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Quanten-Hall-Effekt 2.0: Würzburger Forschern gelingt optischer Coup

28. März 2026

Eine Kette gekoppelter, elliptischer Mikrosäulen – sogenannte Resonatoren – wird mit einem Laser angeregt
Topologisches Licht mit Twist: Eine Kette gekoppelter, elliptischer Mikrosäulen – sogenannte Resonatoren – wird mit einem Laser angeregt (weiß, Mitte). Das Licht breitet sich je nach seiner zirkularen Polarisation in unterschiedliche Richtungen aus (rechtszirkular nach rechts – gelb, linkszirkular nach links – violett). Die gesamte Kette unten ist hierbei kleiner als der Durchmesser eines Menschlichen Haares. Foto: Jochen Thamm / think-design
Würzburger Forschende übertragen den Quanten-Hall-Effekt auf Licht-Materie-Teilchen. Ein Meilenstein für die optische IT und neue Laser-Technologien.
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Das Wichtigste in Kürze

  • Quanten-Hall-Effekt erstmals in optischem System realisiert
  • Polaritonen koppeln Licht und Materie
  • künstliche Eichfelder ersetzen Magnetfelder
  • Polarisation steuert die Transportrichtung
  • robuster, verlustarmer Lichttransport wird möglich

Was bislang nur mit Elektronen funktionierte, gelingt jetzt mit Licht. Einem Team des Exzellenzclusters ct.qmat in Würzburg ist nun ein entscheidender Fortschritt gelungen: Sie haben den Quanten-Hall-Effekt in ein optisches System übertragen. Damit rückt eine neue Form der Informationsverarbeitung näher – schneller, verlustärmer und robuster.

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Im Zentrum steht ein Konzept, das lange als schwer umsetzbar galt: topologisch geschützter Transport ohne elektrische Ladungsträger.

Wie das Prinzip übertragen wurde

Der klassische Quanten-Hall-Effekt beschreibt, wie sich Elektronen entlang von Materialrändern bewegen – stabil und nahezu ohne Verluste. Ursache ist die Topologie des Systems. Störungen im Material beeinflussen den Transport kaum.

Das Problem: Photonen reagieren nicht auf Magnetfelder. Genau diese sind aber nötig, um den Effekt bei Elektronen zu erzeugen.

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Die Lösung liefern sogenannte künstliche Eichfelder. Statt eines realen Magnetfelds manipulieren die Forschenden gezielt die Struktur des Materials. Für die Teilchen entsteht dadurch eine Umgebung, die sich physikalisch wie ein Magnetfeld verhält.

Polaritonen: Wenn Licht und Materie verschmelzen

Im Experiment kommen Polaritonen zum Einsatz. Das sind Zustände, in denen Licht und Materie so stark gekoppelt sind, dass sie sich gemeinsam wie ein neues Teilchen verhalten.

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Diese entstehen in Halbleiterstrukturen mit:

  • eingebetteten Quantenfilmen
  • hochreflektierenden Spiegeln
  • mikroskopisch kleinen Resonatoren

Das Licht bleibt lange genug eingeschlossen, um mit Materie zu wechselwirken. So entsteht ein System, das sich gezielt steuern lässt-

Der entscheidende Trick: Geometrie ersetzt Magnetfeld

Der eigentliche Fortschritt liegt im Design der Struktur. Die Forschenden verwenden elliptische Mikrosäulen, die gezielt gegeneinander verdreht sind. Diese Rotation erzeugt eine Phasenverschiebung im System. Physikalisch entspricht sie dem Einfluss eines Magnetfelds auf geladene Teilchen.

„Die elliptische Form […] erzeugt ein sogenanntes künstliches Eichfeld“, erklärt Sebastian Klembt. Konkret bedeutet das:

  • Die Struktur erzeugt ein künstliches Magnetfeld
  • Polaritonen verhalten sich wie Elektronen im Quanten-Hall-System
  • Der Effekt entsteht allein durch Geometrie

Pseudo-Spin: Polarisation steuert den Transport

Eine zentrale Rolle spielt die Polarisation des Lichts. Sie übernimmt die Funktion eines Spins:

  • linkszirkular → Bewegung in eine Richtung
  • rechtszirkular → Bewegung in die entgegengesetzte Richtung

Das entspricht dem Quanten-Spin-Hall-Effekt. Wichtig ist: Der Transport ist nicht-reziprok. Je nach Polarisation bewegt sich das Licht nur in eine Richtung. Rückstreuung wird unterdrückt.

Der entscheidende Vorteil des Effekts liegt in seiner Robustheit. Selbst wenn das Material Unregelmäßigkeiten oder Defekte aufweist, bleibt der Transport weitgehend unbeeinflusst. Streuverluste treten deutlich seltener auf, und die Signalwege bleiben stabil. Genau diese Unempfindlichkeit gegenüber Störungen macht topologische Systeme für technische Anwendungen interessant.

Kompakte Architektur statt komplexer Systeme

Ein weiterer Fortschritt: Die Struktur bleibt extrem kompakt. Klassische topologische Systeme benötigen oft zweidimensionale Gitter. Hier reicht eine eindimensionale Kette aus Mikrosäulen.

Das reduziert:

  • Platzbedarf
  • Komplexität
  • technische Anforderungen

Gleichzeitig bleiben die entscheidenden physikalischen Eigenschaften erhalten.

Was technisch neu ist

Magnetfelder nötigStruktur erzeugt künstliches Feld

Problem bisher Neue Lösung
große 2D-Systeme kompakte Mikrosäulen-Kette
unkontrollierter Lichttransport richtungsabhängige Ausbreitung
empfindlich gegenüber Störungen topologisch geschützter Transport

Ein Erbe der Nobelpreisträger

Würzburg hat eine lange Tradition in diesem Forschungsfeld. Bereits 1980 entdeckte Professor Klaus von Klitzing an der JMU den Quanten-Hall-Effekt. Dafür erhielt er später den Nobelpreis.

Im Jahr 2006 folgte der Nachweis des Quanten-Spin-Hall-Effekts durch Professor Laurens Molenkamp. Die aktuelle Arbeit von Sebastian Klembt und Simon Widmann führt diese Reihe nun fort, indem sie die Prinzipien der Topologie auf die Photonik überträgt.

Anwendungen: Zwischen Vision und Realität

Die Ergebnisse eröffnen mehrere technische Optionen:

  • topologische Polariton-Laser
  • optische Logikgatter
  • spinbasierte Transistoren

„Der topologische Lichttransport eröffnet neue Möglichkeiten für topologische Polariton-Laser und optische Informationsverarbeitung“, so Klembt. Zukünftige Computer könnten Daten also nicht mehr mit elektrischen Impulsen, sondern mit Licht steuern. Das wäre potenziell schneller und effizienter. Auch neuartige Transistoren, die auf der Polarisation von Licht basieren, rücken damit in greifbare Nähe.

Hier geht es zur Originalpublikation



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