Langzeit-Analyse 17.03.2026, 11:00 Uhr

Soft Skills boomen – aber werden Fachkenntnisse verdrängt?

Soft Skills entscheiden über Jobchancen: Teamfähigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit sind gefragter denn je. Gleichzeitig boomen KI-Jobs – doch welche Fähigkeiten und Kompetenzen suchen Arbeitgeber wirklich?

Teamarbeit - Symbolbild.

Soft Skills und KI-Kompetenzen im Fokus: Teamfähigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit bestimmen 2025/2026 die Jobchancen.

Foto: Smarterpix/yacobchuk1

„Der Kollege ist zuverlässig“ – klingt einfach, sagt aber viel aus, Teamfähigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit werden für Arbeitgeber immer wichtiger. Eine Langzeit-Analyse aller Jobs auf Stepstone.de seit 2019 zeigt: Soft Skills gewinnen in Stellenanzeigen zunehmend an Bedeutung.

Soft Skills auf dem Vormarsch

2025 werden Soft Skills in 45 % aller Jobs genannt, 2019 nur in knapp 25 %. Besonders stark gefragt sind:

  • Zuverlässigkeit: +354 %
  • Selbstständigkeit: +168 %
  • Flexibilität: +150 %
  • Teamfähigkeit: +138 %

Warum steigen Soft Skills?

Die Nachfrage nach sozialen Kompetenzen steigt, weil sich Arbeitsumgebungen zunehmend komplex und dynamisch gestalten. Wirtschaftliche Unsicherheit, hybride Arbeitsmodelle und häufig wechselnde Projekte erfordern Mitarbeitende, die sich schnell an neue Bedingungen anpassen und zuverlässig im Team arbeiten. Fachliche Qualifikationen bleiben zwar wichtig, doch Soft Skills entscheiden immer häufiger über die Einstellung.

Vor alem bei den Berufsfeldern mit vielen komplexen Aufgaben, wechselnden Einsatzorten oder engem Teamwork ist es besonders ausgeprägt – klassische Voraussetzungen, bei denen Teamfähigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit besonders gefragt sind.

Konsequenzen für Ingenieure und Tech-Jobs

Auch in technischen Berufen und Ingenieurwesen gewinnen Soft Skills an Gewicht. Darüber haben wir auch mit VDI Young-Engineers ausführlich gesprochen. „Unsere Recherche hat gezeigt, dass die Berufswelt immer interdisziplinärer wird. Ingenieure arbeiten immer häufiger mit Fachfremden zusammen, sei es in gemischten Teams oder bei der Bearbeitung von Themen außerhalb des eigenen Fachgebiets. Da ist es entscheidend, dass Ingenieure in der Lage sind, ihre eigenen Ideen klar zu kommunizieren, effektiv in Teams zu arbeiten und mit verschiedenen Berufsgruppen zu kooperieren – alles Aspekte von Soft Skills“, sagte Lucas Cayé vom Vorstand der Young Engineers gegenüber ingenieur.de 2025.

Wer als Ingenieur, Softwareentwickler oder Projektmanager erfolgreich sein will, muss nicht nur fachlich fit sein, sondern auch teamfähig, kommunikativ und anpassungsfähig agieren. Gerade für Tech-Jobs bedeutet das: Kompetenzen wie MLOps, KI-Strategie oder generative KI werden immer wichtiger, doch die menschliche Fähigkeit, diese Technologien effektiv ins Team und den Geschäftsprozess zu integrieren, ist entscheidend.

Auch sehr gute Fachkräfte mit fundiertem Fachwissen müssen in der Lage sein, ihre Expertise zu vermitteln und effektiv im Team einzubringen. Technisches Know-how allein reicht heute nicht mehr aus: Wer Projekte erfolgreich vorantreiben möchte, muss zusätzlich über soziale Kompetenzen verfügen. Genau hier kommen Soft Skills ins Spiel – sie ermöglichen es Mitarbeitenden, komplexe Inhalte verständlich zu kommunizieren, auf Kollegen einzugehen, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ohne diese Fähigkeiten bleibt selbst die beste Fachkompetenz oft ungenutzt. Das ist auch der Grund, warum auch Ingenieure ihre Sichtbarkeit neu denken müssen.

KI-Jobs sind da – aber Profile haben sich verändert

Während KI-Positionen inzwischen fest auf dem Arbeitsmarkt etabliert sind, zeigt die Analyse: Arbeitgeber legen heute stärker Wert auf Soft Skills und andere Kompetenzen als noch vor vier Jahren.

„In wirtschaftlich unsicheren Zeiten setzen Arbeitgeber verstärkt auf verlässliche und anpassungsfähige Mitarbeitende“, kommentiert Anna Wittich, Arbeitsmarktforscherin bei Stepstone. „Die gestiegene Nachfrage zeigt sich über alle Berufsfelder hinweg – von der Pflege über die Logistik bis ins Projektmanagement. Ob Schichtdienst, wechselnde Einsatzorte oder hybride Arbeit: Verlässlich im Team zu arbeiten und sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen, ist heute überall entscheidend. Fachliche Qualifikationen bleiben wichtig, doch Soft Skills werden immer häufiger zum ausschlaggebenden Faktor.“

Teamfähigkeit sei insgesamt die am häufigsten nachgefragte soziale Kompetenz, hieß es. In 40 % aller Stellenanzeigen, die Soft Skills erwähnten, werde sie ausdrücklich gefordert. Danach folgten Flexibilität mit 26 %, Kommunikationsfähigkeit mit 22 % und Zuverlässigkeit mit 20 %. Anna Wittich erklärte, dass mit zunehmender Automatisierung menschliche Fähigkeiten spürbar an Gewicht gewännen. Gleichzeitig nehme der Einsatz von KI-Tools auch im Recruiting zu, was zu optimierteren Texten mit mehr Standardisierungen führe.

Fachkräfte für konkrete Anwendungen gefragt

Die Analyse zeigt, dass sich KI-Berufe inzwischen fest auf dem Arbeitsmarkt etabliert haben. Gesucht werden zunehmend Fachkräfte, die KI entwickeln und operativ in Unternehmen einsetzen. Nach den Boom-Jahren 2021 bis 2023 hat sich die absolute Zahl der „KI-Jobs“ im Jahr 2025 leicht über dem Niveau von 2019 stabilisiert (+12 %). Als KI-Jobs wurden alle Stellen gewertet, auf die einer oder mehrere von über 40 relevanten Suchbegriffen zutreffen.

Verschiebung der gefragten Kompetenzen

Klassische daten- und plattformorientierte Skills verlieren an Bedeutung. So sank die Nachfrage nach „Internet of Things“ um 70 %, „Big Data“ um 59 % und „Business Intelligence“ um 27 %.

Gleichzeitig steigen Kompetenzen rund um den konkreten Einsatz von KI stark an. Dazu gehören MLOps, der professionelle Aufbau und Betrieb von KI-Systemen, sowie KI-Strategie, also die gezielte Einbindung von KI in Geschäftsprozesse. Auch Jobs im Umfeld Generativer KI haben sich fest etabliert. Besonders gefragt sind Anwendungsfelder wie Sprachverarbeitung (NLP) mit +337 % oder der Umgang mit modernen KI-Frameworks wie PyTorch (+239 %).

Die Ergebnisse verdeutlichen: Arbeitgeber suchen heute weniger nach allgemeinen Datenkenntnissen, sondern bevorzugen Fachkräfte, die KI konkret im Unternehmen umsetzen können.

Neben der IT sind KI-Kompetenzen heute besonders gefragt in den Bereichen Wissenschaft, Beratung, Ingenieurwesen und Marketing, die zusammen rund 80 % aller KI-Jobs ausmachen.

„Es geht nicht mehr nur darum, Modelle zu entwickeln, sondern sie zuverlässig zu betreiben, in bestehende Systeme zu integrieren und wertschöpfend einzusetzen. Rollen wie KI-Engineer oder MLOps-Spezialist waren vor wenigen Jahren noch kaum definiert – heute sind sie als spezialisierte Profile mit messbarem Bedarf am Arbeitsmarkt angekommen“, wird Wittich weiter in einer Pressemitteilung zitiert. „Gleichzeitig zeigt der Rückgang spezialisierter Aufgabenprofile, dass sich in einem rasant verändernden Feld breites Wissen und Veränderungsbereitschaft gefragt ist.“

Dass die Kompetenzen im Wandel sind, zeigt auch eine LinkedIn-Analyse im Zusammenhang mit Software Engineering. Dabei wurden fünf Skills identifiziert.

Methodik der Analyse

Für die Studie wurden alle Stellenausschreibungen auf Stepstone in Deutschland von Januar 2019 bis Dezember 2025 ausgewertet. Untersucht wurde, wie häufig Arbeitgeber KI-Kompetenzen oder Begriffe mit KI-Bezug (wie Machine Learning, Data Science, Big Data oder Robotik) sowie Soft Skills (wie analytisches Denken, Kreativität oder Flexibilität) in den Anforderungen für Bewerbende nannten.

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Mehr als nur ein Soft Skill: Interkulturelle Kompetenz im Beruf

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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