software, die neun Monate nach Gründung als zertifiziertes Medizinprodukt auf den Markt gekommen ist, in über 350 Kliniken und radiologischen Praxen. Doch es bleibt Luft nach oben. Deshalb hat das Unternehmen im vierten Quartal 2024 weitere 12 Mio. € eingesammelt. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von der französischen Investment Plattform LBO France als Leadinvestor, begleitet von IBB Ventures und Wille Finance.

„Wir sind überzeugt, dass Technologie Leben verbessern kann“, sagt Matthes Seeling, Investment Director bei LBO France. „Mediaires Ausrichtung spiegelt unseren festen Glauben an die transformative Kraft von Gesundheitstechnologie zum Wohle von Fachkräften und Patientinnen und Patienten wider. Das engagierte Team adressiert einen dringenden Bedarf im Gesundheitswesen, insbesondere vor dem Hintergrund weltweit steigender Nachfrage nach schneller, präziser und erschwinglicher Diagnostik.“

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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