Maschinenbauer setzen auf junge Ingenieure mit KI-Kompetenz
Trotz Fachkräftemangel wollen viele Unternehmen ihre Ingenieurteams stabil halten oder ausbauen. Der VDMA betont, dass Ausbildung und Studium Schritt mit der technologischen Entwicklung halten müssen, um den Maschinenbau als Innovationsmotor zu sichern.
Ingenieurinnen und Ingenieure der Zukunft: Mit KI-Kompetenz den Maschinenbau von morgen gestalten.
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Künstliche Intelligenz hält mit rasanter Geschwindigkeit Einzug in den Maschinenbau – doch sind angehende Ingenieurinnen und Ingenieure darauf ausreichend vorbereitet? Viele Unternehmen bezweifeln das und kritisieren Defizite in der akademischen Ausbildung.
Und hier kommen die Zahlen: Kenntnisse in Künstlicher Intelligenz verbessern die Jobchancen angehender Ingenieure deutlich. Laut einer Umfrage des Maschinenbauverbands VDMA halten 86 % der Unternehmen diese Kompetenzen für wichtig.
Gleichzeitig sind viele Unternehmen mit der KI-Ausbildung an Hochschulen unzufrieden. Nur 23 % bewerten die Vorbereitung der Studierenden als gut. Dagegen halten 49 % die Ausbildung für schlecht oder eher schlecht.
„Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bietet mannigfache Chancen, auch für angehende Ingenieurinnen und Ingenieuren, die wir gemeinsam realisieren werden“, sagte Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.
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Stabile Nachfrage nach Ingenieuren trotz Fachkräftemangel
Laut der aktuellen VDMA-Ingenieurerhebung, an der rund 400 Maschinenbauunternehmen teilnahmen, wollen 77 % der kleineren Betriebe (bis 500 Beschäftigte) die Zahl ihrer Ingenieurinnen und Ingenieure konstant halten. 17 % planen sogar, diese aufzustocken. Bei größeren Unternehmen fällt der Ausblick weniger optimistisch aus: Nur 56 % rechnen mit einer stabilen Entwicklung, während etwa jedes vierte Unternehmen einen Rückgang erwartet.
Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Problem: 54 % der Betriebe berichten von leichten, 17 % sogar von starken Engpässen bei der Suche nach passenden Ingenieurkräften.
„Der Druck auf unseren Innovationsstandort wächst und das gleich an mehreren Fronten“, wird Hartmut Rauen in einer Pressemitteilung zitiert. „Eine wesentliche Basis unserer Innovationskraft droht zu erodieren.“ Dabei wies er darauf hin, dass im Maschinenbau über die Hälfte der Ingenieurinnen und Ingenieure in Forschung, Entwicklung und Konstruktion tätig sei und damit im innovativen Herzstück der Unternehmen arbeite.
„Das Ingenieurstudium muss mit der technologischer Entwicklung Schritt halten“
„Unsere Ingenieurinnen und Ingenieure innovieren aber nicht im luftleeren Raum. Wer Ingenieurbeschäftigung und damit die Innovationskraft in Deutschland wieder nachhaltig voranbringen will, muss den Standort auf Kurs bringen, und zwar schnell!“, sagte Hartmut Rauen.
Vor allem große Unternehmen wollen Forschung und Entwicklung immer stärker ins Ausland verlagern. Darüber hinaus nennen fast alle Unternehmen, die Ingenieurstellen abbauen wollen, als Grund einen Rückgang der Aufträge oder eine schwierige wirtschaftliche Lage. Bei rund zwei von drei Firmen spielen auch gestiegene Personalkosten eine Rolle.
„Wir brauchen schnell neue Qualifikations- und Kompetenzprofile für eine zukunftssichere Ingenieurausbildung“, plädierte der VDMA-Experte. „Das Ingenieurstudium muss mit der technologischer Entwicklung Schritt halten, sonst werden wir perspektivisch bei einer erfolgskritischen Schlüsseltechnologie abgehängt“, warnte Rauen.
Mehr zu dre sogenanntn „Kompetenzmatrix“ bzw. Kompetenzprofilen lesen Sie in diesem Interview.
Positive Perspektiven für Ingenieurnachwuchs trotz Herausforderungen
Rauen sieht die Bundesrepublik mit der kürzlich beschlossenen Hightech-Agenda auf einem vielversprechenden neuen Kurs in der Innovationspolitik. Er betont jedoch, dass es nun vor allem auf schnelles Umsetzen und eine starke Wirkung am Standort ankomme, wofür die Produktionstechnologien des Maschinenbaus stünden.
Gleichzeitig wies er darauf hin, dass etwa 20 % der Ingenieurinnen und Ingenieure im Maschinen- und Anlagenbau in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen werden. Hinzu komme die sinkende Zahl an Absolventinnen und Absolventen, besonders in Maschinenbau und Verfahrenstechnik, was die Nachbesetzung erschwere. Trotz der derzeitigen Unsicherheiten und der anhaltenden konjunkturellen Schwäche sei der künftige Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren weiterhin gesichert.
„Als größter industrieller Arbeitgeber und wichtigster Ingenieurarbeitgeber bleibt der Maschinen- und Anlagenbau die Zukunftsbranche für den Techniknachwuchs mit Berufen, die begeistern und sinnstiftend sind. Denn wir sind es, die Zukunftslösungen erarbeiten, von erneuerbaren Energien über die humanoide Robotik bis hin zur nachhaltigen Ernährung der Weltbevölkerung.“
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