Kündigung erhalten: 7 Dinge, die Ingenieure jetzt sofort tun sollten
Kündigung erhalten? Diese 7 Schritte zeigen Ingenieuren, wie sie jetzt Fristen sichern, Ansprüche klären und strategisch richtig handeln.
Nach der Kündigung zählt Tempo: So sichern Ingenieure ihre Rechte, vermeiden Sperrzeiten und behalten die Karriere im Griff.
Foto: picture alliance / SZ Photo | Wolfgang Filser
| Das Wichtigste in Kürze |
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Eine Kündigung ist kein Einzelfall und kein Karriereurteil. Für Ingenieurinnen und Ingenieure ist sie vor allem eines: ein rechtlich und strategisch zeitkritischer Moment. Wer jetzt abwartet, verliert Optionen. Wer strukturiert handelt, sichert Rechte, Geld und die eigene berufliche Position. Dieser Beitrag zeigt sieben konkrete Schritte, die Sie unmittelbar nach Zugang der Kündigung erledigen sollten.
Inhaltsverzeichnis
- Schritt #1: Kündigung formell prüfen
- Schritt #1: Fristen sichern
- Schritt #3: Unterlagen und Beweise systematisch sichern
- Schritt #4: Frühzeitig rechtliche Einordnung holen
- Schritt #5: Finanzielle Ansprüche vollständig erfassen
- Schritt #6: Arbeitslosengeld und Sperrzeit realistisch bewerten
- Schritt #7: Strategie festlegen
- Typische Fehler nach Kündigungen
- Einordnung für Ingenieurkarrieren
Schritt #1: Kündigung formell prüfen
Der erste Schritt ist nüchtern, nicht emotional. Prüfen Sie die Kündigung formal und zeitlich.
Zentrale Fragen:
- Wann ist die Kündigung zugegangen? (Briefkasten, Übergabe, Einwurf-Einschreiben)
- Welche Art der Kündigung liegt vor? (ordentlich, fristlos, Änderungskündigung)
- Ist sie unterschrieben? (keine Scan-Unterschrift)
- Stimmt das Kündigungsdatum mit Vertrag/Gesetz überein?
Fehler an dieser Stelle sind häufig. Besonders oft: falsch berechnete Fristen oder formale Mängel. Diese korrigieren sich nicht automatisch – sie müssen aktiv angegriffen werden.
Schritt #1: Fristen sichern
Ab Zugang der Kündigung beginnt die juristische Uhr zu laufen.
Unverhandelbar:
- 3-Wochen-Frist für die Kündigungsschutzklage
- Fristen für Arbeitslosmeldung und Arbeitssuchendmeldung
- ggf. Fristen aus Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung
Setzen Sie sofort feste Termine – mit Erinnerung. Wer diese Frist verpasst, verliert selbst bei klarer Rechtswidrigkeit alle Chancen.
Schritt #3: Unterlagen und Beweise systematisch sichern
Ingenieurinnen und Ingenieure unterschätzen oft den Beweiswert ihrer eigenen Arbeit. Ein Fehler.
Jetzt sichern:
- Arbeitsvertrag, Zusatzvereinbarungen, Zielvereinbarungen
- Leistungsbeurteilungen, Projektberichte, Mails
- Abmahnungen (falls vorhanden)
- Dokumentation zu Projekten, Verantwortlichkeiten, Ergebnissen
Wichtig: keine internen Systeme mehr nutzen, wenn der Zugang gesperrt werden könnte. Alles, was rechtmäßig zugänglich ist, jetzt sichern.
Schritt #4: Frühzeitig rechtliche Einordnung holen
Nicht jede Kündigung ist automatisch unwirksam – aber viele sind angreifbar. Eine kurze, fundierte Ersteinschätzung spart Zeit und Fehlentscheidungen.
Klären Sie gezielt:
- Greift das Kündigungsschutzgesetz?
- Ist der Kündigungsgrund belastbar?
- Wurde der Betriebsrat korrekt beteiligt?
- Wie realistisch ist eine Abfindung – und in welcher Größenordnung?
Wichtig: Ziel ist nicht zwangsläufig der Prozess, sondern Verhandlungsmacht.
Schritt #5: Finanzielle Ansprüche vollständig erfassen
Unabhängig vom weiteren Vorgehen bestehen oft konkrete Zahlungsansprüche.
Typisch sind:
- Resturlaub und Urlaubsabgeltung
- Überstunden
- variable Vergütung, Boni, Zielerreichungen
- Sachleistungen (Dienstwagen, Zuschüsse)
Erstellen Sie eine klare Anspruchsliste mit Beträgen. Das ist Grundlage für jede Verhandlung – oder für die Klage.
Schritt #6: Arbeitslosengeld und Sperrzeit realistisch bewerten
Eine arbeitgeberseitige Kündigung führt nicht automatisch zu einer Sperrzeit. Kritisch wird es bei:
- Eigenkündigung
- Aufhebungsvertrag
- verhaltensbedingter Kündigung
Entscheidend ist die Begründung und Ihre Mitwirkung. Dokumentieren Sie sauber, warum Sie die Kündigung nicht verursacht haben. Das schützt vor finanziellen Nachteilen.
Schritt #7: Strategie festlegen
Jetzt folgt der strategische Teil. Es gibt keinen universell richtigen Weg.
Optionen im Überblick:
| Option | Wann sinnvoll | Risiko |
| Kündigungsschutzklage | formale/inhaltliche Zweifel | Zeit, Aufwand |
| Vergleich | schnelle Einigung, Planungssicherheit | geringere Abfindung |
| Direkter Neustart | neue Perspektive vorhanden | Verzicht auf Ansprüche |
Die meisten Menschen sind am erfolgreichsten, wenn sie nicht emotional, sondern verhandlungsorientiert vorgehen. Oft ist der Vergleich das wirtschaftlich beste Ergebnis – aber nur mit Vorbereitung.
Typische Fehler nach Kündigungen
- Kündigung ungeprüft akzeptieren
- Fristen ignorieren
- Dokumente nicht sichern
- Arbeitszeugnis zu spät anfordern
- Kündigung als persönliches Scheitern interpretieren
Eine Kündigung wird nicht „repariert“, nur weil sie fehlerhaft ist. Ohne Reaktion gilt sie als wirksam.
Einordnung für Ingenieurkarrieren
In technischen Berufen sind Kündigungen häufig strukturell erklärbar: Projektende, Umstrukturierung, Standortverlagerung. Sie sagen wenig über Leistung aus.
Entscheidend ist:
- sauberes Arbeitszeugnis
- konsistentes Karrierenarrativ
- klare Kommunikation im Bewerbungsprozess
Eine strategisch gehandhabte Kündigung ist kein Makel, sondern oft der Startpunkt für den nächsten Karriereschritt.
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