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Roboter-Handschuh erleichtert Leben nach Schlaganfall

06. Februar 2026

Handorthese
Endlich wieder Kontrolle: Dank der Handorthese wird das Greifen wieder möglich. Steuern lässt sich das System per App und Sprachbefehl. Foto: Powered Orthotics
Medizintechnik: Nach einem Schlaganfall ist oft eine Hand gelähmt. Ein Roboterhandschuh mit Sprachsteuerung des Heidelberger Start-ups Powered Orthotics soll Betroffenen Lebensqualität zurückgeben.
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Schlaganfälle kommen meist wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Am Morgen geht der Betroffene noch spazieren. Plötzlich kann er oder sie nicht mehr richtig sprechen, sehen und sich bewegen. Meist halbseitig. Ist die linke Hirnhälfte betroffen, äußern sich die Beschwerden rechts und umgekehrt. Das liegt daran, dass die Nervenbahnen für Bewegungen im Hirnstamm die Seite kreuzen. Ist der Patient dann nach der Akutphase außer Lebensgefahr, sollte er möglichst schnell eine Rehabilitation beginnen.

Dann macht er sich die neuronale Plastizität des Gehirns zunutze, also die Fähigkeit durch gezieltes Training alternative Nervenbahnen aufzubauen. Moderne Hand-Orthesen können ihn im Alltag unterstützen, beispielsweise ein Glas Milch zu greifen. Allerdings nur dann, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist.

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„Motorbetriebene Hand-Orthesen kosten schnell über 40.000 Euro, weil sie meist passgenau angefertigt werden. Das macht die Finanzierung über Krankenkassen in vielen Fällen schwierig“, sagt Ryan Alicea, Medizintechniker und Gründer des Start-ups Powered Orthotics aus Heidelberg auf der Fachmesse Medica 2025 in Düsseldorf.

Führung: Ryan Alicea ist CEO von Powered Orthotics. Sein Produkt entstand aus einer Doktorarbeit an der Universität Heidelberg.

Kleiner Stand im Start-up-Park

Alicea hat einen kleinen Stand im Start-up-Park, wo junge Gründer Medizin-Innovationen präsentieren. Dort zeigt er, etwas unscheinbar und fernab des Trubels der großen Konzerne, stolz seine Erfindung.

Der Roboterhandschuh verzichte auf teure Anpassungen an den Patienten, sei aber „gut genug, um einer gelähmten Hand wieder Kraft zu geben und Lebensqualität zurückzugewinnen.“

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Patienten wünschen sich laut Ryan Alicea im Alltag eine unscheinbare Technik. Sie wollen nicht wie Roboter wirken. Entsprechend dezent ist die Orthese designt. Basis ist ein schwarzer Stoffhandschuh, der außen mit einem schwarzen Kunststoff-Exoskelett verstärkt ist. Entlang der Innen- und Außenseite verlaufen nicht sichtbare, künstliche Sehnen aus Polyethylen. Diese ziehen an den Kunststoffelementen und erzeugen so eine Beugung der Finger.

Antrieb über ein Modul mit zwei Motoren und Akkupack

Der Antrieb erfolgt nicht direkt im Handschuh, sondern über ein Modul mit zwei Motoren und Akkupack, das der Patient als Rucksack oder Brustbeutel trägt. Von dort führt ein Leitungspaket zu einem Handgelenkmodul, das sich mit einem Magnetverschluss an- und abkoppeln lässt. In dieser kleinen Box, kaum größer als eine Uhr, bewegen sich zwei kleine Zahnräder.

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Angetrieben von jeweils einem Motor im Rucksack, bringen sie Zug auf die künstlichen Sehnen und ermöglichen so ein Beugen und Strecken der Finger. Die maximale Greifkraft beträgt etwa drei Kilogramm. Im Fitnessstudio Hanteln stemmen ist damit zwar nicht möglich. Wohl aber die Bewältigung vieler kleiner Aufgaben des Alltags wie das Halten von Gläsern und Besteck. Der Akku hält für über acht Stunden.

Powered Orthotics löst mit der Orthese auch ein weiteres Problem vieler Schlaganfall-Patienten. So ist es nach einem schweren Schlaganfall üblich, dass sich die Hand dauerhaft zu einer Faust zusammenballt. Grund ist eine Spastik, die eine fehlerhafte Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln verursacht. „Für solche Menschen ist es kaum möglich, Handschuhe anzuziehen. Viele Trainingsgeräte auf dem Markt kommen für sie somit nicht infrage“, erklärt Alicea.

Powered Orthotics UG

Doktor der Medizintechnik

Ryan Alicea ist gebürtiger Amerikaner. Der 33-Jährige hat an der Florida State University studiert und anschließend an der Universität Heidelberg seinen Doktor in Medizintechnik gemacht. Parallel dazu baute er einen ersten Prototypen seiner Hand-Orthese. Ein Schlüsselmoment war dann der Besuch eines Mannes im Universitätsklinikum Heidelberg.

Der gelernte Metalltechniker hatte einen Autounfall, verletzte sich das Rückenmark und konnte seither die Hände nicht mehr kontrolliert bewegen. „Ich erinnere mich noch genau, wie der Mann mit unserer Orthese zum ersten Mal wieder greifen konnte. Seine Augen leuchteten, weil er endlich wieder ein Gefühl der Kontrolle hatte“, erzählt Alicea.

Dieser Moment sorgte für einen weiteren Motivationsschub, sodass der Medizintechniker 2025 das Start-up gründete, gemeinsam mit der Gesundheitsfachkraft Shaymaa Abdelhamid. Die Gründer erhielten rund 1,1 Millionen Euro Förderung vom EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. Derzeit stehen sie von einer Pre-Seed-Runde. Außerdem ist ein Umzug in neue Büros nach Mannheim geplant. Dort will das junge Unternehmen 2026 mit einer Serie von etwa 60 Handorthesen starten.



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