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Mit Atomwaffen will sich Israel vor der Vernichtung schützen

16. Juni 2025

Mit Atomwaffen will sich Israel vor der Vernichtung schützen
Der Jagdbomber F-16 I ist mutmaßlich einer der Flugzeugtypen, mit denen die israelischen Luftstreitkräfte Atomwaffen über große Entfernungen ins Ziel bringen können. Mit Luftbetankung können israelische Bomber den Iran erreichen. Foto: U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Christian Sullivan/Public Domain
„Samson-Option“ bezeichnet die Entschlossenheit Israels, im Falle einer militärischen Niederlage seine Nuklearwaffen einzusetzen und einen weltweiten Atomkrieg in Kauf zu nehmen.
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Inhaltsverzeichnis

Nach dem massiven Drohnen-Angriff vom Iran am Wochenende, behält sich Israel das Recht auf eine militärische Antwort vor. Israels Vertreter bei den Vereinten Nationen, Gilad Erdan, betonte bei einer außerordentlichen Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Sonntag in New York, dass der Iran „jede Grenze überschritten“ habe. Irans Manöver galt als Vergeltungsschlag für einen mutmaßlich von Israel geführten Luftangriff auf das iranische Botschaftsgelände in Syriens Hauptstadt Damaskus. Andererseits wirken Politiker aus aller Welt beschwichtigend auf beide Konfliktparteien ein. Denn am Ende der Eskalationskette könnte ein Flächenbrand in Nahost stehen. Das hat auch mit der Militärdoktrin Israels zu tun, an deren Ende die sogenannte Samson-Option steht, der Einsatz von Atomwaffen.

Wie reagiert Israel auf den Angriff des Irans

„Ich will sterben mit den Philistern! Und er neigte sich mit aller Kraft. Da fiel das Haus auf die Fürsten und auf alles Volk, das darin war, sodass es mehr Tote waren, die er durch seinen Tod tötete, als die er zu seinen Lebzeiten getötet hatte“, schildert das Alte Testament das Ende von Samson, dem einst unbezwingbaren Helden des israelitischen Stammes Dan. Durch Verrat zum Sklaven seiner Erzfeinde, der Philister, geworden, sprengt der Gedemütigte mit seiner gewaltigen Kraft die Säulen des Tempels und reißt 3000 Philister mit in den Tod.

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Ist Israel in seiner Existenz bedroht, kann es einen weltweiten Atomkrieg entfesseln

Entsprechend sprechen Experten von der „Samson-Option“ für Israel. Sollte der jüdische Staat in Gefahr geraten, von seinen Nachbarn überrannt zu werden, würde es seine Nuklearwaffen einsetzen und in Kauf nehmen, einen weltweiten Atomkrieg zu entfesseln. Mittlerweile ist Israel auch einer nuklearen Bedrohung durch den Iran ausgesetzt. Allerdings hat die israelische Regierung noch nie den Besitz von Atomwaffen bestätigt, aber auch noch nie geleugnet. Experten aus Politik und Militär gehen davon aus, dass das Land seit mehr als 50 Jahren Atomwaffen besitzt.

Bereits 1967, am Vorabend Sechs-Tage-Krieges, soll Israels Ministerpräsident Levi Eschkol befohlen haben, zwei auf Lkw verladene primitive Atombomben für den Fall bereitzuhalten, dass ägyptische Truppen auf der Sinaihalbinsel die israelischen Truppen überrennen.

Als sechs Jahre später im Jom-Kippur-Krieg von 1973 die ägyptischen und die syrischen Armeen Israel an den Rand der Niederlage brachten, hatte Israel genügend Atomwaffen, um die Samson-Option als Druckmittel einzusetzen. Premierministerin Golda Meir befahl, 13 Atomsprengköpfe per Flugzeug und Raketen einsatzbereit zu machen. Vermutlich deshalb drehten die syrischen Panzer am Morgen des vierten Kriegstages mitten im Angriff um. Zudem begannen die USA eine Luftbrücke, um schnell dringend benötigte Waffen nach Israel zu bringen.

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Der israelische Historiker Martin von Creveld argumentiert, dass Ägyptens Staatschef Gamal Abdel Nasser die Vernichtungspläne gegen Israel vor dem Sechs-Tage-Krieg nur schmiedete, weil er annehmen konnte, dass das Land keine Atomwaffen besaß. Sein Nachfolger Anwar Al-Sadat dagegen beschränkte demnach seine Kriegsziele im Jom-Kippur-Krieg auf eine Rückeroberung des Suezkanals, weil er wusste, dass er mit einer Bedrohung des israelischen Staatsgebiets einen Nuklearschlag riskierte.

Die Erfahrung des Holocaust lässt Israel auf Atomwaffen setzen

Moralisch rechtfertigt Israel die Samson-Option mit der traumatischen Erfahrung der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Als der Schriftsteller Günter Grass 2012 kritisierte, dass Deutschland mit U-Boot-Lieferungen (s. Kasten rechts) die Nuklearrüstung des jüdischen Staates fördere, antwortete ihm der israelische Holocaust-Überlebende und Dichter Itamar Yaoz-Kest mit den Zeilen: „Aus einer 3000 Jahre alten Angst heraus haben wir das Recht zu sagen: ,Solltet ihr uns je wieder zwingen, vom Antlitz der Erde in die Tiefe der Erde zu fallen – lasst uns die Erde ins Nichts stürzen.‘“

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